Gefangen im Glaskasten? Padel boomt und ringt doch um Fans

Auch gucken, nicht nur anfassen: Padel als Hobby wächst und wächst. Auf dem Weg zum Zuschauersport könnten dem Trend aber Grenzen gesetzt sein.

von SID
zuletzt bearbeitet: 29.09.2026, 17:25 Uhr

Wie lange hält der Padel-Boom noch an?
© Jürgen Hasenkopf
Wie lange hält der Padel-Boom noch an?

Christoph Kramer liebt Padel, gewann die Promi-WM, doch es gibt da ein Problem. "Live ist es geil zuzuschauen. Ich finde aber, es ist kein Fernsehsport", sagte der Fußball-Weltmeister und Bestsellerautor dem SID. Dass der Sport nach seinem Boom im Hobbybereich künftig auch in der Unterhaltungsindustrie zur festen Größe wird, bezweifelt der ZDF-Experte deshalb.

"Man hat keine gute Kameraführung, weil man nicht von der Seite filmen kann", so Kramer, mit seiner Skepsis ist er nicht allein. Auch Sportökonom Sebastian Uhrich von der Deutschen Sporthochschule Köln sieht Herausforderungen.

"Mich würde es sehr wundern, wenn das ein großer Erfolg werden sollte. Der Sportmarkt ist stark gesättigt, und wirklich nennenswerte Marktanteile sind kaum zu erreichen", sagte Uhrich dem SID. Selbst Top-Ligen aus Nordamerika (NFL, NBA, NHL) hätten es trotz großer Anstrengungen schwer, auf dem deutschen TV-Markt Fuß zu fassen. Warum sollte das also ausgerechnet bislang unbekannten Profis gelingen, die im Glaskasten mit Kunststoffschlägern Bällen hinterherjagen?

Einer, der sich mit kühnen Padel-Visionen auskennt, ist Jonathan Sierck. 2022 gründete er unter anderem mit Hansi Flick, heute Trainer des FC Barcelona, das Start-up PadelCity, das Padelanlagen betreibt und einen Jahresumsatz von 50 Millionen Euro erwarten soll. Dank des gut laufenden Kerngeschäfts leistet sich PadelCity Investments in Turniere mit Eventcharakter, um den Sport voranzubringen.

Denn noch gilt: "Wenn San Marino gegen Deutschland Fußball spielt, ist es ähnlich, wie wenn Deutschland gegen Spanien Padel spielt", sagte Sierck. Entsprechend fehle es in Deutschland noch an "Heroes" und "Kultstatus", der "die Massen in Stadien treibt".

Auf die Courts zieht es die Massen dagegen längst. Allein über die App von PadelCity buchen mehr als 500.000 User Plätze. "Es ist ein Sport mit steiler Lernkurve, Fortschritte sieht und merkt man sofort", erklärte Sierck die große Nachfrage. "Das kickt die Menschen ungemein."

Doch auch das Geschäft mit dem Kick ist kein Selbstläufer. In Schweden etwa verzockten sich Padel-Unternehmen und bauten zu viele Anlagen, obwohl das Interesse gar nicht eingebrochen war. Dutzende Betreiber gingen pleite, das vernichtete Kapital wird auf knapp 500 Millionen Euro geschätzt.

In Deutschland ist die Zahl der Anlagen in den vergangenen zwei Jahren um 300 Prozent gestiegen. Von den mittlerweile über 2000 Plätzen ist Sportökonom Uhrich allerdings unbeeindruckt. Das Wachstum sei "aus einer Nulllage heraus" entstanden. "Ähnliche Fälle" wie Squash oder Nordic Walking hätten nach einer starken Wachstumsphase beispielsweise wieder ein "Nischendasein" gefristet.

PadelCity will raus aus der Nische und hat den "maximalen Reichweitenaufbau" geplant. Anfang des Jahres gründete Sierck mit Bayern-Star Joshua Kimmich das Tochterunternehmen PadelCity Entertainment. Herzstück ist die OnePointChallenge, ein Turnierformat, bei dem nur ein einziger Punkt ausgespielt wird. "Wer nicht voll fokussiert ist, fährt direkt wieder nach Hause", erklärte Botschafter Kimmich das Format, das eine jungen Zielgruppe auf YouTube und Streamingportalen begeistern soll.

Auch beim klassischen Padel tut sich etwas. Zum zweiten Mal in Folge macht die größte Turnierserie "Premier Padel" samt Weltelite Station in Deutschland. Anders als im Vorjahr ist beim Turnier in Düsseldorf ab dem 4. Oktober das Finalwochenende mit mehr als 3000 Fans am Tag ausverkauft. Mitausrichter Sierck wertete dies als "ganz positives Signal für den Sport".

 

von SID

Dienstag
29.09.2026, 18:41 Uhr
zuletzt bearbeitet: 29.09.2026, 17:25 Uhr