Generali Race to Kitzbühel: Auf den Spuren von Jannik Sinner
Halbzeit beim Generali Race to Kitzbühel in der Ost-Region! Bevor die Qualifikation um die höchst begehrten Startplätze für das Tiroler Finalturnier auf Goinger Boden mit den anstehenden Niederösterreich-Wochen endgültig in die heiße Phase eintritt, war am zurückliegenden Wochenende einmal mehr das Union Tenniscenter La Ville, Schauplatz eines Generali-Race-Quali-Events, und mit 118 Teilnehmern aus 18 verschiedenen Nationen obendrein ein Garant für eine erfolgreiche Veranstaltung.
von Claus Lippert
zuletzt bearbeitet:
17.06.2026, 13:48 Uhr

Dilettantische ITN-Einstufung sorgt für eine schöne Tennis-Story
Natürlich war er am Ende ein weiterer ITN-Irrtum, und doch ist die Geschichte um den ITN 8,0 Gewinner beim dritten Qualifikationsturnier zum Generali Race to Kitzbühel 2026 im UTC La Ville eine zu schöne, um sich mit dem Dilettantismus mancher ITN-Lizenzgeber länger zu beschäftigen. Die haben einem gewissen Simon Irenberger einen wahnwitzigen ITN-Startwert verliehen, dem Generali Race auf der anderen Seite aber zu einer großartigen Story verholfen.
Denn der höchst sympathische, gleichzeitig introvertiert wirkende und in seiner ITN-Causa völlig unschuldige Gewinner der ITN-Kategorie 8,0, wandelte am vergangenen Generali-Race-Wochenende auf den Spuren des derzeit weltbesten Tennisspielers. Und es gab viele Parallelen zu Jannik Sinner, mit der das neue Siegergesicht aus dem Pustertal aufwarten konnte.

Innichen im Pustertal - Heimat der ATP Nr. 1 und des neuen Generali Race to Kitzbühel-Champions
Da wäre einmal seine Herkunft! Kaum zu glauben, aber Irenberger stammt direkt aus der Südtiroler Marktgemeinde Innichen, deren wohl größter und berühmtester Sohn eben die ATP Nummer 1 Jannik Sinner ist. Im ca. 3200 Einwohner zählenden Örtchen im Trentino geboren, kennt jeder jeden, und so ist der neue Generali-Race to Kitzbühel Champion auch mit dem 4fachen Major-Gewinner bekannt. "Man sieht sich ab und zu im Dorf, aber ich kenne Jannik nicht sehr gut", meinte Irenberger bescheiden. Anders als Sinner, hat Irenberger erst mit 14 Jahren begonnen, das Racket zu schwingen.
Dazu studiert der 20jährige Italiener in Wien, und hat vor, nach dem Sommer, einige Turniere in der Bundeshauptstadt zu bestreiten. Eine weitere Ähnlichkeit zum italienischen Tennis-Hero ergab sich am vergangenen Wochenende beim Blick auf den 32er-Draw, den Simon Irenberger mit ähnlicher Souveränität beherrschte, wie Jannik Sinner zuletzt die Gegner auf ATP-1000er-Ebene. Der 20jährige brauste ohne Satzverlust durch sein erstes Auslands-Turnier, und ist damit so wie Erste Bank Open Sieger Jannik Sinner quasi amtierender Wien-Champion.

Innichen und der Vergleich mit dem Wohnpark Alt Erlaa
Gerade einmal 15 Games ließ Irenberger der teils schwerst überforderten Konkurrenz, ehe er sich 10 Race-Punkte und die Goldmedaille schnappte. Und das nach einer körperlich überirdischen Leistung, krallte sich der iitalienische Newcomer doch den Titel am vorgezogenen Finaltag mit einem Dreierpack an siegreichen Matches an nur einem Nachmittag. Übrigens: Am Rande erwähnt aus der Abteilung für Kurioses! Um die Größe des Geburtsortes von Irenberger ein bißchen einschätzen zu können, passt vielleicht der Vergleich mit dem Wohnpark Alt Erlaa.
Den hatte Irenberger bei seinen fünf Matches zum Titelgewinn im La Ville stets vor Augen. Und die drei Wohntürme im Süden Wiens umfassen 3200 Wohnungen und damit fast genau die Zahl an Innicher Einwohnern. Im Wohnpark Alt Erlaa leben übrigens über 9000 Menschen. Kommen wir jetzt aber zurück zum weiteren sportlichen Geschehen am dritten Quali-Weekend der Generali Race to Kitzbühel Ostregion. Zu bestaunen gab es fünf verschiedene Turniersieger aus gleich vier Nationen.

