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Explosion der Energiepreise - wird Tennis zum Halbjahressport?

Betreiber von Tennishallen haben es nicht leicht: Kaum sind die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie überstanden, zwingen die rasant steigenden Energiepreise einige Anbieter, ihre Hallen gleich gar nicht aufzusperren.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 06.10.2022, 16:58 Uhr

Es wird auf jeden Fall kälter in den Tennishallen
© GEPA Pictures
Es wird auf jeden Fall kälter in den Tennishallen

Die Tage werden kürzer, die Temperaturen fallen - wir befinden uns in jener Zeit des Jahres, in der  die HobbyspielerInnen schön langsam wieder zu den Hallenschuhen greifen, gerne auch am Abend nach einem anstrengenden Arbeitstag noch ein paar Bälle schlagen wollen. Das aber könnte angesichts des Krieges in der Ukraine und der damit verbundenen rasanten Steigerung der Preise für Strom und Gas schwierig werden.

Denn nicht jeder Betreiber einer Halle wird im Winter 2022/23 diese auch wirklich in Betrieb nehmen bzw. als Traglufthalle aufstellen. „In Österreich gibt es etwa 250 Tennishallen mit durchschnittlich drei Plätzen“, erzählt Raimund Stefanits, langjähriger Vizepräsident des Österreichischen Tennis Verbandes (ÖTV) und selbst Betreiber einer großen Tennisanlage in Wien. „Alleine in Wien haben aber zehn Tragluft- und zwei permanente Hallen noch gar nicht aufgemacht.“ Die Energiepreise haben sich aber bis auf das Zehnfache des „normalen“ Niveaus hochgeschraubt. Das ist auch für Stefanits, der im Wiener La Ville zehn permanente Hallenplätze und vier Traglufthallen betreibt, finanziell nicht mehr darstellbar.  „Das große Erwachen wird es im April geben, wenn die Rechnung ins Haus flattern“, so Stefanits weiter, der mit seinen Mitbewerbern im ständigen Austausch ist. „Die Hallen, die jetzt nicht aufgemacht haben, mussten für sich erkennen, dass sich die Wintersaison für sie nicht rechnet.“

TennistrainerInnen als Leidtragende

Einige Hallen hätten erst 14 Tage vor Beginn der Winterspielzeit zugesperrt. Zu diesem Zeitpunkt wären die Indoor-Plätze im Regelfall schon gebucht. Während Stefanits auch und vor allem für den Westen Österreichs in Sachen Traglufthallen-Angebot große Probleme sieht, scheint die Situation in Bayern nicht ganz so angespannt zu sein.

Man müsse natürlich differenzieren, erklärt Julia Höhn gegenüber tennisnet. Wer über eine Traglufthalle der neuesten Generation verfüge, könne davon ausgehen, dass der Energieverbrauch teilweise sogar unter jenem einer (älteren) permanenten Halle liege. Eine Berufsgruppe haben aber sowohl Raimund Stefanits wie auch Julia Höhn besonders im Blick: die TennislehrerInnen, die durch die Corona-Pandemie auch im Sommer einen schweren Stand hatten. „Dass die TrainerInnen ihrem Beruf nicht nachgehen können, sehe ich als eines der Hauptprobleme“, so Höhn. Was sich natürlich unmittelbar auf die Aktivität von vielen Jugendlichen negativ niederschlägt.

Gibt es staatliche Unterstützung?

Von staatlicher Seite ist bislang kein Zeichen für eine Unterstützung der Hallenbetreiber für ihre aktuellen Probleme gekommen, weder in Bayern noch in Österreich. Immerhin wurde in Österreich vor ein paar Woche ein Föderzuschuss von 30 Prozent genehmigt, allerdings rückwirkend für die 2022 bereits angefallenen Kosten. Aber jeder Hallenbetreiber habe laufende Verträge.

„Wenn wir da keine Hilfe bekommen, bin ich überzeugt, dass man in Österreich von Tennis nicht mehr als Ganzjahressport sprechen kann“, bilanziert Stefanits. Der in seinen Hallen seinen Teil zur Einsparung von Energiekosten beiträgt: So wird die Temperatur von 16 auf 14,5 Grad gesenkt. Bei Sonnenschein werde dies keinen großen Unterschied machen. Aber der Winter zeichnet sich nunmal durch kürzere Tage und oft auch eher frische Winde aus.

Die Nachfrage nach Hallentennis ist andererseits ungebrochen: So meldet der Bayerische Tennis Verband ein Rekordhoch bei den Anmeldungen für die Winterrunde. Es bleibt zu hoffen, dass sich auch ausreichend Hallen finden, in der diese Runde ausgespielt werden kann.

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06.10.2022, 17:50 Uhr
zuletzt bearbeitet: 06.10.2022, 16:58 Uhr