Dieter Kindlmann - „Bei Serena Williams muss man immer vom Besten ausgehen“

Dieter Kindlmann ist als Coach von Ajla Tomljanovic zum WTA-Premier-Event nach Rom gekommen. Der deutsche Übungsleiter im tennisnet-Interview über die aktuellen Entwicklungen im Damentennis.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 13.05.2019, 13:58 Uhr

Dieter Kindlmann betreut derzeit Ajla Tomljanovic
© Jürgen Hasenkopf
Dieter Kindlmann betreut derzeit Ajla Tomljanovic

Die verletzungsgeplagte Australierin Tomljanovic trifft in Rom in Runde eins auf eine Qualifikantin. Dieter Kindlmann scoutet für und mit seinem Schützling die möglichen Gegnerinnen. Ein Gespräch auf der Tribüne des Pietrangeli.

tennisnet: Herr Kindelmann. Wir sehen gerade Amanda Anisimova gegen Kristina Mladenovic. Der US-Amerikanerin werden sehr viele Vorschusslorbeeren zuteil. Was halten Sie von Anisimova?

Dieter Kindlmann: Sie geht mit dem Druck sehr gut um, auch wenn die Amerikaner sehr viel von ihr erwarten. Sie hat vor kurzem ihre erstes Turnier gewonnen, in Australien sehr gut gespielt. Hat meiner Meinung nach schon eine der besten Rückhände auf der Tour, ist aber erst 17 Jahre alt. Der steht also alles offen. Man muss sie nur behutsam aufbauen. Aber Anisimova hat alles, was ein Weltstar benötigt.

tennisnet: Eigentlich hätten Sie auch mit einer jungen Amerikanerin arbeiten sollen: Catherine Bellis.

Kindlmann: Das ist in der Tat sehr schade. Im November haben wir die Vereinbarung getroffen, zusammenzuarbeiten, wenn sie nach ihrer zweiten Operation am Handgelenk zurückkommt. Leider konnten wir dann bis zum März immer noch nicht gemeinsam beginnen - und jetzt musste sie ein drittes Mal operiert werden. Sie ist ein super talentiertes Mädchen, das aber leider schon 16 Monate außer Gefecht ist.

tennisnet: Bellis ist eine Spielerin, die nicht über das Tempo kommt wie etwa eine Aryna Sabalenka. Haben solche Spielertypen auf der WTA-Tour überhaupt noch große Erfolgsaussichten?

Kindlmann: Es ist schon noch Platz für jemanden wie Cici Bellis. Voraussetzung ist allerdings, dass sie monsterfit ist. Aber es ist schwierig, weil es kommt viel auf den Aufschlag an. Cici ist sehr klein - und wenn man sich Sabalenka anschaut oder auch Kiki Bertens in Madrid, die haben einen Aufschlag, der eine Waffe ist.

Bei Serena reden wir von einer Legende

tennisnet: Auch Ihr neuer Schützling, Ajla Tomljanovic, hatte in ihrer Karriere schon massive Probleme. Wie geht es ihr jetzt?

Kindlmann: Wir arbeiten jetzt drei Monate lang zusammen. Ajla ist erst 26 Jahre alt, hat aber fast drei Jahre wegen ihrer Schulterverletzung pausieren müssen. Man muss sie langsam aufbauen, kann nicht so viel spielen. Man merkt schon: wenn sie mal drei, vier Matches so wie in Rabat macht, dass dann alles abbaut. Wir möchten am Ende des Jahres um die Position 30 stehen, da ist noch viel Luft nach oben, körperlich und mental.

tennisnet: Serena Williams gibt hier ihren Einstand auf Sand 2019. Was trauen Sie ihr zu - auch in ein paar Tagen in Roland Garros?

Kindelmann: Bei Serena muss man immer vom Besten ausgehen. Wir reden von einer Legende, die mit ihrer Präsenz allein schon unheimlich viel erreichen kann. Ich glaube, dass sie auch Matches braucht. Ob sie sieben Spiele gewinnen kann, wird sich zeigen. Das hängt natürlich auch sehr von der Auslosung ab.

Bei Madison Keys hängt alles von ihrer mentalen Verfassung ab

tennisnet: Angelique Kerber fehlt hier in Rom. Wagen Sie eine Ferndiagnose, wie es der deutschen Nummer eins gerade geht …

Kindlmann: Das ist natürlich schwer. Ich habe letzte Woche kurz mit Rainer Schüttler gesprochen, der mir erzählt hat, wie sich Angie verletzt hat. Der Druck auf sie ist natürlich hoch, man erwartet viel. Sie ist auch schon in einem Alter, wo man weiß, sie muss liefern. So eine Verletzung ist nicht hilfreich vor einem Grand-Slam-Turnier, keine Frage. Aber ich wäre mehr als zufrieden, wenn meine Spielerin so eine Saison hätte wie Angie.

tennisnet: Ein ehemaliger Schützling von Ihnen, Madison Keys, hat zuletzt in Charleston den Titel geholt. Wo sehen Sie Keys gerade - auch in Hinblick auf ganz große Erfolge, etwa in Wimbledon?

Kindlmann: Madison liebt Charleston. Und wenn sie ein Turnier man und dann Erlebnisse hat wie in der ersten Runde gegen Tatjana Maria, wo sie fast schon ausgeschieden ist, dann zurück kommt, sich wohl fühlt, dann ist sie sehr, sehr schwer zu schlagen. Sie hat vor Charleston einen Trainerwechsel vorgenommen, da ist sie dann auch immer etwas motivierter. Madison hat pro Jahr zwei, drei Turniere, bei denen sie wirklich weit kommt. Sie mag Wimbledon, sie liebt den Rasen, ich sehe einen Erfolg dort als gar nicht so unrealistisch an. Aber sie kann genauso gut in der ersten Runde verlieren. Es hängt alles von ihrer mentalen Verfassung ab.

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von Jens Huiber

Montag
13.05.2019, 13:37 Uhr
zuletzt bearbeitet: 13.05.2019, 13:58 Uhr

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