Billie Jean King Cup: DTB-Team kämpft gegen historischen Absturz
Nach dem verpassten Wiederaufstieg droht den deutschen Tennisfrauen im Billie Jean King Cup nun sogar der Absturz in die Drittklassigkeit. Hält das unerfahrene Team dem Druck stand?
von SID
zuletzt bearbeitet:
10.04.2026, 16:09 Uhr

Ein Außenplatz ohne Tribüne, Zuschauerzahlen im niedrigen zweistelligen Bereich und ja, auch spielerische Mängel. Die Gegenwart des deutschen Frauentennis, das wird beim Billie Jean King Cup im portugiesischen Oeiras derzeit überdeutlich, ist trist. Und doch könnte es noch viel schlimmer kommen: Am Samstag muss sich die unerfahrene DTB-Auswahl gegen den erstmaligen Absturz in die Drittklassigkeit des Nationenwettbewerbs stemmen.
Angst, sagt Teamchef Torben Beltz im SID-Gespräch vor dem entscheidenden Duell gegen Litauen am Samstag (tennis.de), haben sie keine. "Den Mädels ist bewusst, dass das ein Finale ist, und sie sind heiß und wollen das gewinnen", so der Bundestrainer, dessen ersatzgeschwächtes Team zuvor den angepeilten Wiederaufstieg in die Weltgruppe deutlich verpasst hatte. Nach Niederlagen gegen Portugal und Schweden.
Dank des 2:0-Siegs über Dänemark geht Deutschland immerhin als Vorrundendritter in die Playdowns. Zwei Einzel und gegebenenfalls ein entscheidendes Doppel stehen an, dann ist klar, ob das deutsche Frauentennis tatsächlich noch weiter absackt. "Wir denken noch nicht darüber nach, was passieren würde, wenn wir verlieren. Wir wollen rausgehen und mit einer guten Energie das Ding holen", sagt Beltz - und doch droht historisches Ungemach.
Umbruch mit Risiko
Vergangenes Jahr war man unter seinem Vorgänger Rainer Schüttler ja erstmals seit 2012 in die zweitklassige Regionalgruppe Europa/Afrika I abgerutscht, weiter runter ging es bislang noch nie. Nach dem Abstieg läutete Beltz den Umbruch ein, mit Fokus auf die Zukunft, aber nicht ohne Risiko.
Die 38 Jahre alten Tatjana Maria und Laura Siegemund? Stehen laut dem Bundestrainer für Länderspiele zwar weiterhin zur Verfügung, wurden für die Partien in Portugal aber nicht nominiert - trotz ihrer langen Erfahrung als Top-100-Spielerinnen und trotz des kurzfristigen Ausfalls der am Knie verletzten Hoffnungsträgerin Eva Lys. "So wie wir hier sind, ist das gut", verteidigt Beltz seinen Weg. "Die Mädels haben es verdient, hier zu spielen und Erfahrungen zu sammeln."
Pflichtaufgabe gegen Litauen
Auf dem Papier ist der Sieg gegen das Tennis-Entwicklungsland Litauen auch für das deutsche Perspektivteam eine Pflichtaufgabe. Die Zahlen sind da eindeutig. Litauens Nummer eins ist Justina Mikulskyte, die aktuelle Nummer 255 der Welt. Beim Vorrundenduell gegen Serbien schlug mit Iveta Dapkute die 811. der Weltrangliste auf. Außerdem im Kader: die 14 Jahre alte Kamile Seliukaite. Zum Vergleich: Ella Seidel, Deutschlands Anführerin in Portugal, ist die Nummer 85 der Welt, die zweite Einzelspielerin dürfte Noma Noha Akugue (Nr. 192) sein.
"Natürlich sind wir laut Ranking der Favorit und wollen dieser Rolle auch gerecht werden", stellt Beltz klar. Der Druck aber ist hoch. Und dass die junge Mannschaft diesem standhalten kann, das konnte sie in den Vorrundenduellen nur teilweise andeuten.
Sollte es gelingen, bietet sich immerhin im nächsten Jahr wieder die Möglichkeit, dem ernüchternden Status quo zu entfliehen. Die Rückkehr in die Weltgruppe, Spiele in "echten" Stadien und gegen Gegnerinnen aus der internationalen Spitze, das ist selbst in schwierigen deutschen Tenniszeiten der klare Anspruch des DTB.
