Gebhard Gritsch: Ein Weltenbummler, der den „Djoker“ Effizienz lehrte

Starmacher formen aus talentierten Sportlern Superstars: begnadete Ärzte, Mentaltrainer, Fitness-Experten. Exklusiv bei tennisnet.com lest ihr einen Auszug aus dem Buch „Die Starmacher“ - mit einem Porträt des Mannes, der zehn Jahre lang Novak Djokovic geformt hat: Gebhard Gritsch.

von Daniel Müksch
zuletzt bearbeitet: 18.01.2021, 14:54 Uhr

Novak Djokovic ist sauer. Mächtig sauer. Kein Schlag geht ihm leicht von der Hand. Alles fühlt sich nach Arbeit an. Von Leichtigkeit keine Spur. Er spürt die gelbe Filzkugel einfach nicht. Horror für einen Tennisspieler – für einen der Besten der Welt erst recht. Ein zusätzlicher Stachel: Zwei Plätze daneben auf der Trainingsanlage in Montreal schwingt Roger Federer gleichzeitig das Racket. Tänzelt zwischen den Linien. Vorhand, Rückhand, Volley – alles eine flüssige Bewegung. Jeder Schlag des Schweizers gleicht einem Kinderspiel.

»Schau mal rüber«, zischt Djokovic in Richtung seines glatzköpfigen Teammitglieds, »bei Roger sieht alles einfach und locker aus. Er investiert so wenig in eine einzelne Bewegung und bekommt so viel heraus.« Der Angesprochene heißt Gebhard Gritsch, beobachtet die Trainingseinheit von der hinteren Ecke des Platzes aus. Innerlich freut sich der Österreicher sogar über die Frustration seines Schützlings. Das erste Mal während der Zusammenarbeit hat der Serbe von sich aus den Knackpunkt seines Spiels erkannt – die mangelhafte Effizienz. Seit gut einem halben Jahr reist der gebürtige Tiroler zu dieser Zeit, im August 2009, mit Novak Djokovic um die Welt.

In Kanada schlägt sich die negative Stimmung auf das Ergebnis nieder. Djokovic scheidet im Viertelfinale gegen den US-Amerikaner Andy Roddick aus. Für den Perfektionisten Djokovic eine Katastrophe. Nicht für seinen neuen Fitnesstrainer und Berater. Wichtiger als das Resultat ist ihm in diesem Moment der Niederlage die Selbsterkenntnis seines Schützlings, dass In- und Output bei ihm in keinem guten Verhältnis stehen. »Von da an waren wir auf einer Linie. Mit Novaks Talent und seinem Ehrgeiz war ich mir sicher: Jetzt kann das was ganz Großes werden.« Gritsch sollte Recht behalten. Doch bis der heute 63-Jährige einen der besten Tennisprofis der Welt zu einem der besten Athleten aller Zeiten formen konnte, führt ihn sein beruflicher Weg von Österreich über die Philippinen und Hong Kong bis nach Neuseeland – und wieder zurück auf den Wiener Flohmarkt.

Gritsch ist in der Jugend ein äußert talentierter Tennisspieler. Bis ein Rodelunfall mit 17 Jahren den Traum von der Profi-Karriere zerstört. Dem Sport bleibt er dennoch treu. Als Sportstudent arbeitet er sich tief in die Talentförderung ein. Muss dabei viele ehrgeizige Eltern enttäuschen, wenn er ihnen klar macht, dass ein schön gespielter Stopp nur sehr oberflächlich etwas mit Talent zu tun hat. Nach dem Studium arbeitet er mit Günter Bresnik in der Wiener Südstadt zusammen. Von Bresnik lernt der promovierte Sportwissenschaftler, dass man nicht zu lange zögern darf, wenn sich eine besondere Gelegenheit ergibt. Auch dann nicht, wenn das bedeutet, Familie, Freunde und das gemachte Nest zu verlassen. Er schnappt zu und wagt von dem einen auf den anderen Tag den Sprung auf die Philippinen. In Asien steigt Gritsch zu einem der gefragtesten Tennis-Experten des Kontinents auf.

Die Liebe führt den Vater zweier Töchter wenige Jahre später nach Neuseeland, wo er beinahe als Fitness-Coach bei den legendären „All Blacks“ im Rugby angeheuert hätte. Doch seine Töchter sollen auch die Heimat des Vaters kennenlernen – Österreich. Auf dem Wiener Flohmarkt und mit Günter Bresnik wird die Idee geboren, Novak Djokovic zu betreuen. Eine Idee, die sein Leben auf den Kopf stellen sollte. Zehn Jahre lang begleitet er den Serben auf der Tour. „40 Wochen im Jahr bin ich mit ihm um die Welt gereist«, erinnert sich Gritsch an die Zeit mit dem Serben. »Da bleibt das eigene Leben komplett auf der Strecke. Die Arbeit ist unglaublich intensiv.“ Er feiert mit dem Serben Grand-Slam-Titel in Serie. Sowie den Sturm auf Platz eins der Weltrangliste.

Die Starmacher - jetzt im Handel

Warum die Arbeit mit Novak Djokovic dann doch zu Ende gegangen ist, ob er sich vorstellen könnte, jemals mit Dominic Thiem zusammen zu arbeiten und welcher Spieler für ihn das größte Talent aller Zeiten ist: all das verrät Gebhard Gritsch in dem Buch Die Starmacher von Journalist und Autor Daniel Müksch.

Das Buch Die Starmacher von Daniel Müksch erscheint im riva-Verlag und ist ab sofort im Handel erhältlich. Unter anderem hier.

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zuletzt bearbeitet: 18.01.2021, 14:54 Uhr

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