Daniel Vallejo: Endlich wieder ein Kandidat aus Paraguay
Mit gerade einmal 22 Jahren entwickelt sich Daniel Vallejo immer mehr zu einer der wichtigsten Figuren im paraguayischen Tennis.
von Von Florian Heer aus Valencia
zuletzt bearbeitet:
16.05.2026, 11:15 Uhr

Der in Asunción geborene ehemalige Junioren-Weltranglistenerste kletterte zuletzt auf Platz 84 im ATP-Ranking und wurde damit nach Víctor Pecci und Ramón Delgado erst der dritte Paraguayer überhaupt, der den Sprung in die Top 100 geschafft hat. In dieser Saison sorgte Vallejo außerdem bei den Mutua Madrid Open für Aufsehen, als er Grigor Dimitrov besiegte und damit als erst zweiter Spieler seines Landes überhaupt einen Sieg bei einem Masters-1000-Turnier feiern konnte.
Bei der Copa Faulconbridge in Valencia hat Vallejo in dieser Woche das Halbfinale erreicht und bestätigte damit seine starke Form. Am Rande des ATP Challenger 175 Events in Spanien blickte er auf seine bisherige Saison zurück.
„Man kann niemals zehn von zehn Punkten geben, weil man sich immer noch verbessern kann“, sagte Vallejo nach seinem Zweisatzerfolg über den an Nummer drei-gesetzten Belgier Zizou Bergs im Viertelfinale am Freitag. „Aber ich würde meiner Saison bisher eine neun von zehn geben. Ich habe den Sprung in die Top 100 geschafft und befinde mich jetzt im Übergang von der Challenger Tour zur ATP Tour. Solche Matches zu gewinnen, fühlt sich großartig an. Es hat mir geholfen, mein Level weiter anzuheben. Es geht vor allem darum, sich an die Spieler zu gewöhnen, die Woche für Woche auf höchstem Niveau agieren.“
Erfolge auf der Challenger Tour
Bereits zwei Challenger-Titel konnte Vallejo in diesem Jahr gewinnen – im chilenischen Concepción und im brasilianischen Itajaí - dazu kommen ATP-Matcherfolge in Santiago de Chile und beim U.S.-Clay Event in Houston, Texas.
Besonders emotional waren für ihn die im März ausgetragenen Paraguay Open, ein ATP Challenger Sandplatzevent in Asunción.
„Es war wirklich etwas Besonderes, weil ich seit meiner Kindheit kaum die Möglichkeit hatte, Turniere in meinem Heimatland zu spielen“, erklärte er. „Ich bin das gar nicht gewohnt. Vor heimischer Kulisse zu spielen – insbesondere beim Davis Cup - ist immer sehr speziell. Hoffentlich werde ich noch viele weitere Male diese besonderen Momente erleben können.“
Angriff auf die Top 20 der Welt
Insgesamt spielt der Tennissport in Paraguay aber weiterhin nur eine kleine Rolle, was Vallejo gerne verändern würde.
„Eigentlich existiert Tennis dort kaum“, sagte er offen. „Nach Víctor Pecci und Ramón Delgado bin ich jetzt der Nächste. Hoffentlich kommt bald eine neue Generation nach, wo ebenfalls Spieler Profis werden möchten.“
Dass er aktuell das beste Tennis seiner Karriere spielt, steht für ihn außer Frage.
„Auf jeden Fall. Matches auf höchsten Niveau helfen mir jeden Tag besser zu werden. Hoffentlich werde ich eine lange Karriere haben und irgendwann die Top 20 oder sogar die Top 10 erreichen.“
Seine größten Stärken sieht Vallejo vor allem in seiner Vielseitigkeit von der Grundlinie.
„Ich bin solide, versuche aber auch mein Spiel zu variieren - mit eingestreuten hohen Bällen, Stopps und Schlägen mit unterschiedlichen Winkeln.“
Kein Fußball – voller Fokus auf Roland Garros
Auch abseits des Platzes fühlt sich der Paraguayer in Valencia wohl.
„Es ist mein erstes Mal hier. Ich bin immer gerne in Spanien. Ich mag das Essen und die Menschen hier. Mein Team und ich haben eine richtig gute Zeit. Wir gehen während einer Turnierwoche häufig in die Stadt auf einen Kaffee oder nach dem Abendessen noch in eine Bar. Wir lachen sehr viel zusammen. Wenn ich zu Hause bin, versuche ich möglichst viel Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen.“
Fußball spielt – ungewöhnlich für einen Südamerikaner - hingegen kaum eine Rolle in seinem Leben.
„Nicht wirklich“, antwortete er lächelnd auf die Frage, ob er Fußballfan sei.
Und wie sieht die weitere Reise auf der Tour aus? „Ich hoffe, dass ich mich nach Valencia erst einmal gut erholen kann. Danach werde ich nach Paris fahren, um dort zu trainieren. Nach Roland Garros geht es zurück nach Buenos Aires, wo ich aktuell lebe, um mich auf die Rasensaison vorzubereiten.“
