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French Open: Iga Swiatek - eine 19-Jährige verblüfft Paris

Auch wenn es vor den French Open 2020 geheißen hat, dass der Wettbewerb der Frauen so gut wie nicht vorherzusagen ist: Der Sieg von Iga Swiatek, vor allem aber auch die Art und Weise, wie dieser zustande gekommen ist, kam für fast alle Beobachter, Fans und Kolleginnen überraschend.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 11.10.2020, 13:12 Uhr

Iga Swiatek mit dem Objekt der Begierde in Roland Garros
© Getty Images
Iga Swiatek mit dem Objekt der Begierde in Roland Garros

Als Iga Swiatek vor zwei Wochen, zu Beginn der French Open, die letztjährige Finalistin Marketa Vondrousova ruckzuck auf den Heimweg schickte, war das nur eine kleine Randnotiz im großen Grand-Slam-Trubel wert. Als sie am mittleren Wochenende dann die Titelfavoritin Simona Halep mit 6:1 und 6:2 abfertigte, wurden die ersten neugierigen Blicke auf die unbeschwerte Teenagerin gerichtet. Nun, am Ende des Roland Garros-Turniers 2020, gehören der jungen Polin aber zurecht die ganze Aufmerksamkeit und die kreativen Schlagzeilen: „Poland Garros“, „Iga Giantek“ oder „Roland Igarros“ titelte man wechselweise in Swiateks Heimat nach dem makellosen 6:4, 6:1-Triumph der 19-jährigen Warschauerin gegen Australian-Open-Gewinnerin Sofia Kenin (USA).

Selten war ein Debütsieg auf großer Bühne von so großer Selbstsicherheit und spielerischer Konsequenz begleitet gewesen wie im Falle Swiateks. Keinen einzigen Satz gab die junge Polin ab, die insgesamt auch nur achteinhalb Stunden in sieben Erfolgsmatches im roten Sand stand. „Diesem Grand-Slam-Sieg werden noch viele mehr folgen“, twitterte US-Legende Chris Evert nach dem Finalauftritt Swiateks begeistert. Ein „neuer Star“ sei geboren, sagte Frankreichs frühere Weltklassespielerin Mary Pierce, die bei der offiziellen Siegeszeremonie den Pokal an Swiatek überreichte, an die erste Grand-Slam-Einzelsiegerin Polens überhaupt.

Swiatek versagt die Stimme

Swiatek versagte es bei den Feierlichkeiten fast die Stimme, sie gab auch in herrlicher Offenheit zu, „dass ich gerade nicht weiß, was ich sagen soll“: „Mir fällt nichts ein.“ Dafür hatte sie umso mehr ihr Talent, ihre Kreativität und ihre mentale Stabilität für sich sprechen lassen, so eindrucksvoll, dass selbst die besten Rivalinnen überwiegend nur wie Komparsinnen der großen Swiatek-Show wirkten. Was umso mehr verblüffte, da Swiatek bisher noch keinen einzigen Titel auf der großen Tennis-Tour geholt hatte und erste Siege nur in kleinerem Tennisramen feiern durfte. „Das war ein Start von Null auf Hundert. Aber sie hat halt eine großartige Begabung“, sagte Tomasz Tomaszewski, einer der renommiertesten polnischen Sportbeobachter.

Swiatek hatte vor zwei Jahren als Gewinnerin des Nachwuchsturniers von Wimbledon Erwartungen geweckt. Dass sie den schwierigen Übergang vom Junioren- ins Erwachsenentennis nun indes mit einem Grand-Slam-Triumph noch unter Zwanzig veredeln würde, kam dennoch als kleine Sensation. Für die 19-jährige zahlte sich ein mutiger Schritt vortrefflich aus – nach dem Erfolg in Wimbledon engagierte Swiatek die ehemalige Rudererin Daria Abramowicz als Mentalberaterin. Mit der ausgebildeten Psychologin besprach sich Swiatek immer wieder während der French Open-Mission, auch noch einmal eindringlich vor dem Endspiel. „Es ging einfach darum, die Abläufe so zu halten wie immer. Zu vergessen, was das eigentlich für ein Spiel ist“, sagte Swiatek. Es gelang ihr meisterhaft.

Später sprach Swiatek auch über die Unberechenbarkeit im modernen Frauentennis, über die vielen unerwarteten Siegerinnen, über die Dominanz bei den Herren mit den großen Drei – Djokovic, Nadal, Federer. „Es wäre schön, wenn es auch bei uns mehr Konstanz gäbe, nicht diese Aufs und Abs“, sagte Swiatek, „das Wichtigste für mich wird sein: Beständigkeit auf hohem Niveau.“

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von Jörg Allmeroth

Sonntag
11.10.2020, 14:35 Uhr
zuletzt bearbeitet: 11.10.2020, 13:12 Uhr