„Captain Jim“ – Was ein US-Teamchef alles drauf haben muss

Jim Courier ist seit 2010 Kapitän des US-amerikanischen Davis-Cup-Teams. Eine Rolle, die er mit Hingabe ausfüllt.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 20.07.2016, 15:13 Uhr

MELBOURNE, AUSTRALIA - MARCH 03: Jim Courier captain of the United States looks on during a practice session after the official draw ahead of the Davis Cup Tie between Australia and the United States at Kooyong on March 3, 2016 in Melbourne, Austral...

Gewinnen ist etwas, was Jim Courier im Blut liegt. In seiner erfolgreichen Karriere als Spieler schaffte es der Mann, der für seine unkonventionelle „Baseball-Rückhand“ bekannt war, bis auf den Thron der Weltrangliste. Anfang der 1990er Jahre gab es kaum ein Vorbeikommen an Courier – der US-Amerikaner gewann jeweils zweimal die Australian Open sowie die French Open. Auch im Davis Cup räumte Courier kräftig ab. 1992 und 1995 triumphierte der passionierte Baseballcap-Träger mit den USA. Nach seinem Karriereende machte sich der„Hall of Famer“ als pointierter Interviewer und Kommentator fürs Fernsehen einen Namen. Dass ihn Tennis nie losgelassen hat, wird am deutlichsten, wenn Courier über seine Rolle als Davis-Cup-Teamchef spricht.

„Es ist eine besondere Zeit, ich liebe es, Kapitän zu sein“, sagte 45-Jährige gegenüber „Sports Illustrated Online“. Seit sechs Jahren führt „Captain Jim“ die USA durch den renommierten Teamwettbewerb. Der Rekordsieger (32 Titel) schaffte es unter seiner Ägide immerhin zweimal ins Halbfinale. Nicht vergleichbar mit den Erfolgen der goldenen Ära, geprägt von Pete Sampras und Andre Agassi, aber zumindest respektabel. Zuletzt musste Courier mit seinem Team allerdings eine bittere Pille schlucken.Die USA gaben eine 2:0-Führung gegen Kroatien noch aus der Hand und verspielten in Houston das sicher geglaubte Halbfinal-Ticket. Nimmt manJack Socks Aussagen zum Maßstab, lag es nicht an Courier, dass die Partie noch kippte. Der Weltranglisten-26. drehte gegenMarin Ciliceinen0:2-Satzrückstand in einen Sieg, obwohl Sock auch im fünften Satz bereits mit 0:3 hinten lag. Couriers Hilfe von außen sei „unglaublich“ gewesen, bekräftigte der 23-Jährige und meinte vor allem die nützlichen Korrekturen beim Return.

Chamäleon Courier verspürt den „Geburtskick“

Der Gelobte sieht die Seitenwechsel als einzigartige Gelegenheit, um ein Match in die richtigen Bahnen zu lenken. „Es ist das, was ich dem Team extra geben kann – die Strategie situativ anzupassen.“ Im Vorfeld der Matches arbeitet Courier eng mit den „Heimtrainern“ der Spieler zusammen und nutzt Videoanalysen. Zu tiefe Eingriffe in die gewohnten Abläufe seien dabei aber eher kontraproduktiv, weiß der Kapitän: „Ich will die Jungs nicht aus ihrer Komfortzone reißen. Es geht mehr darum, ihre Aufmerksamkeit richtig zu kanalisieren und positive Energie zu vermitteln – wenn ich zu sehr eingreife, schadet das eher.“

Ein guter Teamchef müsse ein Chamäleon sein. Es gehe darum, Stimmungen und Befindlichkeiten im Team aufzunehmen und in Erfolg umzuwandeln. Der Druck für sein Land zu spielen, ist enorm, „vielleicht sogar größer als in einem Grand-Slam-Finale“, so Courier für den der Davis Cup einen Adrenalinkick auslöst wie bei der Geburt eines Kindes. Auf dieses Gefühl muss der Vater eines Sohnes nun bis ins kommende Frühjahr warten. Dann will der siegverwöhnte Courier es erneut versuchen, die „hässlichste Salatschüssel der Welt“ zum 33. Mal in die USA zu holen.

von tennisnet.com

Mittwoch
20.07.2016, 15:13 Uhr