Abstiegskampf im Davis Cup – Michael Kohlmann auf der Suche nach einem Team

Vor der Davis-Cup-Relegation gegen Polen gibt es Ärger im deutschen Davis-Cup-Team.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 03.09.2016, 07:39 Uhr

HANOVER, GERMANY - MARCH 06: Alexander Zverev of Germany appears frustrated in his match against Lukas Rosol of Czech Republic during Day 3 of the Davis Cup World Group first round between Germany and Czech Republic on March 6, 2016 in Hanover, Germ...

Hartford 1987:Boris Becker gegen John McEnroe.Göteborg 1988:Carl-Uwe Steeb gegen Mats Wilander.Moskau 1995:Michael Stich gegen Andrei Chesnokov.Drei Davis-Cup-Partien, die sich tief ins kollektive Gedächtnis der deutschen Sportfans eingegraben haben. Keine einfachen Tennisspiele. Schlachten, Wunder, Dramen. Millionen Fans, gefesselt vor ihren Fernsehern. Lang, lang ist's her. In der grauen Gegenwart weiß Bundestrainer Michael Kohlmann zwei Wochen vor dem ersten Einzel der Relegation (16. bis 18. September) gegen Polen nicht einmal, auf wen er in Berlin bauen kann. Der Kreis der Kandidaten ist derart eingeengt, dass mit einem Rumpfteam der erste Abstieg aus der Weltgruppe seit 13 Jahren droht. Kohlmann klang angeschlagen, als er am Rande der US Open sagte: „Diese Partie zeigt vielleicht, was einige Spieler vom Davis Cup halten.“

Alexander Zverevzum Beispiel. Der Jungstar hatte noch vor seinem Debüt im März in Hannover gegen Tschechien (2:3) verlauten lassen: „Es war immer mein großes Ziel, im Davis Cup für Deutschland zu spielen.“ Heute ist ihm die Reise in die Hauptstadt zu beschwerlich, selbst wollte er es in New York nicht zugeben, doch Kohlmann sagte: „Ich gehe davon aus, dass er nicht spielt.“ Der enge Terminplan,der Sandplatz an der Hundekehle inmitten der Hardcourtsaison- zwei Gründe, die Zverev reichen, um sein Team in großer Not alleine zu lassen, und die Kohlmann sogar nachvollziehen kann. Deutlich Stellung bezog Zverev allerdings nicht, im Gegenteil. Der Teenager erklärte in Flushing Meadows, bezüglich seiner Nominierung noch keinen Kontakt zum Deutschen Tennis-Bund (DTB) gehabt zu haben.

Ärger über Dustin Brown

Das wiederum konnte Kohlmann nicht stehen lassen. „Ich würde lügen, wenn ich das bestätigen würde. Wir haben mehrmals gesprochen“, sagte er. Einen letzten Vorstoß wollte Kohlmann noch unternehmen, ohne große Aussicht auf Erfolg. Doch Zverev ist längst nicht der einzige Spieler, auf den der Teamchef verzichten muss. Auch Zverevs älterer Bruder Mischa sagte ab, verärgert ist Kohlmann aber besonders überDustin BrownsVerzicht, der „andere Ziele“ verfolge. „Er will in die Top 60 und keine Challenger mehr spielen. In der Davis-Cup-Woche geht er aber bei einem Turnier in Stettin an den Start. Das lasse ich jetzt einmal unkommentiert“, sagte Kohlmann.

Seine Hoffnung ruht nun aufFlorian Mayer,Jan-Lennard Struff- und einer Wunderheilung von SpitzenspielerPhilipp Kohlschreiber.Mit seinem Start bei den US Open trotz einer noch nicht ausgeheilten Stressfraktur im rechten Fuß hat Kohlschreiber sich und seinem Team keinen Gefallen getan. „Wenn er überhaupt ein Match bestreiten kann, würde ich mich freuen“, sagte Kohlmann. Der frühere Doppelspezialist ist frustriert, weil es für ihn selbst kaum etwas Größeres gab, als für sein Heimatland anzutreten. „Für mich war der Davis Cup immer etwas ganz Besonderes, da gab es nie eine Diskussion. Da müssen wir wieder hinkommen“, sagte Kohlmann. Er selbst war und ist ein Teamplayer. Einige seiner Spieler - allen voran Alexander Zverev - sind Einzelunternehmer, die den Wert der Emotionen, die der Davis Cup nicht nur bei den legendären Partien in Hartford, Göteborg und Moskau hervorgerufen hat, nicht zu schätzen wissen.

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