Generali Race to Kitzbühel: Heiße Nächte im UTC La Ville

Ein smaragdgrünes und ca. 20 cm großes Stück Glas ist derzeit das neue ganz große Objekt der Begierde im rot-weiß-roten Tennis-Breitensport. Diese edel aussehende Trophäe nimmt man mit nach Hause, wenn man eines der insgesamt zwölf auf das Bundesgebiet verstreute Qualifikationsturniere zum Generali Race to Kitzbühel für sich entscheiden kann. Nach dem gelungenen Doppelpack-Auftakt in Linz und Annenheim, machte der Tenniszirkus der Hobbyspieler am vergangenen Wochenende erstmals in der Bundeshauptstadt Station. Im UTC La Ville sorgten knapp mehr als 150 Spieler(innen) für ein rekordverdächtiges Happening rund um die kleine gelbe Kugel aus Filz.

von Claus Lippert
zuletzt bearbeitet: 07.04.2022, 20:42 Uhr

Alexander Pilsz und Martin Sepulveda wollen nach Kitzbühel stürmen
© privat / Claus Lippert
Alexander Pilsz und Martin Sepulveda wollen nach Kitzbühel stürmen

Von Claus Lippert

Wie groß die Hingabe & Leidenschaft der Hobbyspieler für den geliebten Tennissport in den Tagen nach dem fast sieben Monate andauernden Lockdown wirklich ist, und wie sehr die Freizeit-Rafas nach dem Hauptgewinn des Generali Race to Kitzbühel - dem 34.000 Euro teuren und 150 PS starken Cupra Formentor - streben, belegt folgende kleine Anekdote. Es ist der Finaltag früh morgens um 07 Uhr, als der spätere Gewinner der ITN 4 Kategorie Alexander Pilsz die Nummer der Impf-Hotline in Wien wählt. "Ich möchte gerne meinen heutigen Termin zur Corona-Impfung verschieben", lässt der 29jährige Tiroler am Telefon höflichst bitten, und wird von einer freundlichen Dame im dortigen Call-Center auf einen ehstbaldigen Ersatztermin dirigiert. Damit war der Weg frei für seinen abendlichen Nightsession Auftritt am Centercourt Lance Lumsden, den er nach knapp 70 Minuten und nach 3:5 Rückstand im ersten Satz gegen Jungstar Martin Sepulveda mit 7:6, 6:2 krönen konnte. Am Ende hatte der "Tiroler Export" drei der jungen "Full-Power" Generation auf dem Weg zur Race-Führung in die Schranken gewiesen. Denn während Baumgartner-Lemberger, Linsbichler und Sepulveda mit viel Wucht durch das Turnier "bretterten", hielt Pilsz mit jeder Menge Spielwitz und schnellen Beinen dagegen.

Sebastian Wojta ist der Shooting Star der Hobby Tennis Tour
© privat / Claus Lippert

Sebastian Wojta ist der Shooting Star der Hobby Tennis Tour

Der in seiner Entwicklung fortgeschrittenste Teenager der am vergangenen Super-Weekend beim Generali Race to Kitzbühel ausgetragenen Ausgabe im UTC La Ville war ohne Zweifel Sebastian Wojta. Er ist der HTT-Shooting-Star der seit drei Wochen laufenden Saison 2021, und er rauschte mit drei 6:2, 6:1 Siegen und  nur neun abgegebenen Games im Eilzugstempo zu Titelehren im ITN 2,5 Bewerb und smaragdgrünem Kristal. Danach gab es schon einmal ein erstes Probesitzen im Siegerauto. "10 Punkte - ten points" gab es auch für Darius Sajadi im ITN-5-Turnier. Der 14jährige Youngster vom Praterclub WAC hatte auf seinem Weg ins Endspiel eigentlich keine großen Probleme und im Turnierverlauf u.a. die Nummer 1 in zwei glatten Sätzen verabschiedet. Kein Spaziergang wurde hingegen sein finaler Auftritt gegen Christian Vollmann vom Hietzinger TV. Gegen die ebenfals problemlos ins Endspiel vorgedrungene Nummer 4 des Turniers entwickelte sich am sonnenüberfluteten Centercourt des UTC La Ville bei brütender Hitze ein an Spannung & Dramatik kaum überbietbarer Schlagabtausch, den Sajadi schlie0lich mit 12:10 im Match-Tiebreak für sich entscheiden konnte. Im 6er-Bewerb setzte die Jugend mit dem klaren und ohne Satzverlust errungenen Erfolg von Ungarns Damian Kelemen ein weiteres deutliches Ausrufezeichen.

