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French Open: Cori Gauff - Die Rückkehr des Wunderkinds

Cori Gauff steht bei den French Open 2021 im Viertelfinale. Genug hat die 17-Jährige deswegen aber noch lange nicht.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 08.06.2021, 13:37 Uhr

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Cori Gauff bei den French Open
© Getty Images
Cori Gauff steht in Paris im Viertelfinale

An gewisse Turbulenzen in der kunterbunten Welt des Frauentennis hatte man sich in den letzten Jahren schon gewöhnt. Aber als nun, nach vier French Open-Runden 2021, die übliche Zwischenabrechnung aufgemacht wurde, war der Scherbenhaufen für die nominellen Elitespielerinnen so groß wie noch nie. Eine einzige Top 10-Spielerin (Titelverteidigerin Iga Swiatek) war im Pokalrennen verblieben, die ersten Acht der Weltrangliste waren entweder nicht angetreten (Simona Halep) oder mehr oder weniger enttäuschend ausgeschieden. Stattdessen wurde im Stadion Roland Garros, dem „Friedhof der Favoritinnen“ (L´ Equipe), ein ganz anderer Rekordwert aufgestellt: Gleich sechs Spielerinnen rückten zum allerersten Mal in ihrer Karriere ins Viertelfinale vor, eine mittelschwere Palastrevolution der Außenseiterinnen. 

Eine der Debütantinnen rückte dabei ganz besonders und auch selbstverständlich ins Blickfeld, eine Spielerin, von der viele in der Szene glauben, dass sie früher oder später um die ganz großen Titel und um Platz eins der Rangliste mitspielen wird: Cori "Coco" Gauff, die 17-jährige Amerikanerin, die vor zwei Jahren mit ihrem Sturm-und-Drang-Erstlingswerk in Wimbledon – darunter ein Auftaktsieg gegen Legende Venus Williams - die Blicke der ganzen Tenniswelt auf sich gelenkt hatte und als neues Wunderkind gefeiert worden war. Gauff, ihrem Alter stets voraus, spielte schon bisher eine prächtige Sandplatz-Saison, sie erreichte das Halbfinale des Topwettbewerbs in Rom, sie gewann danach die Einzel- und Doppelkonkurrenz in Parma. 

Gauff blickt nach vorne

Und nun, auf der größten Sandplatzbühne des Wanderzirkus, im Stadion Roland Garros, setzte sie ihren Erfolgsweg mit einer bestaunenswerten Souveränität und Gleichmütigkeit fort, die alles möglich erscheinen ließen. Jedenfalls noch nicht unbedingt einen Turnierstopp in der Runde der letzten Acht gegen die Tschechin Barbora Krejcikova. „Ich habe noch nie so viel Hunger in mir verspürt wie bei diesen French Open“, sagt Gauff, „bei anderen Grand Slams war ich zu früh zu zufrieden.“

Gauff hat nach dem schwierigen Pandemie-Jahr 2020, in dem sie unter der Vereinsamung und den Bubble-Regularien litt, wieder richtig Tritt gefasst. In Paris besticht sie mit ausgeschlafenem Tennis, das auf Power mit Präzision setzt. Nichts wirkt hektisch oder gereizt in ihrem Spiel, stattdessen glänzt die junge Amerikanerin mit einer hellsichtigen Strategie voller Geduld und der Qualität, auf den richtigen Moment zum entscheidenden Schlag warten zu können. „Kaum zu glauben, dass sie erst 17 ist“, sagt die amerikanische Starspielerin früherer Tage, Chris Evert. Trotzdem fühlt sich die Teenagerin auf Sand erst auf den ersten Metern eines langen Weges zum Ziel: „Ich lerne in jeder Partie, in jeder Sekunde, in jedem Ballwechsel“, sagt sie, „mein Spiel hat hier einen ganz anderen Charakter.“ Dem Drang, wie auf Gras oder Hartplätzen schnellstmöglich mit großer Energie einen Punktgewinn zu erzielen, widersteht Gauff bei den Rutschübungen immer zielführender: „Tennis ist hier eher wie Schach. Und es macht mir Spaß.“ Sand sei aber dennoch, so Gauff, „nur mein drittliebster Belag.“

Gauff bleibt Ausnahmeerscheinung

Aber es scheint fast so, als bereite der klugen Amerikanerin erst recht große Genugtuung, die früher ungeliebten Sandplatz-Prüfungen nun so gut meistern zu können. Gauff bleibt damit auch eine Ausnahmeerscheinung in einer Frauentennis-Szene, in der die Geschichten sehr junger Himmelsstürmerinnen längst eine Seltenheit geworden sind. Unter den Top 300 der Weltrangliste gibt es neben Gauff derzeit keine Spielerin unter 18 Jahren, von einer Top 20-Platzierung, die die mögliche Erbin des Williams-Imperiums schon bald erreicht haben könnte, sind andere Teenagerinnen Lichtjahre entfernt. „Coco ist eine Ausnahmeerscheinung, in jeder Beziehung“, sagt die Schweizerin Belinda Bencic, selbst schon einmal als neue Miss Swiss und Nachfolgerin von Martina Hingis gehandelt. 

Gauff kann bei ihrem Aufstieg im Erwachsenentennis auf ein intaktes Umfeld vertrauen, in dem niemand der Verlockung nachgibt, schnelles Geld verdienen zu wollen. Gauffs Eltern, Vater Cori und Mutter Cindi, setzen ebenso wie das Team8-Management (es vertritt auch Roger Federer) auf eine behutsame Entwicklung, zu der auch ein moderates Turnierprogramm und nötige Erholungspausen gehören. „Coco ist auf Sieg programmiert, das kommt aber aus ihr selbst, aus ihrer Mentalität“, sagt Tracy Austin, selbst einmal ein Teenager-Phänomen, „und sie ist am besten, wenn es um viel geht, wie bei den Slams.“ Einfach wieder Tennis spielen zu können, ohne große Beschränkungen, mit mehr Freiheiten, sei derzeit aber auch eine weitere „gewaltige Inspiration“, sagt Gauff selbst, die jüngste Paris-Viertelfinalistin seit 2006 (Vaidisova),„der Spaß ist zurück. Und nicht nur wegen der vielen Siege.“

Hier das Einzel-Tableau in Roland Garros

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