„Zu viel von mir erwartet“ – Novak Djokovic will nun im Moment leben

In Shanghai konkretisierte der Weltranglisten-Erste seine vielbeachteten Aussagen um den verlorenen Spaß am Tennis.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 10.10.2016, 08:50 Uhr

SHANGHAI, CHINA - OCTOBER 09: Novak Djokovic of Serbia speaks during a press conference on day one of Shanghai Rolex Masters at Qi Zhong Tennis Centre on October 9, 2016 in Shanghai, China. (Photo by Lintao Zhang/Getty Images)

Novak Djokovichat einige überrascht mit seiner Aussage, den Spaß am Tennis in den letzten Wochen verloren zu haben – mental und emotional ausgelaugt nach dem lange ersehnten Erfolg in Roland Garros. Djokovic hat die Konsequenzen gezogen: Er pausierte, kurierte seine Probleme am linken Handgelenk undmachte einen Abstecher dorthin, wo alles für ihn begann.Wohin all das führt? Werden die nächsten Wochen zeigen.

Djokovic will Spiel und Spaß

In Shanghai will Djokovic nun wieder auf den Platzund in die Erfolgsspur. Dafür habe er die letzten zwei Wochen trainiert und wolle zurück in den Wettkampfmodus, so Djokovic vor Turnierbeginn auf der Pressekonferenz. Nachdem er „zuletzt zu viele dieser Tage hatte, wo ich gespürt habe, dass ich zu viel Energie und mentale Mühe ins Training und die Matches stecken musste“, hätten sich nun die Prioritäten verschoben. „Innere Freude und glücklich darüber zu sein, auf dem Platz zu stehen“ – darum gehe es nun. „Alles andere ist zweitrangig.“

Der Grund klingt scheinbar simpel: „Ich habe schon immer gesagt, dass es mir Spaß gebracht hat, einen Schläger in der Hand zu halten und Tennis zu spielen. Weil es darum geht, ein Spiel zu spielen. Zuletzt habe ich mich zu sehr gestresst, zu viel von mir erwartet. Und nicht nur ich, auch die Leute um mich herum. An einem bestimmten Punkt verlierst du dabei die Ausgeglichenheit. Und Ausgeglichenheit zählt im Leben enorm. Ich versuche momentan, meinen optimalen Seelenzustand wiederzufinden. Dieses Gleichgewicht, das einen mit Freude erfüllt.“

„Ich bin nicht mehr derselbe”

Wie lange und steinig dieser Weg ist, kann Djokovic nur erahnen. „Ich weiß es nicht. Aber ich fühle, dass es schon besser wird, weil ich meine Gemütsverfassung verändert habe. Ich bin nicht derselbe, der ich vor drei Monaten war, nicht derselbe, der ich vor sechs Monaten war. Man entwickelt sich. Man lernt sich ständig besser kennen und das, was das Leben an Möglichkeiten bietet, um zu wachsen. Und darum geht’s mir momentan.“

Dass sich Djokovic von nun an also auch mit Viertel- oder Halbfinalteilnahmen zufrieden geben wird – oder selbst damit glücklich würde? Nein. „Ich weiß nicht, was die Zukunft bringen wird. Das liegt nicht in meinen Händen. Der einzige Weg, die Zukunft vorherzusagen, ist, die Zukunft zu gestalten. Ich versuche, eine Zukunft zu kreieren, wo ich im Moment lebe. Ich will nicht darüber nachdenken, was geschehen ist oder geschehen wird. Und ich denke, dass in genau diesem Moment diese Denkweise die richtige für mich ist.“

Glutenfreie Ernährung und Pokale? Gerne mehr davon

Pokale hochhalten will Djokovic natürlich weiterhin. „Wenn ich sage, dass ich nicht mehr nur daran interessiert bin, zu gewinnen und Pokale hochzuhalten, heißt das nicht, dass mich das überhaupt nicht mehr interessiert. Wenn ich den Platz komme, will ich natürlich das Beste geben, um ein Match zu gewinnen. Das ändert sich nicht. Aber die Prioritätensetzung und meine Einstellung, was Tennis, Karriere, Leben angeht – die hat sich verändert.“

Seine umgestellte Ernährungsweise, die parallel mit seiner Erfolgszeit kam (Djokovic verzichtet seit 2011 streng auf Gluten) wird er nicht aufgeben. „Das hat ja nicht damit zu tun, warum ich Tennismatches gewinne“, so der „Djoker“.

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