DTB-Präsident Dietloff von Arnim: "Müssen uns jetzt schnell Gedanken machen"

Im Gespräch mit dem Sportinformations-Dienst (SID) lässt DTB-Präsident Dietloff von Arnim seine Enttäuschung zum Kosmos-Davis-Cup-Debakel durchscheinen und fordert rasche Zukunftspläne für die traditionsreiche Veranstaltung.

von SID/red.
zuletzt bearbeitet: 17.01.2023, 13:25 Uhr

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Dietloff von Arnim zeigt sich ob des Kosmos-Ausstiegs beim Davis Cup schockiert

Nach der Trennung von Geldgeber Kosmos hat der Tennis-Weltverband ITF wieder die alleinige Kontrolle über den Davis Cup übernommen. Ohne finanzkräftige Sponsoren steht die Zukunft des 123 Jahre alten Wettbewerbs allerdings auf der Kippe. Im SID-Interview äußert sich DTB-Präsident Dietloff von Arnim zu dem Thema, er wird außerdem im September in Mexiko für das Amt des ITF-Präsidenten kandidieren.

SID: Die ITF und Kosmos gehen nach fünf Jahren getrennte Wege. Angelegt war die Zusammenarbeit auf 25 Jahre. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Dietloff von Arnim (Präsident des Deutschen Tennis Bundes): "Ich war und bin immer noch schockiert, seit ich davon am vergangenen Donnerstag erfahren habe. Für den Davis Cup 2023 ist das eine verdammt schwierige Situation, und ich bin gespannt, von der ITF zu erfahren, wie es mit diesem Traditionswettbewerb in diesem Jahr und in den kommenden Jahren weitergehen soll und wird.

Was bedeutet das für den Wettbewerb?

Ich weiß es im Moment ehrlich gesagt nicht, weil wir nicht mehr Informationen bekommen haben. Es gibt so viele Fragen für alle Verbände weltweit, die uns im Moment nicht beantwortet werden. Das ist nicht gut. So ist zum Beispiel nicht geklärt, wer uns bei unserem Heimspiel in Trier Anfang Februar gegen die Schweiz im Fernsehen übertragen wird. Das ist schon sehr enttäuschend und ernüchternd. Positiv zu vermelden ist, dass die Ticketnachfrage in Trier sehr positiv ist - also das Interesse, beim Davis Cup im eigenen Land dabei zu sein, ist da.

Was wird jetzt aus dem Davis Cup, wie geht es weiter mit einem der traditionsreichsten Wettbewerbe der Sportgeschichte?

Die ITF hat versichert, dass das Event in diesem Jahr wie geplant stattfinden wird - wie die finanzielle Situation aussieht, weiß ich nicht bzw. dazu haben wir keine Informationen bekommen. Jetzt ist das Management der ITF gefordert, sich umgehend Gedanken zu machen, wie der Davis Cup sowohl in 2023 als auch in den kommenden Jahren ausgetragen werden soll - ich bin da sehr gespannt auf den Vorschlag. Und dazu müsste eine Mitgliederversammlung dann eine Entscheidung treffen.

Inwieweit sind Sie in die Entscheidungsfindung eingebunden?

Im Moment bin ich bei den Australian Open in Melbourne, und natürlich wird dieses Thema an erster Stelle diskutiert. Ich werde mich hier mit den anwesenden Grand-Slam-Nationen, mit einigen Verbänden und Präsidenten treffen, und wir werden uns intensiv Gedanken darüber machen, wie die Zukunft des Davis Cups aussehen kann. Es ist das Kronjuwel der ITF, und wir brauchen ein Konzept mit vernünftiger und realistischer Finanzierung.

Wen müsste man ins Boot holen, um dem Davis Cup so schnell wie möglich ein neues, stabiles Fundament zu geben?

Man muss vor allem die Interessen der nationalen Verbände in die Planungen integrieren. Denn die Verbände verfügen über das Know-how und können wichtige Impulse geben. Wir brauchen Expertise.

Sie sind seit etwas mehr als zwei Jahren Präsident des Deutschen Tennis Bundes und kandidieren beim ITF-Kongress im September in Mexiko für die Nachfolge von David Haggerty als Chef des Weltverbandes. Was wollen sie im Fall Ihrer Wahl anders machen?

Ich möchte offen und ehrlich mit allen Verbänden kommunizieren, so wie ich es in Deutschland seit zwei Jahren praktiziere. Über die Zukunft des Davis Cups müssen wir uns aber jetzt schnell Gedanken machen, wir brauchen eine Struktur, die den Sport bestmöglich darstellt und vermarktbar ist.

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