Remo Wagner feiert als Lucky Loser seinen zweiten Generali-Race to Kitzbühel Titel nach Neudörfl 2023
In der Königsklasse ITN 4,0 machte der für den SV Schwarz Blau spielende Alexandr Koshlyak seinen ersten Generali-Titel mit einer über vier Matches gesehen, höchst soliden Vorstellung perfekt. Nur im Halbfinale hatte der 24jährige aus Kasachstan Mühe, um Dejan Radic im Match-Tiebreak niederzuringen. Im Endspiel krönte Koshlyak seine Leistung und den verdienten Medaillengewinn mit einem Zweisatzsieg über den Kärntner Tennis-Opa Wolfgang Wernig, der einmal mehr die Ehre der Routiniers an diesem durchwegs von der Jugend dominierten Turnier-Wochenende rettete. Eine ganz spezielle Geschichte brachte auch der ITN 5,0 Bewerb hervor.
Den Titel und zehn wichtige Race-Punkte holte am Ende ein junger Mann, der zu Turnierbeginn noch nicht einmal ausgelost war. Erst als Lucky Loser kam Remo Wagner zu seinem ersten Aufschlag, und der 17jährige zog bis zum Ende voll durch. Nach rumpeligem Start gegen die ukrainische Wildcard Oleh Kovaliukh, und zwei nachfolgend lockerenen Auftritten mit gleich drei zu Null gewonnenen Sätzen, schlug Wagner im Finale ohne Glanzleistung, den topgesetzten Julian Schütz mit 6:3, 2:6, 10:5, und feierte nach Neudörfl 2023 seinen zweiten Generali Race to Kitzbühel-Titel.

Francisco Sosa-Grassi holt ersten Generali-Titel für Uruguay
Apropos Neudörfl. Die mondäne Tennisanlage Habeler & Knotzer, respektive der dortige Verein, stellte am Dienstag Abend den Gewinner der ITN Kategorie 7,0. Der 17jährige Nikolaus Obendorfer brillierte bei seinem Generali Race to Kitzbühel Debüt mit Ruhe und Spielwitz, ließ die Konkurrenz aus Österreich, China und der Ukraine hinter sich, und entführte mit einem klaren 6:2, 6:3 Finalerfolg über Illya Yaryna einen der fünf Titel ins Burgenland. Obendorfer sorgte neben Wagner für den zweiten rot-weiß-roten Turniersieg im La Ville, der Rest ging an die internationalen - aber freilich in Wien lebenden - Hobbytennis-Cracks.
Darunter war auch der Turniersieg des erst 13jährigen Francisco Sosa-Grassi vom CTP Pötzleinsdorf im ITN 6,0 Bewerb. Mit südamerikanischem Temperament, vorallem aber mit spielerischer Klasse holte der Teenager den ersten Titelgewinn der Generali-Race-Geschichte für Uruguay. Besonders das Endspiel gegen den auch erst 15jährigen Sebastian Schmiedel imponierte. In einem hochklassigen Schlagabtausch behielt am Ende Sosa-Grassi mit 6:1 und 6:4 die Oberhand. Zum Abschluss noch der Hinweis. Schon am Donnerstag um 18 Uhr ist Nennschluss für das nächste Generali Race to Kitzbühel Quali-Event. Von Freitag bis Sonntag geht es in der Südstadt um weitere wichtige Punkte. Also schnell noch anmelden!

