Kevin Anderson - „Das wird eine Menge Mut brauchen“

Kevin Anderson zeigt nicht nur auf dem Tennisplatz auf - der Südafrikaner setzt sich auch im Privatleben für verschiedene Anliegen ein.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 21.06.2019, 21:02 Uhr

Kevin Anderson denkt über den Tellerrand hinaus
© Getty Images
Kevin Anderson denkt über den Tellerrand hinaus

Ende 2018 hatte es für Kevin Anderson eine Premiere gegeben: Erstmals konnte sich der Südafrikaner, der seit langer Zeit in den USA lebt, für das ATP-Finale in London qualifizieren. Lediglich acht Einzelspielern ist diese Ehre bekanntermaßen vergönnt, es gibt ausreichend Zeit, um in den Pressegesprächen auch über Themen abseits der Quote bei den ersten Aufschlägen zu reden. Und so formulierte ein nachdenklicher Kevin Anderson etwa seine Bedenken darüber, ob denn die Spieler auf der ATP-Tour tatsächlich aus einer verschweißten Plastikhülle schälen sollten. Oder ob sich die Turnierplanung nicht auch klimafreundlicher gestalten ließe.

In den vergangenen Wochen nun hatte Anderson größere Probleme mit dem Ellbogen, sein Comeback gab der 33-Jährige beim ATP-Tour-500-Turnier im Londoner Queen´s Club. Vor Beginn des traditionsreichen Events, bei dem für Anderson in Runde zwei gegen Gilles Simon etwas überraschend Schluss sein sollte, nahm sich der ehemalige College-Spieler aber wieder Zeit, um seine Sicht auf den Tenniszirkus darzulegen. Unter anderem zur Frage, warum es auf der ATP-Tour keinen offen homosexuellen Spieler gäbe.

Jason Collins hat sich in der NBA geoutet

„Das ist immer noch mit einem Stigma behaftet“, wird Anderson in der Tageszeitung The Guardian zitiert. „Unsere Gesellschaft hat so etwas historisch betrachtet nicht sehr gut aufgenommen. Die Zeiten ändern sich, weil die Leute miteinander reden. Das ist großartig, aber wir bräuchten jemanden, der den Trend durchbricht. Das wird nicht einfach. Es braucht eine Menge Mut. Aber wenn sich eine Person outet, öffnet das vielleicht die Tür.“

In den USA hat sich vor ein paar Jahren Jason Collins, ein NBA-Spieler, als homosexuell geoutet. Und der hatte letztlich am meisten Bedenken hinsichtlich der Reaktion seiner Mitspieler. Unbegründet, wie sich herausstellen sollte. Darauf baut auch Kevin Anderson. „Tennis ist eine Individualsportart, da entsteht eine andere Dynamik. Meine Hoffnung ist, dass wir Spieler ein Umfeld schaffen, in dem sich jemand wohl fühlt.“ Und das beginne schon bei Kleinigkeiten - etwa im alltäglichen Sprachgebrauch. Auch davon habe Jason Collins gesprochen.

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Sonntag
23.06.2019, 08:00 Uhr
zuletzt bearbeitet: 21.06.2019, 21:02 Uhr