Jürgen Melzer beißt sich an Andy Murray wie befürchtet die Zähne aus
Jürgen Melzer konnte dem Wien-Sieger beim ATP-Turnier in Valencia Paroli bieten, verlor aber doch in zwei Sätzen.
von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet:
22.10.2014, 15:41 Uhr

Bei seinem bisher einzigen Antritt bei den Valencia Open 500 war er 2012 erst im Halbfinale gestoppt worden. Heuer war solch ein Abschneiden von Jürgen Melzer allein schon aufgrund der schweren Auslosung nicht zu erwarten gewesen. Und Österreichs zweitbester Spieler aller Zeiten ist beim ATP-World-Tour-500-Hartplatz-Hallenturnier im Osten Spaniens (1.496.095 Euro Preisgeld) tatsächlich in der ersten Runde ausgeschieden. Der Niederösterreicher (ATP 121) biss sich am drittgesetzten BritenAndy Murray(ATP 10),frischgebackener Sieger der Erste Bank Open, so wie befürchtet die Zähne aus und musste sich nach 80 Minuten Spielzeit mit 3:6, 3:6 geschlagen geben. Am Mittwoch später am Abend kam für den 33-Jährigen dann auch im Doppel gleich zum Auftakt das Aus. MitTreat Conrad Huey(Philippinen) unterlag er den ItalienernFabio FogniniundAndreas Seppinach 89 Minuten mit 5:7, 7:6 (5) und 4:10 im Match Tiebreak.
Andy Murray im ATP-Videointerview nach seinem Sieg.
„Der Typ returniert so gut“
Murray war mit dem Selbstvertrauen von vier Siegen in der Wiener Stadthalle nach Valencia gereist, Melzer mit jenem desDoppeltriumphesmit dem DeutschenPhilipp Petzschner. Doch auch im siebten Duell der beiden gab’s für ihn gegen den Schotten nichts zu holen. Der Grund war das Zusammenkommen zweier Faktoren: die zu schwache eigene Aufschlagleistung und das starke Returnspiel von Murray. Melzer verbuchte gerade mal 49 Prozent der Punkte über den ersten Aufschlag und 35 Prozent über den zweiten – insgesamt 44 Prozent der Punkte in seinen Servicegames. „Es war schade, denn ich habe von hinten echt gut gespielt“, befand er gegenüber tennisnet.com. „Aber der Typ returniert so gut. Und ich kann ihm mit dem Service nicht wehtun. Ich glaube, er hat das ganze Match über einen Returnfehler gemacht. Ich kann mich an nicht mehr erinnern.“ Melzer konnte Murray zwar sogar drei Mal bei acht Chancen den Aufschlag abnehmen, dieser kam jedoch auf gesamt sechs Breaks bei elf Möglichkeiten und behielt so klar die Oberhand.
Ab 1:1 im ersten Satz dominierten zunächst meist die Rückschläger. Melzer konnte den ersten Serviceverlust zum 1:2 dank eines Doppelfehlers von Murray sogleich wettmachen, doch den nächsten, zu null kassierten zum 2:3 trotz eines Breakballs nicht mehr: Der Olympia- und US-Open-Champion von 2012 und Wimbledon-Sieger von 2013 reagierte mit einem Ass, einem Service-Winner und noch einem Ass. Zwar konnte Melzer bei 2:4 und 15:40 das Doppelbreak verhindern, bei 3:5 und 0/40 aber kein zweites Mal, weil er bei Murrays drittem Satzball einen Doppelfehler schlug. In den zweiten Durchgang startete der Deutsch-Wagramer gar mit einem Break zum 1:0, eröffnete dem 27-Jährigen allerdings mit einem Doppelfehler die Chance aufs Rebreak, die dieser sofort ergriff. Und als der heimische Routinier bei 2:3 ein 40:0 – Murrays erster Punkt war zudem ein unerreichbarer Netzroller – und einen vierten Gameball verspielte, musste der Frust raus. Wütend zertrümmerte Melzer sein Racket mit drei wuchtigen Schlägen auf den Boden. Und schenkte die Überreste einem jungen Zuseher.
Ein alter Bekannter auf der Bank
Vorübergehend schien das Dampfablassen eine positive Wirkung mit sich zu bringen: Melzer gelang prompt das Rebreak zum 3:4. Der nächste Aufschlagverlust folgte jedoch auf den Fuß, und nachdem Österreichs aktuelle Nummer drei bei 3:5 ein 15:40 nicht zum erneuten Rebreak verwerten konnte, durfte Murray kurz darauf aufatmen. In Melzers Box nahm übrigens neben dem Konditionscoach Christian Rauscher von derSchüttlerWaskeTennis-University ein alter Bekannter Platz: Jan Velthuis. Der Niederländer war lange Zeit bekanntlich Physiotherapeut, Konditionstrainer und auch eine Weile Coach des Wahl-Wieners. Mehr steckt offenbar nicht dahinter: „Jan war so nett und hat mir geholfen“, erklärte Melzer gegenüber tennisnet.com.
Im Doppel war Melzer später dann beim ersten gemeinsamen Antritt mit Huey ebenfalls kein Erfolgserlebnis vergönnt. Die beiden machten zwar das Break zum 1:3 zu null zum 3:4 sowie das trotz 40:30 kassierte Rebreak zum 3:5 zwar nach Abwehr eines Satzballs zum 4:5 wieder wett, ein weiterer Serviceverlust zum 5:7 kostete aber schließlich den ersten Satz. Im zweiten kamen Huey/Melzer über fünf Returngames verteilt zu gesamt sieben Breakchancen, konnten jedoch keine ihrer Möglichkeiten verwehrten. Die einzigen zwei Breakbälle für Fognini/Seppi machten sie ab 3:4 und 30:40 zunichte. Im Tiebreak wurde aus einem 0:2 ein 5:2 und daraus ein 5:5, ehe sich Huey/Melzer doch ins Match Tiebreak retteten. Dort gerieten sie gleich mit 0:5, 1:7 und 2:9 in Rückstand und konnten diesen deutlich nicht mehr aufholen.(Text: MaWa)
Hier die Auslosungen und Ergebnisse aus Valencia:Einzel,Doppel,Einzel-Qualifikation,Doppel-Qualifikation.
