French Open 2026: Ist Ben Shelton der letzte US-Hoffnungsträger?
Seit mehr als zwei Jahrzehnten warten die USA auf einen männlichen Grand-Slam-Champion. Aktuell ruhen die Hoffnungen auf “Rising Star” Ben Shelton. Doch kann der die hohen Erwartungen erfüllen?
von Isabella Walser-Bürgler
zuletzt bearbeitet:
27.05.2026, 10:57 Uhr

Während viele Experten vor allem über Jannik Sinner, Alexander Zverev und Novak Djokovic sprechen, schiebt sich Ben Shelton leise in den Kreis der Außenseiter mit Titelchancen. Der Amerikaner bringt genau die Mischung mit, die in Paris gefährlich werden kann: Selbstvertrauen, Form und eine überraschend starke Sandplatzbilanz.
Shelton mit Ruf als Grand-Slam-Spieler
Vor den French Open hatte Shelton drei seiner letzten vier Matches verloren. Doch kaum begann das Roland-Garros-Roulette, präsentierte sich der 23-Jährige wieder von seiner besten Seite. Gegen den Spanier Daniel Merida Aguilar setzte sich der an Nummer fünf gesetzte Amerikaner souverän mit 6:3, 6:3, 6:4 durch.
Besonders beeindruckend: Shelton schlug 27 Winner und kontrollierte die Partie über weite Strecken. Es war eine weitere Bestätigung eines Trends, der sich seit Monaten abzeichnet: Auf den größten Bühnen liefert der US-Amerikaner regelmäßig ab. Zwei Viertelfinale bei den letzten drei Major-Turnieren sprechen eine deutliche Sprache.
Hartplatz vs. Sandplatz
Lange galt Shelton als Spieler für schnelle Beläge. Doch 2026 legte er auf Sand eine merkliche Entwicklung hin. Mit einer positiven Bilanz und dem Titelgewinn in München bewies er, dass sein explosives Spiel auch auf der roten Asche funktioniert.
Der Linkshänder selbst sieht den Grund vor allem in seiner wachsenden Erfahrung. Jahr für Jahr verstehe er die Besonderheiten des Belags besser, erklärte Shelton nach seinem Auftaktsieg. Dazu komme die besondere Atmosphäre in Paris, die ihm zusätzliche Energie gebe.
Warum die Amerikaner auf Shelton setzen
Die amerikanischen Herren warten seit dem Triumph von Andy Roddick bei den US Open 2003 auf einen Grand-Slam-Titel. Noch länger liegt der letzte Erfolg in Paris zurück: 1999 gewann Andre Agassi in Paris. Kein Wunder also, dass sich der Blick nun auf Shelton richtet.
Während viele seiner Landsleute auf Sand regelmäßig an ihre Grenzen stoßen (unter anderem Taylor Fritz, der am Sonntag ein Erstrundenaus hinnehmen musste), hat Shelton gezeigt, dass er sich auf dem Belag wohlfühlt. Sein aggressiver Aufschlag und seine enorme Athletik machen ihn zu einem unangenehmen Gegner für jeden Spieler im Feld, zumal Shelton mittlerweile auch etwas mehr Geduld in den Ballwechseln an den Tag legt.
Sheltons Chance
Natürlich bleibt Shelton hinter den Topfavoriten wie Sinner und Zverev nur Außenseiter. Doch Grand Slams schreiben nun mal ihre eigenen Geschichten. Shelton hat sich immerhin den Ruf erarbeitet, gerade dann sein bestes Tennis auszupacken, wenn die Bühne am größten ist. Die nächste Gelegenheit, um sein Talent zu zeigen, bietet sich Shelton am Donnerstag gegen den Belgier Raphael Collignon.
Hier das Einzeltableau der Herren in Paris
