Julia Stusek beim Porsche Tennis Grand Prix: "Bin direkt auf den Trainingsplatz gerannt"
Julia Stusek (17 Jahre) aus dem Porsche Talent Team hat eine der begehrten Quali-Wildcards für den Porsche Tennis Grand Prix (ab 11. April) bekommen und trifft hier am Samstag um 11 Uhr auf Aliaksandra Sasnovich. Stusek steht aktuell auf Platz 5 im ITF Junior Ranking und hat sich in den vergangenen Monaten auch in der WTA-Weltrangliste an die Top 500 gepirscht. Wir haben mit ihr vorm Start gesprochen.
von Florian Goosmann
zuletzt bearbeitet:
10.04.2026, 21:39 Uhr

Julia, es ist Mittwochabend, kurz vor 21 Uhr – wo erreichen wir dich gerade?
Ich bin schon in Stuttgart, habe heute das erste Mal auf der Turnieranlage trainiert. Der Indoor-Sand hier ist schon anders – im Vergleich zu normalen Freiplätzen sowieso, aber auch zu den üblichen Sandhallen, die ich kenne. Ich finde es sehr angenehm zu spielen, und es ist mal was anderes.
Du musst uns mal mitnehmen: Du lebst in der Schweiz, gehst aber in Deutschland noch zur Schule – stimmt das?
Ich war lange Zeit schulisch in Mannheim angebunden, in meinem letzten Schuljahr dann in Ludwigsburg. Dort habe ich 2025 mein Fachabitur gemacht. In diesem Jahr kommt noch ein Praktikum hinzu.
Im Sportbereich?
Ja, bei meinem Sponsor On, also in der Schweiz. Die Marke geht ziemlich durch die Decke im Sportbereich.
Da hast du mit Roger Federer, Iga Swiatek und Ben Shelton prominente Kollegen. Aber Stichwort Schweiz: Woher kommt deine Verbindung dorthin? Du hast ja auch jahrelang bei Melanie Molitor, der Mutter von Martina Hingis trainiert.
Das ist recht lustig. Mein Vater und Melanie Molitor kommen beide aus Tschechien, aus demselben Dorf. Mein Vater hatte selbst schon Training bei ihr. Wir haben in Deutschland nah an der Grenze zur Schweiz gelebt, so kam das dann auch für mich zustande.
Wie lange habt ihr zusammengearbeitet?
(überlegt) Ziemlich lange, rund sieben Jahre. Begonnen habe ich dort mit sechs oder sieben Jahren.
Hast du mit Martina Hingis auch zu tun gehabt?
Ja, als sie ihre Karriere endgültig beendet hatte, ist sie öfters beim Training dabei gewesen, um mit uns Kindern zu spielen.
Dein aktueller Coach, Sebastian Sachs, lobt dein Ballgefühl und deine Spielintelligenz. Er sagt, du spielst kein „Hau-Drauf-Tennis“, sondern baust Punkte auf. Klingt sehr nach Martina Hingis.
Das stimmt, Martina hat mich sehr geprägt. Melanie Molitor hat Martina ja auch entsprechend trainiert. Da geht vom Spielstil schon in diese Richtung.
Dein Vater ist ebenfalls Tenniscoach, deine Mutter, Petra Holubova, war einst die Nummer 132 der Welt. Da musstest du quasi Tennisprofi werden, oder?
So ungefähr. (lacht) Der Einfluss meiner Eltern ist tatsächlich sehr groß, bis heute. Meine Mutter ist nach wie vor bei jedem Training dabei – das wertschätze ich total.
Hast du mit ihr Wetten laufen, ob du es mal höher schaffst in der Weltrangliste?
(lacht) Wetten nicht direkt. Aber mein Ziel ist es schon, mal besser zu werden als sie.
Mit Sebastian Sachs und Jez Green hast du bekannte Leute in deinem Team. Sebastian Sachs war mit Julia Görges, Emma Raducanu, Belina Bencic und Victoria Azarenka auf der Tour. Und Jez Green mit Andy Murray, aktuell ist er bei Alexander Zverev dabei. Wie teilt ihr euch das auf?
Jez sehe ich ungefähr alle sechs Wochen. Er schaut dann, wie ich seinen vorherigen Fitnessplan umgesetzt habe, und erstellt einen neuen für die kommenden sechs Wochen. Das wird immer wieder angepasst. Bei den einzelnen Einheiten ist er aber nicht dabei. Sebastian schaut, dass ich sie sauber hinbekomme.
Aktuell nimmst du mit Platz 5 im Junior Ranking deine höchste Position ein – obwohl du 2026 gar nicht mehr bei den Juniorinnen gespielt hast. Bist du bereits komplett zu den Erwachsenen geswitcht?
Ziemlich. Eventuell spiele ich in diesem Jahr noch die Junior-Events bei den French Open oder in Wimbledon – je nachdem, wie es in den Plan passt.
Hast du ein Lieblingsturnier bei den Majors? Du hast in den vergangenen Jahren alle gespielt.
Ganz klar die Australian Open. Bestimmt auch, weil ich dort in 2024 mein erstes Grand-Slam-Turnier gespielt habe. Zudem habe ich mit meiner Freundin Julie Pastikova direkt das Finale im Doppel erreicht. Generell ist Australien wohl für viele ein Traumland, für mich ebenso.
Du standest 2024 auch bei den US Open im Doppelfinale, 2024 und 2025 zudem im Halbfinale von Wimbledon. Spielst du gerne Doppel?
Ja, total. Melanie war zwar teilweise dagegen, damit ich mich mehr fürs Einzel schone und dafür fit bin. Aber man lernt einfach viel. Auch von Martina habe ich mir viel abgeschaut. Sie hat im Training immer mal wieder Doppel mit uns gespielt. Wenn es reinpasst, will ich das auch weiter versuchen. Aber klar, letztlich liegt meine Priorität auf dem Einzel.
Am Samstag bist du erstmals beim Porsche Tennis Grand Prix dabei, hast dort eine Wildcard für die Qualifikation erhalten. Wer hat dir das mitgeteilt?
Torben Beltz, unser Bundestrainer, hat mir geschrieben. Ich war natürlich super aufgeregt. Und bin direkt auf den Trainingsplatz gerannt. (lacht) Ich bin super dankbar für die Wildcard und die Chance, in Stuttgart spielen zu dürfen.
Warst du als Zuschauerin schon mal vor Ort?
Ja, mit meinem alten Club, dem TC Rheinfelden. Das ist aber schon ein paar Jahre her. Marta Kostyuk hat damals gegen Alizé Cornet gespielt, das weiß ich noch.
Nimmst du am Wochenende deine ganze Familie mit zum Turnier?
Ich versuche es. Meine Mutter ist sowieso dabei, meinen Bruder muss ich noch überreden. Mein Vater muss leider arbeiten, aber er schaut bestimmt den Livestream. Mein Physio wird ebenfalls mitkommen, vielleicht auch Jez – je nachdem, ob Sascha Zverev noch in Monte-Carlo dabei ist. Das wird schon einigermaßen full house von meiner Seite aus.
Dann wünschen wir dir viel Spaß – und viel Erfolg!
