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Australian-Open-Boss Craig Tiley: "Wurde in den Anrufen beschimpft"

Die Australian Open 2021 sind Geschichte, die großen Skandale sind zumindest während des Turniers ausgeblieben. Wohl auch ein Verdienst von Craig Tiley, der die vergangenen Wochen nun Revue passieren ließ.

von Florian Goosmann
zuletzt bearbeitet: 22.02.2021, 13:55 Uhr

Craig Tiley ist ein Mann der klaren Worte
© Getty Images
Craig Tiley

Craig Tiley und Tennis Australia haben die Australian Open hinter sich gebracht - nach enormem Organisations- und Kostenaufwand. Auf rund 65 Millionen Euro wird der Verlust der diesjährigen Auflage geschätzt, insbesondere aufgrund der Quarantäne-Maßnahmen und des fünftägigen Fehlens von Zuschauern im Laufe des Turniers./

Dass Tiley die Australian Open durchgeboxt hat, wohl auch, weil andere Städte sich gerne in Stellung gebracht haben - Shanghai, Madrid, Indian Wells... "Mein Job in der Führungsposition ist es, das Event und die Geschichte zu beschützen, auch seine Position im Kalender", so Tiley.

Der in den vergangenen sechs Wochen nur drei oder vier Stunden pro Nacht geschlafen hat: Nachdem in drei Flugzeugen Passagiere positiv auf COVID-19 getestet worden waren und 72 Spielerinnen und Spieler in die harte Quarantäne gemusst hatten, habe er mit allen Beteiligten einzeln via Zoom gesprochen: zunächst mit den Spielerinnen und deren Teams, dann mit den Herren und deren Betreuern. Und schließlich mit den internationalen Mitarbeitern - Schiedsrichtern, Medien, Offiziellen. 451 Leute insgesamt seien dies gewesen, mindestens fünf Stunden lange Telefonate pro Nacht. "Ich wurde in den Calls beschimpft. Das war schon heftig", so Tiley gegenüber perthnow.com.au. "Aber ich habe entschieden, dass ich mich dem stellen würde und die Wut aller auf mich nehme, nicht mein Team."

Tiley nach 50 Stunden-Schicht: "Eine Art der Folter"

Das Schwierige: "Normalerweise, wenn man Wut auf sich zieht, passiert das ein Mal. Aber hier ging es 15 Tage lang so. Es war, als ob man 15 Tage lang verbal attackiert wird."

Seine Familie habe er in dieser Zeit in eine Küstenstadt südlich von Melbourne geschickt hat. "Der Stress, der sich auf's unser Zuhause ausgewirkt hat, war zu viel." Hintergedanke: Wenn man tagelang beschimpft werde, lasse man das gerne an anderen aus, das habe er vermeiden wollen. Einmal sei er 50 Stunden am Stück wach gewesen, so Tiley, "es ist wie Folter, Schlafentzug ist eine Art der Folter."

Letztlich aber sei es seine Entscheidung gewesen. Er habe mehrfach damit gerechnet, dass Victorias Premierminister Dan Andrews anrufe und das Turnier absage.

Er habe am Ende nicht das Handtuch werfen wollen, trotz der vielen Tiefpunkte: nach den Flügen, dem positiv getesteten Hotelmitarbeiter, als mitternachts die Zuschauer von der Anlage gemusst haben. Aber sei den Stress wert gewesen. "Ich würde das 100 Mal wiedermachen."

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von Florian Goosmann

Montag
22.02.2021, 15:05 Uhr
zuletzt bearbeitet: 22.02.2021, 13:55 Uhr