Von Setzlisten und Auslosungen - es gibt (k)einen Automatismus
Ist es zwangsläufig so, dass die Nummer drei eines Turniers im Halbfinale immer gegen die Nummer zwei ran muss? Von wegen!
von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet:
05.04.2026, 08:05 Uhr

Am gestrigen späten Samstagabend hat die Redaktion freundliche Leserpost erreicht. Anlass dafür: Der Artikel über die Auslosung für das ATP-Masters-1000-Turnier in Monte-Carlo, wo Alexander Zverev als Nummer drei des Events erneut in die untere Hälfte des Tableaus gelost wurde und also im Falle des Eintreten der Papierform im Halbfinale wie schon in Indian Wells und Miami auf Jannik Sinner treffen würde. Sinner ist hier wie dort als Nummer zwei gesetzt bzw. gesetzt gewesen.
Und so lesen wir also in unserem Eingangsfach (Re: “Einfach nur zum Kopfschütteln”): „Habt ihr als Tennismagazin eigentlich schonmal selbst Tennis gespielt? Denn dann wüsstet ihr, dass nr 2 und 3 IMMER in derselben Hälfte sind, genauso wie 1 und 4 IMMER. Das nennt man Setzliste.“ Und weiter: „So langsam wird es einfach nur peinlich.“
Nun: Zum einen ehrt es uns natürlich, mit dem fantastischen TennisMAGAZIN in einen Topf geworfen zu werden. Inhaltlich konnten wir aber entgegnen, dass doch gleichzeitig mit Eingang der Mail Frances Tiafoe und Tommy Paul in Houston ihr Halbfinale bestreiten. Tiafoe als Nummer zwei, Paul als Nummer vier.
Woraufhin der besorgte Leser neben anderen Dingen auch ein "Wenn Sie ernsthaft nicht wissen, warum das bei dem Turnier so ist, na dann gute Nacht“ An uns gerichtet hat. Vielmehr an den Autor dieses und des Auslosungsartikels gerichtet hat.
Dabei hätte ein Blick gar nicht so weit zurück genügt, um die eigene Unkenntnis der Sachlage zu begreifen:
- Australian Open 2026: Carlos Alcaraz (1) besiegt im Halbfinale Alexander Zverev (3). Novak Djokovic (2) gewinnt im anderen Halbfinale gegen Jannik Sinner (2).
- Toronto 2025: In der oberen Hälfte waren Alexander Zverev (1) und Lorenzo Musetti (3) ins Tableau eingetragen, in der unteren Taylor Fritz (2) und Ben Shelton (4).
- Aber vielleicht gehen die Uhren in Monte-Carlo ja anders? Möglich, aber eher unwahrscheinlich: Denn vor Jahresfrist ist Alexander Zverev als Nummer eins ins Rennen gegangen und wäre im Halbfinale auf Novak Djokovic (3) getroffen. Gewonnen hat das Turnier Carlos Alcaraz (2), der in seiner Tableau-Hälfte Casper Ruud (4) zu bespielen gehabt hätte.
Es gibt also keinen Automatismus, außer jenem, dass die Nummer eins ganz oben und die Nummer zwei ganz unten ins Raster eingetragen wird. Ab Position drei wird gelost. Was danach auch für die Plätze fünf bis acht der Setzliste gilt. Auch da ist nicht von vornherein gesetzt, dass die Platzziffer in jedem einzelnen Viertelfinale neun ergeben muss. Das mag in Monte-Carlo beim potenziellen Duell Alcaraz (1) gegen Bublik (8) zutreffen, bei Alexander Zverev (3) und Daniil Medvedev (7) geht die Rechnung aber schon nicht mehr auf.
