Babsi Schett im Interview: „Ich halte sehr viel von Lilli Tagger“

Babsi Schett ist natürlich auch bei der 35. Auflage der Upper Austrian Open als Botschafterin am Start. Und hat auch in Linz das Große und Ganze im Frauentennis im Blick.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 07.04.2026, 18:30 Uhr

Babsi Schett fühlt sich in Linz immer wohl
© GEPA Pictures
Babsi Schett fühlt sich in Linz immer wohl

Der Dienstag war beim WTA-Tour-500-Turnier den Österreicherinnen gewinnen. Und auch wenn Babsi Schett nicht auf dem Spielplan zu finden war: Auch die Tiroler Tennisgöttin hat mehr als nur ihr Scherflein beigetragen. Im noch verwaisten VIP-Bereich hat sich die ehemalige Top-Ten-Spielerin viel Zeit für das Gespräch mit tennisnet genommen. 

Tennisnet: Frau Schett. Sie haben Lilli Tagger schon seit längerer Zeit Potential für einen Platz unter den besten zehn Spielerinnen der Welt zugeschrieben. Wie einige andere Expertinnen auch. Wie viel davon sollte Lilli mitbekommen? 

Babsi Schett: Das ist ganz normal. Mit dem wird sie auch umgehen lernen müssen. Ich habe so eine Aussage vorher noch nie getätigt. Aber bei Lilli glaube ich, dass sie das Zeug hat, um unter die ersten zehn zu kommen. Von der Spielweise her, von ihrer Art, von dem, wie sie sich mit ihrem Tennis auseinandersetzt, von ihrem Umfeld natürlich. Lilli hat hier ja auch gesagt, dass sie irgendwann einmal die Nummer 1 werden will. Aktuell steckt sie sich natürlich Ziele, die realistisch sind. Und dann geht man dann ganz zum Schluss auf die Nummer 1 los. Bei mir war das genauso, nur war dann die Nummer 1 dann gleich mal weg und abgeschlossen! Aber klar: Ich halte sehr, sehr viel von Lilli. 

Tennisnet: Was genau mögen sie an Lillis Art? 

Schett: Sie ist sehr fokussiert in dem, wie sie trainiert, was sie macht. Besonders gefallen hat mir ihre Aussage, dass es wurscht sei, wie das Match ausgeht, sondern dass es um die Entwicklung geht. Das ist genau die Philosophie, die ich für richtig halte. Und da merkt man auch: Das sind gute Leute um sie herum. 

Tennisnet: Zuletzt hat man Lilli Tagger auf Hartplatz in Indian Wells und Miami gesehen. Mit einigen Erfolgen, aber auch noch mit Schwierigkeit, die in ihrem Alter wohl völlig normal sind. 

Schett: Sie fühlt sich sicherlich auf Sand am wohlsten, auf dem sie groß geworden ist. Das ist einfach in ihrer DNA. Sie schnuppert ja erst rein bei diesen großen Turnieren wie Indian Wells und Miami. Da gibt es wahrscheinlich einige Komponenten, die zusammenkommen. Etwa dass man sich in dieser Umgebung wohl fühlt. Für Lilli ist eh alles so wahnsinnig schnell gegangen im letzten Jahr.

Babsi Schett: “Mira Andreeva muss nur das Puzzle zusammenführen”

Tennisnet: Das Turnier in Linz wird nun schon seit ein paar Jahren im Design Center ausgetragen. Wie hat sich der Umzug aus Ihrer Sicht bewährt? 

Schett: Ich finde es total schön hier im Design Center. Alle Spielerinnen schwärmen darüber. Diese Kuppel, also wie das Dach gebogen ist, ist irrsinnig schön. Es hat eine gewisse Eleganz. Ein super „Venue“, wie man so schön sagt. Dass jetzt auf Sand gespielt wird, ist nochmal etwas ganz Einzigartiges. Also 35 Jahre auf Hauptplatz gespielt und dann eben auf dem Sand, das schaut schon ganz anders aus. Dieses Rot, das knallt! 

Tennisnet: Hat die Wahl des neuen Belags auch etwas mit dem Termin zu tun? 

Schett: Definitiv,. Für mich war das die richtige Entscheidung. Es geht dann gleich weiter in Stuttgart, bei einem anderen Sandplatz-Hallen-Turnier. Das wäre, glaube ich, jetzt taktisch gesehen nicht so gescheit gewesen, wenn die Leute aus Charleston oder aus Bogota daherkommen und dann nochmal in der Halle auf Hartplatz spielen müssen. Ja, es war ein großer Aufwand, es ist sehr viel Sand geliefert worden und es hat fünf, sechs Tage gedauert, bis der Platz dann aufgebaut worden ist. Da wurde wirklich Tag und Nacht gearbeitet, aber das Upper Austria Ladies Linz ist irgendwie immer für Überraschungen gut.  

Tennisnet: Als Nummer eins ist Mirra Andreeva kurzfristig ins Hauptfeld gerückt. Wo sehen sie die Russin aktuell sportlich? 

Schett: Sie ist auch erst 18 Jahr alt, das darf man nicht vergessen. Dabei hat man das Gefühl, sie ist schon seit einer Ewigkeit auf der Tour, aber im Endeffekt ist sie doch nur jung und muss noch dazulernen. Vom Kopf her kann sie oft schnell sehr negativ und sehr ungeduldig sein und das ist eine Komponente, woran sie arbeitet. Sie ist ohne Conchita Martinez nach Linz gekommen, die auch einmal eine verdiente Woche Pause hat. Sie hat mir gerade zuerst eine Nachricht hinterlassen und ich habe gesagt, wo bist du eigentlich? Und sie hat gesagt, jetzt muss Mirra einmal alleine zurechtkommen und das ist auch ein Teil der Entwicklung bei ihr. Wir wissen, sie hat die Schläge, sie ist körperlich irrsinnig schnell und gut beieinander. Jetzt muss sie nur irgendwie das Puzzle zusammenführen.
 

von Jens Huiber

Dienstag
07.04.2026, 21:27 Uhr
zuletzt bearbeitet: 07.04.2026, 18:30 Uhr