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Bananen für Tennisspieler? Das war einmal!

Warum die Banane im Tennis ausgedient hat – und Gels & Gums das Rennen machen. Ein Gastbeitrag von Dr. Simone Kumhofer,

von Dr. Simone Kumhofer
zuletzt bearbeitet: 31.07.2026, 11:30 Uhr

Zu Zeiten Roger Federers war die Banane noch hoch im Kurs
© Getty Images
Zu Zeiten Roger Federers war die Banane noch hoch im Kurs

Die Banane hält sich hartnäckig – zu Unrecht? 

Kaum ein Bild ist im Sport so ikonisch wie der Spieler, der beim Seitenwechsel in eine Banane beißt. Sie gilt als „natürlich", „gesund" und „kaliumreich". Und tatsächlich lässt sich eine Studie anführen, die scheinbar für sie spricht: Eine viel zitierte Vergleichsuntersuchung an trainierten Radsportlern zeigte, dass Banane und ein 6%-Kohlenhydratgetränk zu vergleichbarer Leistung, Blutglukose, Entzündung und oxidativem Stress führten. 

Doch dieses Ergebnis ist kein Freispruch für die Banane – es ist ein Artefakt eines anspruchslosen Settings. Verabreicht wurde alle 15 Minuten eine kleine, gleichmäßige Dosis (0,2 g Kohlenhydrat pro kg Körpergewicht) über ein 75-km-Radrennen mit weitgehend konstanter Belastung. Unter solchen Bedingungen – niedrige Zufuhrrate, viel Zeit zur Magenentleerung, keine Explosivspitzen – kann fast jede Kohlenhydratquelle gleichwertig aussehen. Die Studie zeigt nicht, dass die Banane ein gutes Fuel ist, sondern nur, dass bei geringen Anforderungen die Unterschiede zwischen den Quellen verschwimmen. 

Sobald man die drei sporternährungsmedizinisch entscheidenden Parameter ernst nimmt – Absorptionskinetik, Ausschöpfung der Multi-Transporter-Kapazität und Natriumbilanz – verliert die Banane bereits im Ausdauerkontext: Ihre Zufuhrrate lässt sich nicht steuern, ihr Glukose-Fruktose-Verhältnis nicht auf maximale Oxidation optimieren, und ihr Natriumgehalt ist vernachlässigbar. Die Gleichwertigkeit gilt nur, solange man von der Kohlenhydratzufuhr wenig verlangt. 

Und genau hier beginnt die eigentliche Diskussion. Denn Tennis verlangt viel – und entlarvt die Schwächen der Banane gnadenlos. 

Warum Tennis ein Sonderfall ist 

Tennis ist keine Ausdauersportart im klassischen Sinne, sondern intermittierend: kurze, hochintensive Explosivaktionen wechseln mit aktiven und passiven Pausen. Ein Match dauert typischerweise 1–1,5 Stunden, kann sich aber auf bis zu 5 Stunden ausdehnen. Der Stoffwechsel ist dabei hochgradig kohlenhydratabhängig – Sprints, Richtungswechsel und harte Grundschläge werden fast ausschließlich aus Glykogen und Blutglukose bezahlt.

Der entscheidende Punkt: Ermüdung trifft im Tennis nicht nur die Beine, sondern die Präzision. Untersuchungen zeigen, dass ermüdungsbedingt die Qualität der Grundschläge um bis zu 69 % einbrechen kann, in einem 92-Minuten-Match sogar um bis zu 81 %. Wer im dritten Satz die Blutglukose nicht stabil hält, verliert nicht nur Kraft, sondern Ballkontrolle und Entscheidungsschärfe.   

Und noch etwas macht Tennis besonders: Die Seitenwechsel sind das zentrale Zeitfenster für die Nahrungsaufnahme im Match, und Kohlenhydrat- sowie Flüssigkeitszufuhr während der Seitenwechsel können die Leistung ab dem dritten Satz beeinflussen – besonders in Matches jenseits der Zwei-Stunden-Marke. Diese Fenster sind kurz. Und genau daran scheitert die Banane.  

Das Kernargument: Es geht um Kinetik, nicht um Kalorien 

Sporternährungsmedizinisch betrachtet, sind drei Parameter entscheidend – und in allen dreien unterliegt die Banane: 

1. Absorptionsgeschwindigkeit und Verdaulichkeit 

Eine Banane enthält bei ~118 g etwa 27 g Kohlenhydrate, davon rund die Hälfte als Zucker, plus etwa 3,1 g Ballaststoffe. Der Ballaststoffanteil ist im Alltag ein Vorteil – im Match ein Nachteil. Ballaststoffe und die feste Matrix verzögern die Magenentleerung. Bananen, Rosinen und Datteln funktionieren zum Vorab- oder Ruhepuls-Fueling, sind während intensiver Belastung aber weniger effizient – wegen des Kauaufwands und der langsameren Verdauung. Genau deshalb wurden Gels überhaupt entwickelt.  

