Auf dem Elektroroller zum Titel? Zverev jagt die Grand-Slam-Form
Alexander Zverev will sich beim Masters in Monte Carlo auf seinem Lieblingsbelag in Grand-Slam-Form bringen. Sein Angstgegner Jannik Sinner sitzt derweil Carlos Alcaraz im Kampf um die Nummer eins im Nacken.
von SID
zuletzt bearbeitet:
06.04.2026, 17:36 Uhr

Alexander Zverev schüttelte seine schulterlange, wellige Haarpracht aus, stülpte den Helm darüber und brauste davon. In seiner Wahlheimat Monaco braucht der Tennisstar kein Shuttle, sein kleiner Elektroroller ist ihm genug auf dem Weg zur Anlage. Beim Masters in Monte Carlo will er rund sieben Wochen vor Beginn der French Open an seiner Grand-Slam-Form arbeiten - und im besten Fall den 25. ATP-Titel feiern.
Schon seit Tagen ist Zverev zurück an der Cote d'Azur, ab Dienstag greift er auch im Einzel ins Geschehen ein, er darf dabei endlich wieder auf seinem Lieblingsbelag ran. "Sandplatztennis war ein Teil meines Lebens, seit ich sehr jung war", sagte Zverev, der am Sonntag bereits im Doppel mit Kumpel Marcelo Melo den ersten kleinen Erfolg feiern durfte.
Die Laune ist bestens beim Hamburger, das wurde auch beim sponsorenwirksamen "Minitennis" mit seinem Rivalen Jannik Sinner im Yachthafen der Glitzerstadt deutlich. Schließlich wähnt sich Zverev seit Wochen auf einem guten Weg. "Die Dinge, an denen ich gearbeitet habe, zahlen sich aus - der aggressivere Stil und mein Spiel im Allgemeinen", sagte er.
Und diesen Weg will Zverev in Monte Carlo konsequent fortführen, weil er den Glauben zurückgebracht hat, dass sich der Major-Fluch in diesem Jahr bezwingen lässt. Nicht nur bei Zverev selbst. "Mir geht das Herz auf", sagte der sonst oft kritische Boris Becker kürzlich in seinem Podcast mit Andrea Petkovic: "Er spielt offensiv. Er steht im Feld. Er geht ans Netz. Er spielt mal Serve-and-Volley. So kann ein Sascha Zverev auch bald ein Grand-Slam-Turnier gewinnen."
Der Gelobte selbst hatte sich zuletzt ähnlich optimistisch geäußert. "Ich fühle", sagte er in Miami, "dass es passieren kann - und dass es passieren wird." Zuletzt sahen Zverevs Leistungen teilweise schon so vielversprechend aus, dass er als Mitfavorit ins Turnier im Fürstentum geht.
Sollte es für den Titel nicht reichen, würde er es aber wohl verschmerzen - die Prioritäten haben sich im Alter von bald 29 Jahren eben verschoben, die Topform will Zverev in Paris (ab 24. Mai) haben. "Am Ende zu gewinnen, wäre schön", sagte er, "aber es ist, wie es ist."
Im Spitzentennis geht es aktuell Schlag auf Schlag. Erst kürzlich ging der sogenannte Sunshine Swing zu Ende, die beiden 1000er-Turniere in Indian Wells und Miami. Bei denen ein Mann alles überstrahlte. Sinner unterstrich in den jeweiligen Halbfinals seine Rolle als Zverevs Nemesis und sicherte sich in den jeweiligen Finals mühelos den Titel.
Und so sitzt der Südtiroler in Monaco Carlos Alcaraz im Nacken und kann sich mit dem vierten Masters-Titel in Folge wieder zur Nummer eins im ATP-Ranking aufschwingen - obwohl der spanische Titelverteidiger nach seinem Australian-Open-Sieg im Februar noch stolze 3350 Weltranglistenpunkte Vorsprung hatte. Auch weil Sinner, der im Halbfinale zum dritten Mal in Folge auf Zverev treffen könnte, wegen seiner dreimonatigen Dopingsperre im vergangenen Frühjahr derzeit viele Zähler gewinnen kann.
Das Duell der beiden Dominatoren dürfte also auch in Monte Carlo alles überstrahlen. Zverev wird das recht sein. Im Schatten der Top Two wird er in Ruhe an seinem Spiel arbeiten - und nebenbei vielleicht für ein "verfrühtes" Highlight sorgen.
