Haas mit kuriosem Sieg ins Wien-Finale
Der gebürtige Hamburger ist in Österreich nur noch einen Schritt vom Turniersieg entfernt.
von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet:
19.10.2013, 17:59 Uhr

Tommy Haas greift nach zwölf Jahren nach seinem zweiten Triumph beim ATP-World-Tour-250-Turnier von Wien. Der 35-jährige Routinier gewann am Samstag im Halbfinale mit 3:6, 6:4, 7:6 (0) gegen den Tschechen Lukas Rosol. Im Endspiel am Sonntag trifft der an zwei gereihte Wahl-US-Amerikaner überraschend auf den Niederländer Robin Haase (ATP 63), der den topgesetzten Jo-Wilfried Tsonga (ATP 8) mit 7:5, 7:6 (4) bezwang. Der Franzose war dabei jedoch am einbandagierten linken Knie etwas gehandicapt. Haase ist zweifacher Sieger des bet-at-home Cups in Kitzbühel (2011, 2012). „Wenn alle Turniere in Österreich wären, wäre er Top Ten“, schmunzelte Haas in der Pressekonferenz nach seinem Sieg.
Rosol kriegt Strafpunkt bei Matchball
Die Entscheidung im ersten Duell mit Rosol fiel erst im Tiebreak des dritten Satzes, den Haas vom ersten Punkt an dominierte. Nach 1:46 Stunden half dem Weltranglisten-Zwölften bei seinem ersten Matchball Kontrahent Rosol. Der frustrierte Weltrangliste-44. malträtierte seinen Schläger nach einer misslungenen Vorhand und bekam dafür (nach einer Verwarnung) eine Punktstrafe – damit stand Haas automatisch als Sieger fest. „Ich habe im Tiebreak versucht, mein bestes Tennis abzurufen. Das habe ich definitiv gemacht, er hat mir auch ein paar Punkte gegeben, und ich bin sehr zufrieden, das Match für mich entschieden zu haben.“
„Bin froh, dass ich das in meiner Karriere nochmal erleben durfte“
Das kuriose Ende der Partie hat Haas nicht gänzlich überrascht: „Ich habe mir gedacht, dass es vielleicht dazu kommen würde, obwohl ich mich mit der Situation – ich war 5:0 vorne – schon wohl gefühlt habe. Ich wusste, wenn ich den Punkt jetzt noch kriege, habe ich das so ziemlich sicher im Sack, bei 6:0 muss man das Ding dann normal nach Hause bringen. Ich habe aber dann gemerkt, dass er seinen Schläger auch nochmal richtig kaputtgemacht hat, ich wusste, dass er davor schon ein Warning bekommen hatte. Ich war gespannt, ob ihm Cedric(Stuhlschiedsrichter Mourier; Anmerkung)den Punkteabzug gibt.“ Das tat er. Haas widerfuhr mit einem solchen Schluss eine Premiere: „Es gibt immer das erste Mal. Ich bin froh, dass ich das in meiner Karriere nochmal erleben durfte, damit ich mal sagen kann, dass mir das auch mal passiert ist“, scherzte Haas.
Hier der Punktabzug für Rosol bei 6:0 für Haas im Tiebreak des dritten Satzes im Video:
Kohlschreiber wartet in Valencia
Für Haas ist es das insgesamt 27. Einzel-Finale auf der ATP-Tour und das dritte in Wien. 2000 hatte er dort das Endspiel verloren, ein Jahr später gewann er in der österreichischen Bundeshauptstadt einen seiner 14 Titel. Diesmal ist das Hartplatzturnier in der Stadthalle mit gut 501.355 Euro dotiert. Beim ATP-World-Tour-500-Turnier in Valencia in der kommenden Woche erwartet Haas gleich in der ersten Runde eine pikante Aufgabe. Gegner ist dann in einem deutschen Vergleich Philipp Kohlschreiber, wie die Auslosung am Samstag ergab.
Tsonga vergibt vier Satzbälle
Im zweiten Halbfinale in der Wiener Stadthalle konnte Tsonga seiner Favoritenstellung mit Handicap nicht gerecht werden. Haase schaffte das erste Break zum 4:3, kassierte aber gleich das Rebreak und musste bei 4:5 gar vier Satzbälle abwehren. Der 26-Jährige entschied den ersten Satz daraufhin nach einem Break zum 6:5 für sich und führte auch im zweiten schon mit 5:3. Nach 30/15 setzte es beim Ausservieren jedoch das Rebreak. Tsonga schien wieder Oberwasser zu bekommen, führte im Tiebreak mit 3:1, doch fünf verlorene Punkte in Folge brachten die Vorentscheidung zu Ungunsten des Publikumslieblings, der mit tosendem Applaus aus der Halle verabschiedet wurde – und sich zu seiner Verletzung als möglicher Mitgrund für die Niederlage sportlich höchst fair ausschwieg. Für Haase war aber klar: „Zu manchen Bällen konnte er nicht gut hinlaufen, dann war wiederum gar nichts zu sehen. Aber es hat jeder selbst gesehen, dass er nicht ganz auf der Höhe war.
„Tommy ist ein großer Wettkämpfer“
Haase musste der Darstellung als Österreich-Spezialist teils widersprechen: „Ich spiele nicht nur hier gut. In Wien ist es gar meine erste Siegesserie, ich bin hier zweimal in der ersten und einmal in der zweiten Runde gescheitert. Da kann ich nicht dasselbe sagen wie bei Kitzbühel, wo ich ebenso drei Mal gespielt habe und zwei Mal gewonnen und einmal Halbfinale gespielt habe. Generell fühle ich mich in Österreich aber wohl, ich mag diese Turniere, man hat Spaß und kann gut entspannen abseits vom Tennis. Und wenn man sich gut fühlt, spielt man auch besser.“ Die Rollen im Endspiel sieht Haase relativ klar verteilt: „Es ist ein Finale, alles kann passieren. Eines steht fest: Ich muss mein bestes Tennis spielen, um ihn zu schlagen oder überhaupt eine Chance zu kriegen. Tommy ist ein großer Wettkämpfer, ein großer Spieler. Sein Spielstil ist nicht mein liebster. Ich gehe ins Finale als Underdog. Aber ich bin happy, so weit gekommen zu sein. Ich habe gutes Tennis gespielt – hoffentlich morgen wieder.“(Text: dpa / MaWa; Foto: GEPA pictures)
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