Kritik am ATP Cup: Frauen-Turnier, ATP-Punkte und Zuschauerzahlen

Der erstmals ausgetragene ATP Cup hat neben guten Matches vor allem emotional aufgeladene Partien geliefert. Doch auch kritische Stimmen haben sich zum Teamevent der Männer zu Wort gemeldet, da die Frauen nur die zweite Geige spielen und das Punktesystem umstritten ist.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 13.01.2020, 09:14 Uhr

"Der Schritt war ein wenig schräg", sagte etwa Maria Sharapova, die beim WTA-Turnier von Brisbane wie alle anderen Spielerinnen in den ersten Wochentagen nur auf den Außencourts aufschlagen durfte. Der Center Court war ausschließlich für den ATP Cup der Herren reserviert.

"Man kann es fühlen, dass unser Turnier sich etwas wie ein Second-Hand-Turnier anfühlt", sagte Sharapova. "Es gäbe viele Mädels, die sich einen Auftritt am Center Court verdient hätten. Sechs der Top-10 spielen hier."

Auch Grand-Slam-Champion Sloane Stephens äußerte sich kritisch zur Organisation. "Es ist eine Herausforderung, den ATP Cup parallel zu einem Premier-Turnier auszutragen. Es geht hier um Respekt. Wir wurden aus der Konversation komplett ausgeschlossen. Die ATP hat das bekommen, was sie wollte. Die Frauen machen den Schritt zur Seite, so ist es eigentlich immer", sagte Stephens.

Und weiter: "Hoffentlich gibt es im nächsten Jahr Anpassungen. Ich verstehe, wie wichtig der ATP Cup ist. Aber eine Menge Top-10-Spielerinnen müssen auf den Außencourts spielen, das gibt nicht das beste Bild ab."

Auch bei den Männern dürfte nicht alles glatt gelaufen sein. "Manchmal hatten wir große Probleme, Trainingszeiten zu bekommen", sagte etwa Australiens Kapitän Lleyton Hewitt. Sam Stosur wie auch Novak Djokovic wünschen sich indessen auch eine Variante des ATP Cup auf der Seite der WTA.

ATP Cup: Extra-Punkte für die Weltrangliste

Bereits vor dem Event gab es Kritik von Spielern an dem Format und der Zählweise der Punkte für die Weltrangliste. Vor allem jenen Spielern, die in ihrem Land nicht in den Top-2 liegen und daher nicht mit Einzel-Matches rechnen konnten, sind die Regularien ein Dorn im Auge.

Der US-Amerikaner Reilly Opelka, aktuell die Nummer 36 der Welt im Einzel, nannte den ATP Cup gar "erbärmlich" und "peinlich". Während alle anderen Spieler nur 18 Turniere in ihr ATP-Ranking einfließen lassen dürfen, gibt es für Teilnehmer des ATP Cup eine zusätzliche, 19. Wertung. "Das ist unfair, denn nicht jeder hat die Möglichkeit dazu", sagte Opelka, der bei schwächeren Gegnern aus anderen Ländern ein klares "0:6, 0:6 in 30 Minuten" vorhersah.

Und tatsächlich: Roberto Bautista Agut verpasste Aleksandre Metreveli aus Georgien die Höchststrafe im Tennis, benötigte dafür aber immerhin 73 Minuten.

Im Vorjahr gab es mit dem ATP-Turnier von Pune noch eine weitere Möglichkeit neben Doha, in jener Woche vor der Qualifikation zu den Australian Open zu spielen. Das Turnier in Indien wurde für 2020 allerdings zeitlich nach hinten verlegt.

ATP Cup in Perth: Deutlicher Zuschauerschwund

Ein weiteres "Opfer" des ATP Cup ist der Hopman Cup, ein traditionsreicher Teamwettkampf, bei dem Teams aus Männern und Frauen aus einem Land gebildet werden. In diesem Jahr wurden in Perth stattdessen Gruppenspiele des ATP Cup ausgetragen.

Nur knapp 55.000 Zuschauer kamen in diesem Jahr zu den Sessions, damit fanden weniger als die Hälfte der Zuseher den Weg ins Tennis-Stadion von Perth. Im Vorjahr sahen noch über 110.000 Fans Angelique Kerber, Roger Federer und Co. auf den Schläger.

Der ATP Cup ist in jedem Fall bis 2022 gesichert, bis dahin sollen die Partien der K.o.-Phase in Sydney ausgetragen werden. Auch der Termin zu Beginn des Jahres soll bestehen bleiben.

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Montag
13.01.2020, 13:45 Uhr
zuletzt bearbeitet: 13.01.2020, 09:14 Uhr