Andy Murray kritisiert Novak Djokovic – „Ich weiß nicht, was sein Problem war“

Fans rätselten über die urplötzliche Erholung von Novak Djokovic im Australian-Open-Finale – und auch Andy Murray.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 02.02.2015, 23:53 Uhr

Wie ein schwer getroffener Boxer taumelte Novak Djokovic im Australian-Open-Endspiel am Ende des zweiten und Anfang des dritten Satzes über den Platz.Bloß um nach 0:2-Rückstand im dritten Durchgang ganz plötzlich sein bestes Tennis auszupacken und zwölf der letzten 13 Spiele zu gewinnen.Sehr zum Missfallen von Andy Murray, der sichtlich wütend ob dieser so sonderbaren Darbietung des aktuellen Weltranglisten-Führenden war. Der Schotte schritt nach dem Shakehands zu seiner Sitzbank und zertrümmerte seinen Schläger, blickte bei Djokovics Siegerrede von hinten mit versteinerter, kühler Miene auf ihn. Und vermied es möglichst, den Serben bei dessen Pokalübergabe eines Blickes zu würdigen. Nicht mal als Djokovic in seiner Ansprache direkt an Murray die folgenden Worte richtete: „Vor allem will ich dir und Kim zu eurerVerlobunggratulieren. Ich wünsche euch eine wundervolle Hochzeit und viele Kinder“ – nicht mal da entkam dem Briten ein Lächeln. Keine Spur von der so guten Freundschaft, die die beiden eigentlich miteinander verbindet: Murray ist bekanntlich Trauzeuge von Djokovic, die beiden haben auch im Doppel schon zwei ATP-Turniere miteinander bestritten.

Murray: „Nein, das ist nicht legitim“

Auch in der Pressekonferenz nach dem Spiel konnte Murray seine Enttäuschung dann schwer verhehlen und fand klare Worte. Ob es eine legitime Taktik sei, den Gegner vielleicht denken zu lassen, dass man verletzt sei, um danach groß aufzuspielen, wurde er gefragt. „Nein, das ist nicht legitim. Ich habe auch keine Ahnung, was sein Problem war. Es hat, ganz offensichtlich, am Anfang des dritten Satzes so ausgesehen, als ob es ihm schlecht ginge, und er hat am Ende des Satzes unglaublich zurückgefunden. Wie er danach den Ball im vierten Satz getroffen und sich bewegt hat, war natürlich beeindruckend. Also ich weiß nicht, was genau das Problem für ihn war.“ Murray, US-Open-Sieger 2012 und Wimbledon-Champion 2013 sowie amtierender Olympiasieger, ergänzte, er „hoffe nicht, dass es der Fall war“, dass das vorsätzlich geschehen sei. „Aber, nun ja, wenn es ein Krampf war, wie er sich davon erholt hat – es ist eine schwere Sache, sich davon zu erholen und so gut zu spielen, wie er das am Ende gemacht hat“, rätselte der 27-Jährige. Murray machte klar, dass der dritte Satz für ihn am frustrierendsten gewesen sei, „weil ich mich davon ablenken habe lassen, als er nach ein paar Schlägen auf den Boden gefallen ist. Es hat ausgesehen, als ob er Krämpfe hat, und das hat mich ein bisschen irritiert.“

Djokovic: „Ich habe mich sehr erschöpft gefühlt“

Nicht ganz außer Acht lassen wollten die fragestellenden Journalisten die Eventualität, dass Djokovic gegen Ende womöglich alles riskiert habe, weil er vielleicht gewusst hätte, dass er einen fünften Satz körperlich nicht mehr überstanden hätte. Jedoch keine für Murray gültige Annahme: „Nein, das glaube ich nicht, weil er sich am Ende des dritten Satzes ja unglaublich bewegt hat, gerutscht ist sowie allem nachgelaufen ist. Ich denke, das war eher so, dass er, als er ein bisschen lockerer geworden ist, einfach auf seine Schläge draufgegangen ist. “ Bei aller Kritik und allem Unverständnis stellte er aber auch klar, sich immer noch vor allem über sich selbst zu ärgern – über seine vielen vergebenen Chancen sowie darüber, dass er sich ablenken habe lassen. Djokovics gegenüber den Medien ausgeführte Sicht der Dinge, dass das Endspiel sehr physisch und beanspruchend gewesen sei, wird Murray als Erklärung wohl nicht reichen: „Man konnte sehen, dass ich am Ende des zweiten, Anfang des dritten Satzes eine Krise hatte. Ich habe mich halt sehr erschöpft gefühlt und etwas Zeit gebraucht, mich wieder zu sammeln, wiederaufzuladen und in die Spur zurückzufinden.“ Krämpfe habe er nicht gehabt. Das letzte Wort in der Angelegenheit dürfte zwischen Djokovic und Murray noch nicht gesprochen sein.(Text: MaWa)

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02.02.2015, 23:53 Uhr