Jan-Lennard Struff beim Mercedes Cup in Stuttgart: Erfolgslauf fortgesetzt

Jan-Lennard Struff ist die Umstellung von Sand auf Rasen mit Bravour gelungen. Nach dem Erreichen des Achtelfinals im Stade Roland-Garros, gleichbedeutend mit seinem bisher besten Abschneiden auf Grand-Slam-Ebene, bestätigte der 29-jährige Deutsche am Dienstag seine hervorragende Form mit dem Einzug in die zweite Runde des MercedesCup. Auch die aufkommensstarke Konkurrenz im Doppel scheint Struff nicht zu verunsichern.

von Florian Heer
zuletzt bearbeitet: 11.06.2019, 19:56 Uhr

Von Florian Heer aus Stuttgart

Die Umstellung von der roten Asche auf das satte Grün gilt als eines der größten Herausforderungen für einen Tennisspieler. Jan-Lennard Struff hat diese Aufgabe hervorragend gemeistert. Mit 7-5, 6-4 besiegte die Nummer 38 der ATP-Weltrangliste den kanadischen Jungstar Denis Shapovalov in der Eröffnungsrunde des Rasen-Events in Stuttgart.

„Das erste Match auf Gras ist immer sehr schwierig. Das Niveau war aber sehr gut“, gab sich Struff im Anschluss an die Begegnung zufrieden. Es war das bereits vierte Aufeinandertreffen mit Shapovalov, der am Weissenhof an Nummer Acht gesetzt ist. Dreimal verließ Struff als Sieger den Platz.

„Ich war sehr happy die ersten beiden Matches gegen ihn gewonnen zu haben und bin natürlich sehr glücklich auch heute siegreich gewesen zu sein.“

Erfolgreiches Jahr 2019

Der gebürtige Warsteiner spielt die bislang beste Saison seiner Karriere. Neben dem guten Abschneiden in Paris, stehen außerdem die Halbfinalteilnahme in Auckland sowie das Viertelfinale bei den Barcelona Open zu Buche. Nach großem Kampf musste er sich in der katalanischen Hauptstadt erst gegen Rafael Nadal geschlagen geben. Beim ATP-Masters in Indian Wells rückte Struff bis in die vierte Runde vor, wo er auf dem Weg dorthin Landsmann Alexander Zverev ausschaltete.

„Es ist das Ergebnis von sehr harter Arbeit mit meinem gesamten Trainerteam“, gab Struff eine Erklärung für seinen guten Lauf. „Gute Leute habe ich schon immer mal wieder besiegen können, allerdings kommt nun auch eine gewisse Konstanz in mein Spiel. Auch der Glaube daran spielt eine wichtige Rolle.“

Bestes Tennis erst mit 30

Auf weitere Erfolge kann man zudem noch gespannt sein, wie der aufschlagstarke Spieler verriet. „Ich hatte bereits erwähnt, dass ich mein bestes Tennis vielleicht erst mit 30 spielen werde. Ich war nicht der beste Jungendspieler, habe mich aber weiter nach vorne gearbeitet. Mit 23 bin ich zum ersten Mal in unter die Top-100 gekommen. Ich hoffe, dass es erfolgreich weiter gehen wird.“

Auch im mentalen Bereich scheint Struff an Stärke gewonnen zu haben. „Viel findet beim Tennis im Kopf statt. Man kann gut spielen, aber wenn man in den wichtigen Momenten nicht an sich glaubt und Fehler macht, dann verliert man die Matches sehr schnell. Deshalb versuche ich auch zusammen mit meinem Team gewisse Drucksituationen gezielt zu trainieren“, so der Schützling des ehemaligen deutschen Davis-Cup Kapitäns Carsten Arriens.

Jan-Lennard Struff: Junges Familienglück

Struff kann in Stuttgart auch auf die Unterstützung seiner Familie bauen. „Wenn ich unterwegs bin und die beiden sind nicht dabei, dann läuft vieles über Face-Time. Allerdings ist das nicht dasselbe. Es ist gut, dass sie hier vor Ort sind“, so der noch junge Vater.

Das Match haben Struffs Partnerin und deren erst wenige Monate alter Sohn Henri allerdings verpasst. „Nicht, dass er auf dem Platz angefangen hätte zu schreien. Als Vater erkennt man das ja sofort. Vielleicht proben wir das zuerst nochmal“, lächelt der stolze Papa, der auch nicht müde wird zu betonen, wie wichtig ihm die Hilfe seiner Freundin bei der Betreuung des Kleinen ist. „Sie macht einen fantastischen Job. Ich bin ihr sehr dankbar dafür, dass ich weiterhin spielen kann.“ Überhaupt scheint die junge, kleine Familie den eher ruhig auftretenden Struff zu beflügeln.

Konkurrenzdruck im Doppel

Bevor es in der zweiten Runde im Einzelwettbewerb gegen den Serben Miomor Kecmanovic geht, war Struff am Dienstagnachmittag an der Seite von Tim Pütz zurück auf dem Platz. Das deutsche Tandem unterlag allerdings dem Australier John Peers und Bruno Soares aus Brasilien in drei Sätzen.

Durch den unterwarteten Erfolg von Kevin Krawietz und Andreas Mies bei den diesjährigen French Open ist eine neue Konkurrenzsituation im Paarwettbewerb entstanden. „Was die beiden in Paris geleistet haben ist unfassbar. Es war eine sehr gute, auch abgebrühte Leistung. Ganz großen Respekt“, kommentierte Struff den Sensationslauf von Krawietz und Mies. „Wir hatten während des Turniers auch Kontakt und ich hoffe sie haben gut gefeiert.“

Ist Struff aufgrund jüngster Ereignisse in Paris beunruhigt seinen angestammten Platz mit Pütz als Nummer 1-Doppel im Davis-Cup-Team zu verlieren?

„Klar, ist es für uns jetzt nicht mehr so leicht im Davis-Cup als Doppel aufzulaufen. Die beiden haben jetzt ein sehr gutes Argument für ihre eigene Berufung. Wir werden aber natürlich weiter Gas geben. Grundsätzlich ist es eine gute Situation zwei gute Doppel zu haben. Am Ende entscheiden natürlich die Trainer. Mal schauen, was passiert.“

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von Florian Heer

Dienstag
11.06.2019, 21:12 Uhr
zuletzt bearbeitet: 11.06.2019, 19:56 Uhr