2. Multiple Transportkohlenhydrate (der eigentliche Gamechanger) 

Der Darm hat eine begrenzte Aufnahmekapazität. Reine Glukose wird über einen einzigen intestinalen Transporter (SGLT1) auf etwa 60 g pro Stunde begrenzt. Kombiniert man Glukose mit Fruktose – die über einen anderen Transporter (GLUT5) läuft – lässt sich die Kohlenhydrat-Oxidationsrate auf bis zu 105 g pro Stunde steigern, weil beide Wege gleichzeitig genutzt werden. Moderne Gels sind exakt auf dieses Glukose-Fruktose-Verhältnis (typisch 2:1 oder 1:0,8) optimiert. Die Banane liefert zwar von Natur aus Glukose und Fruktose – aber in unkontrollierter Menge und verpackt in einer schwer verdaulichen Matrix. Die Dosiskinetik ist schlicht nicht steuerbar.   

3. Elektrolyte – der oft übersehene Schwachpunkt 

Hier ist die Banane fast schon ein Mythos. Trotz ihres Kaliumrufs enthält eine mittelgroße Banane nur etwa 1 mg Natrium – völlig unzureichend, um die über den Schweiß verlorenen Salze zu ersetzen. Energie-Gels enthalten das 50-Fache. Gerade im Tennis, oft bei Hitze und über Stunden gespielt, ist Natrium der leistungslimitierende Elektrolyt – nicht Kalium.

Was sagt die Evidenz konkret zu Tennis?

Die Datenlage spezifisch für Tennis ist noch dünn, aber aufschlussreich. Eine kontrollierte Studie an jugendlichen Nationalspielern verglich Kohlenhydrat-Gel, koffeinhaltigen Kaugummi und Kombinationen. Die Spieler nahmen 21,1 g Kohlenhydrat-Gel und/oder 100 mg Koffein-Kaugummi vor der Belastung und am Ende jedes Satzes ein – also exakt im Seitenwechsel-Rhythmus, wie es die praktische Fueling-Logik vorgibt.

Das ist der entscheidende praktische Vorteil: Gels und Gums lassen sich in genau der kurzen Zeit eines Seitenwechsels konsumieren, ohne Kauarbeit, ohne Magenbelastung, in exakt dosierter Menge. Eine Banane braucht Zeit zum Kauen, sitzt schwerer im Magen und liefert eine unpräzise Dosis.
Für den Zeitpunkt gilt: Etwa 30 Minuten vor dem Match empfiehlt sich ein kleiner ~30-g-Kohlenhydrat-Impuls, etwa ein Energie-Gel oder -Chew, um den Blutzucker anzuheben.  

Interessant ist ein pragmatischer Trend aus der Ausdauerforschung, der sich auf Tennis übertragen lässt: Größere Kohlenhydratdosen in selteneren Intervallen – etwa 45 g alle 30 Minuten – sind praktikabel und gut verträglich, ohne relevante Nachteile bei GI-Komfort im Vergleich zu häufigerer Zufuhr. Für Tennis heißt das: strukturierte Zufuhr an den Seitenwechseln reicht völlig aus.  

Gels und Gums haben auch Grenzen – die aber gut zu handhaben sind 

Ehrlich bleibt ehrlich: Auch Gels sind nicht perfekt. Nur sprechen ihre Schwächen nicht für die Banane. 

Der Magen muss mitspielen. Konzentrierte Gels können bei manchen auf den Magen schlagen. Das ist aber kein Grund, zur Banane zu greifen – sondern eine Frage der Gewöhnung und des Formats. Wer einen empfindlichen Magen hat, greift zu Gums: milder, langsamer freigesetzt, oft besser verträglich. Wichtig ist nur: im Training ausprobieren, nie zum ersten Mal im Match. 

Kein Zaubermittel. Ein Gel macht aus einem schlechten Tag keinen guten. Es unterstützt – mehr nicht. Aber genau das kann die Banane auch nicht, und Gels und Gums lassen sich wenigstens präzise dosieren und timen. Die Banane nicht. 

Und für den Hobbyspieler? Man hört oft, das lohne sich nur für Profis. Bei gemütlichem Ausdauersport stimmt das vielleicht. Tennis ist aber genau das Gegenteil: stop and go, explosiv, oft stundenlang und bei Hitze. Da profitiert auch der ambitionierte Freizeitspieler von der schnellen Energie und dem Salz, das die Banane einfach nicht liefert.

Fazit für den ambitionierten Hobby-Tennisspieler 

Die Banane ist nicht „falsch" – sie steht nur am falschen Ort. Vor dem Match und danach: super. Im Match selbst hat sie gegen Gels und Gums das Nachsehen: 

Kurz gesagt: Banane ab und zu weil sie einfach schmekt – ABER Gel oder Gum, wenn es im Match zählt. Und in beiden Fällen gilt: erst im Training testen, dann im Match darauf verlassen.

 

von Dr. Simone Kumhofer

Freitag
31.07.2026, 13:00 Uhr
zuletzt bearbeitet: 31.07.2026, 11:30 Uhr