Benoit Paire will es nicht einsehen: "Warum sollte ich suspendiert werden?"

Benoit Paire hat im Moment wenig Freude am Tennissport. Und auch der Tennissport hat in diesen Tagen recht wenig Freude mit dem französischen Enfant terrible. Ein Kommentar.

von Michael Rothschädl
zuletzt bearbeitet: 28.03.2021, 20:03 Uhr

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Benoit Paire tut dem Tennissport in diesen Tagen keinen Gefallen
Benoit Paire tut dem Tennissport in diesen Tagen keinen Gefallen

Ein Sport braucht Typen. Das steht außer Frage. Was wäre der moderne Tennissport etwa ohne die spektakuläre Gratwanderung zwischen Genie und Wahnsinn, die mit einem jedem Match vom Australier Nick Kyrgios einhergeht? Richtig, ein Stück weit langweiliger, ein Stück weit uninteressanter. Für die Gustostückerl, die der Mann aus Down Under mit dem Schläger zu produzieren vermag, nimmt man gerne den ein oder anderen Aussetzer in Kauf - auch, wenn der 25-Jährige in der Vergangenheit bereits Grenzen überschritten hat. 

Diese Geschichte handelt aber nicht vom Australier Nick Kyrgios, sie handelt von einem Mann aus Frankreich, der ebenfalls als eine der schillerndsten Gestalten im Tennissport gilt. Die Rede ist von Benoit Paire, jenem Mann, der bis vor Kurzem zu einem nicht unwesentlichen Teil für Zauberschläge wie einem unwiderstehlichen Slide-Volley gegen Gilles Simon (oben im Video) bekannt war - und nur teilweise mit mittelschweren Eskapaden negativ auffiel. 

Paire weiterhin die Nummer 33 der Welt 

Nun aber scheint beim Franzosen die Balance zwischen Gut und Böse aus den Fugen geraten zu sein. Seit der COVID-19-bedingten Unterbrechung der ATP-Tour fällt Paire hauptsächlich mit Lustlosigkeit auf, fällt damit auf, Spiele abzuschenken und später über eine spaßbefreite Tour zu lamentieren. Eine Tour, die ihm in diesen Tagen schlicht und einfach keine Freude bereiten will. 

Und dennoch geht der Weltranglisten-33. (!) wöchentlich seinem Handwerk nach, geht bei Turnieren an den Start, nur um sich nach mehr oder weniger bravem Angaloppieren mit einer Auftaktniederlage wieder aus eben jenem zu verabschieden: Paires Bilanz 2021: 1:7. Das sorgt für Aufruhr in der Tennisszene, erst kürzlich kritisierte Toni Nadal, der Onkel vom 20-fachen Grand-Slam-Champion Rafael Nadal, die Auftritte des Franzosen. 

Roddick sieht Bestrafung angebracht

Einen Schritt weiter geht unterdessen der US-Amerikaner Andy Roddick, der duchaus für eine Bestrafung von Paire eintritt: "Es wurde ein Präzedenzfall für die Bestrafung von Leuten geschaffen, die abschenken, also können sie ihn definitiv bestrafen. Seine eigenen Worte oben sind ein Eingeständnis eines absichtlichen Mangels an Anstrengung. So wird Abschenken im Allgemeinen definiert"; erklärte der ehemalige Weltranglistenerste auf Twitter. 

Von einer Bestrafung will Benoit Paire selbst jedoch freilich wenig hören: "Warum wollen sie mich suspendieren? Warum habe ich nicht das Recht, hier zu sein? Ich gebe mein Bestes, manchmal ist mein Maximum nicht sehr hoch. Ich sehe nicht ein, warum ich eine Suspendierung haben sollte. Komm schon, wir sehen uns in Monte-Carlo, bei einem großen Turnier. Ich kann es kaum erwarten, zu kämpfen", so ein gewohnt ironisch reagierender Paire. 

Problem für das Tennis

Eine Ironie, die in diesem Fall jedoch absolut Fehl am Platz erscheint. Am Auftreten des Franzosen ist nämlich nicht die Frage, wie denn der 31-Jährige nun bestmöglich zu sanktionieren sei, das größte Problem. Vielmehr ist das Auftreten des Weltranglisten-33. ein Problem für den Tennissport. Denn wenn der 17-jährige Holger Rune aus Dänemark in Santiago den Weltranglisten-33. glatt in zwei Sätzen aus dem Turnier nimmt, dann sollte dies eigentlich ein kleines dänisches Tennismärchen darstellen und nicht ein weiteres Kapitel des traurigen Tennisjahres 2021 des Franzosen Benoit Paire. 

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Denn anders als beim eingangs genannten Kyrgios gibt es bei Benoit Paire in diesen Tagen ein Ungleichgewicht zu Gunsten der Eskapaden. Ein Ungleichgewicht, das sich auch in völlig deplatziert ironischen Äußerungen nach Niederlagen wie erst gestern in der zweiten Runde von Miami äußert: "Ein fantastisches Spiel. Ich habe sehr gut gespielt gegen einen exzellenten Spieler, ich fühle den Ball sehr gut. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Spielniveau und dem, was ich auf dem Platz produziert habe. Ich werde auf diesem Spiel aufbauen", bilanzierte Paire nämlich nach seiner Auftaktniederlage gegen Lorenzo Musetti.

Nach einer Niederlage, die wohl nichts weniger erfordert als eine derart sarkastische Äußerung. Denn genau damit zeigt Paire, dass von Läuterung keine Spur ist. Dass auch die künfitgen Auftritte - wie etwa in Monte Carlo - keine 360-Grad-Wanderung vom Franzosen offenbaren werden. Nein, sie werden wohl der Liste an Skandalen einen weiteren Eintrag hinzufügen. Einen Eintrag, den der Tennissport in Zeiten von leeren Rängen, über Bubble und Ranking lamentierenden Profis und einer gespaltenen Spielerschar zwischen ATP und PTPA alles andere als gebrauchen kann. 

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