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French Open: Michael Kohlmann - „Noch den Enkelkindern erzählen“

Davis-Cup-Kapitän Michael Kohlmann im tennisnet-Gespräch über das Abschneiden der deutschen Spieler in Runde eins der French Open 2019.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 29.05.2019, 11:10 Uhr

Philipp Kohlschreiber hat in Runde eins überzeugt
Philipp Kohlschreiber hat in Runde eins überzeugt

Von Jens Huiber aus Paris

Michael Kohlmann hat ein strammes Programm zu bewältigen in diesen ersten Tagen der French Open 2019. Der deutsche Davis-Cup-Kapitän möchte naturgemäß alle potenziellen Kandidaten für die Nationalmannschaft beobachten, das schließt Tim Pütz mit ein, der sich am Dienstag an der Seite von Matwe Middelkoop gegen Jebavy/Molteni souverän für die zweite Runde qualifiziert hat.

Kohlmann hat nur den ersten Satz gesehen, danach ging es weiter auf den Court Philippe Chatrier, zur deutschen Nummer eins Alexander Zverev. 

tennisnet: Herr Kohlmann. Beginnen wir mit Philipp Kohlschreiber. Wie haben Sie ihn gegen Robin Haase gesehen, wie beurteilen Sie die weiteren Aussichten Kohlschreibers im Turnier?

Michael Kohlmann: Philipp hat gegen Robin Haase ein sehr gutes Match gespielt. Generell war das Niveau in diesem Spiel sehr hoch. Auch Haase hat nach nervösem Beginn sehr ordentlich gespielt. Philipp war zwei Sätze lang sehr aggressiv, da konnte ihn Haase nicht von der Grundlinie wegdrängen. Im vierten Satz war der Beginn für Philipp wieder ein wenig zäh, aber er hat das Match dann sehr gut beendet. Die Auslosung war von Haus aus nicht so schlecht, aber Robin Haase muss man erst einmal schlagen. Jetzt geht es gegen Nicolas Mahut, einen komplett anderen Spieler. Aber ich glaube, dass Philipp da der klar bessere Spieler ist und auch die Waffen hat, Mahut in die Schranken zu weisen.

tennisnet: Ihre Nummer eins, Alexander Zverev, hat mit John Millman große Probleme gehabt. Welchen Eindruck hat er auf Sie während er vergangenen Tage hier gemacht?

Kohlmann: Einen sehr aufgeräumten. Er hat am Sonntag ja gleich hier auf Court 11 trainiert, wir haben uns im Spielerrestaurant kurz gesehen. Der Erfolg in Genf war wichtig für Sascha, so ist er mit Selbstvertrauen angereist. Ich bin gespannt, wie er nach dem schwierigen Auftaktsieg gegen Millman hier weiterspielt.

tennisnet: Jan-Lennard Struff hat sich gegen Denis Shapovalov durchgesetzt. Noch dazu in drei Sätzen. Uns hat nur die Deutlichkeit des Ergebnisses überrascht. Wie beurteilen Sie die Leistung von Struff?

Kohlmann: Zunächst einmal: Ich habe auch gehofft, dass er Shapovalov so wie in Monte Carlo wieder schlägt. Auf der anderen Seite war Shapovalov vom Papier her aber auch Favorit. Das muss man schon auch würdigen. Dass Jan-Lennard einen gesetzten Spieler mit 3:0-Sätzen nach Hause schickt, das ist schon eine sehr starke Leistung. Radu Albot ist ein ganz anderer Spieler, aber ich glaube, Struffi ist so gefestigt, dass er das auch gewinnen kann. In den Schlägen hat er sowieso unheimliche Qualität, Jan-Lennard geht jetzt halt auch viel positiver an die Sache ran. Und in den wichtigen Situation weicht er nicht zurück.

Situationen, die Rudi Molleker noch nicht mag

tennisnet: Rudolf Molleker hat sich, wie schon bei den Australian Open, für das Hauptfeld qualifiziert. Und ist dann an Alexander Bublik gescheitert. Wäre da mehr drinnen gewesen?

Kohlmann: Auf jeden Fall. Ich glaube aber, Rudi war körperlich ein wenig angeschlagen. Als ich ihn am Sonntag gesprochen habe, war seine Stimme schon ziemlich rau, das hat ihn sicher beeinträchtig. Das hat man ab Beginn des dritten Satzes gemerkt, da hat bei Rudi die Körperspannung nachgelassen. Bublik hat gefühlt 40 Stoppbälle gespielt, dazu 30 Asse geschlagen, extrem viel Vorhand-Slice gespielt - und Rudi damit in Situationen gebracht, die der nicht so sehr mag. Generell aber sehr gut, dass er hier drei Runden gewonnen hat, auch gegen Matthias Bachinger, was für einen jungen Spieler immer schwierig ist.

tennisnet: Oscar Otte hat als Lucky Loser Malek Jaziri geschlagen. Und sich nun ein Duell mit Roger Federer erspielt.

Kohlmann: Und da muss man auch gleich Yannick Maden mit reinnehmen: Beide hatten eine Auslosung, wo sie bei Sieg ein unglaubliches Match in Aussicht gestellt bekommen haben. Oscar Otte gegen Jaziri war sehr gut, hat sich nur einen kleine Auszeit im Dritten genommen, den vierten Satz mit 6:0 gewonnen. Tolle Leistung und natürlich eine tolle Erfahrung, jetzt gegen Federer spielen zu dürfen. Maden hat am Montag für die ersten 100 gespielt, das ist immer ein extremer Druck. Noch dazu gegen Kimmer Coppejans, der in der Weltrangliste hinter ihm steht. War ein sehr zähes Unterfangen, drei Stunden für drei Sätze. Jetzt spielt Yannick gegen Nadal, das kann er seinen Kindern und Enkelkindern sicher erzählen.

tennisnet: Was uns zur abschließenden Frage bringt: Was wird Yannick Hanfmann seinen Kindern und Enkelkindern erzählen?

Kohlmann: Yannick hat in der Pressekonferenz schon gesagt, dass er ein bisschen sauer darüber ist, dass er nicht das spielen konnte, was er sich eigentlich vorgenommen hatte. Ich glaube, dass man ersten des ersten Satzes gemerkt hat, dass sich Yannick darüber Gedanken gemacht hat: warum spiele ich gegen den? Und nicht, bei allem Respekt, gegen Lloyd Harris so wie Lukas Rosol, den Yannick in der Quali glatt besiegt hat. Das Erlebnis, gegen Rafael Nadal auf dem größten Aschenplatz gespielt zu haben, das wird dann erst in ein paar Wochen sacken.

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