Daniil Medvedev über "Big Three": "Würde mich nicht wundern, wenn sie heuer alles gewinnen"

Daniil Medvedev spielte sich mit hervorragenden Leistungen von Oktober bis November des Vorjahres an die Weltspitze. Nun spricht der 24-Jährige mit marca.com über die Dominanz der "Big Three", sein Verhalten auf dem Platz und die Olympischen Spiele. 

von Michael Rothschädl
zuletzt bearbeitet: 13.02.2020, 08:12 Uhr

Daniil Medvedev spricht im Interview mit marca.com über seine Einschätzungen zur Dominanz der Großen Drei
Daniil Medvedev spricht im Interview mit marca.com über seine Einschätzungen zur Dominanz der Großen Drei

Er waren unglaubliche Wochen, die der junge Russe, Daniil Medvedev, im Vorjahr von August bis Oktober hinlegte. Der 24-Jährige ging in dieser Zeit bei sechs Turnieren an den Start, bei allen sechs stand er auch im Finale. Das Highlight für Medvedev waren dabei sicher die US Open, zu denen er als frischgebackener ATP-Masters-1000-Champion von Cincinnati anreiste. Und auch in New York spielte sich der Russe in einen Lauf, schaltete unter anderem Stan Wawrinka und Grigor Dimitrov aus und stand im Finale Rafael Nadal gegenüber. In diesem sah aber der Spanier, als ihm im dritten Satz das Break zum 3:2 gelang, schon wie der sichere Sieger aus. Doch Daniil Medvedev zeigte eindrucksvoll, wieso er in den Wochen davor so schwer zu besiegen war, kämpfte sich zurück in diese Partie - nur um nach vier Stunden und 53 Minuten doch den Kürzeren zu ziehen. 

So knapp wie Daniil Medvedev war keiner der jungen Garde vor ihm dran an einem Sieg gegenüber einen Spieler der "Big Three" in einem Grand-Slam-Finale. Gleich beim nächsten Major, diesmal in Down Under, war es dann der Herausforderer, Dominic Thiem, der einem Sieg zum Greifen nah war - sich am Ende dann aber doch der Klasse von Novak Djokovic geschlagen geben musste. Bisweilen bleibt die Dominanz von Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic also aufrecht. Dass diese bald enden werde, davon ist Daniil Medvedev indes alles andere als überzeugt: "Nadal, Federer und Djokovic haben viele Titel hintereinander gewonnen, ich wäre nicht überrascht, wenn sie auch 2020 alle Titel (Anm. Grand-Slam-Titel) holen", meint der Russe im Interview mit marca.com.

Medvedev: Auch Top-20-Spieler zu Grand-Slam-Sieg fähig

"Sie sind unglaublich und wissen jederzeit, was sie tun müssen. Die Qualität der Bälle, die du von ihnen bekommst, macht alles viel schwieriger. Wenn du gegen sie antrittst, kannst du dir keine freien Punkte erwarten. Es ist wahr, dass es einfacher ist, sie in drei Sätzen zu besiegen als in fünf", führte der 24-Jährige weiter aus. Das Feld, das hinter den Top-3 einen Major-Titel gewinnen könne, sieht der Russe überraschend breit: "Tatsächlich glaube ich sogar, dass ein Top-20-Spieler in der Lage wäre, ein Grand Slam zu gewinnen, auch wenn sie den Nachteil einer schwierigeren Auslosung haben."

Die Art, wie sich Daniil Medvedev auf dem Platz präsentiert, gefällt nicht jedem. Bei den US Open wurden die Auftritte des Russen immer wieder von Pfiffen begleitet. Dass dieser Umstand dem siebenfachen ATP-Tour-Titelträger aber nichts ausmacht, im Gegenteil, ihn eher anspornt, zeigte er ihm Anschluss an sein Drittrundenduell in New York: "Ich danke euch. Eure Energie hat mir den Sieg gebracht", meinte Medvedev provokant in Richtung Publikum. Was vielen nicht gefällt, sei laut dem Russen Teil seines Charakters: "Ich versuche, auf und abseits des Courts ich selbst zu sein. Manchmal wird das negativ interpretiert, manchmal andersrum. Es ist an den Zuschauern, zu entscheiden, ob sie es mögen oder nicht", meinte Medvedev gegenüber der spanischen Zeitung. 

Gute Zeiten für russischen Tennissport

Nicht nur dank Daniil Medvedev erlebt der russische Tennissport aktuell einen Höhenflug. Andrey Rublev konnte im Kalenderjahr 2020 bereits zwei Titel gewinnen, auch Karen Khachanov weiß, wie es sich anfühlt, auf ATP-Masters-1000-Ebene zu triumphieren. Ähnliches zu erreichen, wie die goldene russischen Generation mit Marat Safin, Yevgeny Kafelnikov und Mikhail Youzhny, würde Daniil Medvedev sehr glücklich machen: "Hoffentlich können wir uns irgendwann mit ihnen vergleichen, denn das bedeutet, dass wir Grand Slam- und Olympiamedaillen gewonnen haben. Das beruhigendste wäre, wenn Kinder in Russland dank uns gerne Tennis spielen würden. Wir kämpfen jeden Tag für uns und darum, unser Land zu repräsentieren." 

Damit sind die russischen Tennisathleten auch bei den Olympischen Spielen ernstzunehmende Kandidaten für eine Medaille. Dort müssen diese aber aufgrund des Dopingskandals in Russland unter neutraler Flagge spielen. Ein Umstand, der Daniil Medvedev traurig macht: "Ich verstehe, dass es keine leichte Entscheidung war, aber ich würde gerne unter meiner Flagge in Japan spielen. Es bleiben noch ein paar Monate und wir werden sehen, was am Ende passiert, wenn wir im Juli dort spielen." Eine Sache ist aber gewiss, der Weg zu Olympischen Gold wird auch in Tokio über die "Big Three" führen. 

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