Talenteschmiede TC Strebersdorf

Zum erfolgreichsten Verein des dritten Generali Race to Kitzbühel-Wochenendes avancierte derweil der TC Strebersdorf und das mit zwei Mal "Kristal" durch Fabian Dummer und Kevin Suppin. Imposant fiel vorallem der Triumph von Kevin Suppin aus. Ein mittlerweile 33jähriges "Talent", das der TC Strebersdorf scheinbar bislang strikt unter Verschluss gehalten hatte. Der Newcomer boxte auf dem Weg zu seinem Premieren-Erfolg im 8er--Bewerb die Konkurrenz mit einer einziges Ausnahme hammerhart aus dem Titelrennen. Nur im Semifinale kam das "späte Talent" beinahe ins Straucheln. Erst via Match-Tiebreak gegen Laurentiu Florea rettete sich Suppin ins Endspiel, wo er in bewährter Manier Robert Enderlein aus dem Burgenland mit 6:2, 6:2 das Nachsehen erteilte.

Den Strebersdorfer Doppelpack fixierte schließlich im ITN-7er-Bewerb der 21jährige Fabian Dummer, dessen großartig anmutende Gesamt-Performance mit wirklich tollen Leistungen im Semifinale gegen Ali Sharif einen kleinen Schönheitsfleck abbekam. Dort legte er im zweiten Satz nämlich einen unwürdigen Auftritt hin. In einem Game humpelte er wie ein sterbenden Schwan über die rote Asche des Centercourts, um gleich darauf im Folge-Game im Sprint und Höchsttempo die unmöglichsten Bälle zu erlaufen. Einmal wirkte er so gefährlich wie ein Stubentiger auf der Wohnzimmer-Couch und dann wieder wie eine im Angriffsmodus befindliche Giftschlange. Gut das sein Gegners Mister Mega-Cool Ali Sharif war, der die Mätzchen seines Gegners zwar bemerkte, sie aber der Jugend seines Gegenübers geschuldet vom Tisch wischte.

Zum Abschluss gibt es noch eine echte Sensation im Rahmen des Generali Race to Kitzbühel im UTC La Ville zu berichten. Matthäus Kiang und Jakob Hofstetter sind zwei junge 15jährige Burschen, die im Doppelbewerb am Sonntag Abend Promotion in eigener Sasche betrieben, und vorallem Werbung für das beim Kitzbüheler Finalturnier zur Anwendung gelangende Tiebreak-Shootout-Zählsystem machten. Mit ITN-Werten jenseits der "9" schlug das Teenager-Duo vom WAC im Doppel zu. Ihr Husarenstück lieferten Kiang & Hofstetter im Semifinale ab, wo sie gegen die ITN 3,9 Paarung Alexander Rieger-Lukas Schützenauer ihren 7:0 Vorsprung nützten, und mit dem sensationellen Gesamtscore von 10:1 das Finale regelrecht erstürmten. Dort gab es dann zum Abschluss noch die Revanche für die Vorrunden-Niederlage gegen David und Michael Klapil und mit 11:9 den verdienten Titel samt Führung im Doppel-Race der Ost-Region.

Matthäus Kiang und Jakob Hofstetter konnten überraschen
© privat / Claus Lippert

Matthäus Kiang und Jakob Hofstetter konnten überraschen

von Claus Lippert

Mittwoch
16.06.2021, 15:30 Uhr
zuletzt bearbeitet: 07.04.2022, 20:42 Uhr