Laver Cup: Endlich eine Ausgabe mit Relevanz

Beim Laver Cup 2022 in der Londoner O2 Arena kam erstmals in der kurzen Geschichte dieses Wettbewerbs so etwas wie Kontinentalkampfstimmung auf. Und das hatte wohl auch etwas mit dem Abschied von Roger Federer zu tun.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 27.09.2022, 14:44 Uhr

Der Sieg von Team Welt hat dem Laver Cup Relevanz verliehen
© Getty Images
Der Sieg von Team Welt hat dem Laver Cup Relevanz verliehen

Die Meinungen in Wimbledon 2022 waren ja auseinandergegangen: Elena Rybakina und Novak Djokovic hätte die 2.000 Punkte für die jeweiligen Weltranglisten als Sieger des dritten Majors des Jahres zwar gerne auch eingesackt, der Ruhm eines Wimbledon-Titels macht den zwnagsweisen Verzicht auf ATP- oder WTA-Zähler wett. Andere, wie etwa Andrea Petkovic, merkten schon zu Beginn des Turniers an, dass die Stimmung in den Umkleidekabinen eine andere gewesen sei, weil die Hatz nach Punkten aufgrund des Ausschlusses der russischen und belarussischen SpielerInnen ausgesetzt worden sei.

Das im Hinterkopf sei noch einmal angemerkt, dass die Auftritte beim Laver Cup keine Auswirkungen auf die ATP-Charts haben. Immerhin fließen die Ergebnisse in die offiziellen Statistiken, also auch in die Head-to-Heads, ein. Dennoch hatten die bisherigen Ausgaben des Kontinental-Vergleichs, der erstmals 2017 in Prag ausgetragen wurde, eher das Flair großzügig alimentierter Schaukämpfe. Vielleicht auch, weil Europa bislang immer den Sieg davongetragen hat. Manchmal knapp, öfter sehr eindeutig.

Tsitsipas vergibt Matchbälle

Das war in London nun anders. Die Europäer, so hatte man den Eindruck, waren mit größter Ernsthaftigkeit dabei, schließlich wollten sie Roger Federer den Abschied nicht vermasseln. Der Maestro selbst hätte allerdings auch einen Punkt beisteuern können, die Chance an der Seite von Rafael Nadal im Doppel gegen Jack Sock und Frances Tiafoe war dazu ja da. Das Team World andererseits witterte plötzlich ein paar Chancen, auch bedingt durch den Umstand, dass die beiden Lokalmatadoren Andy Murray und Cameron Norrie sich als schlagbar erwiesen.

Dennoch hätte die Weste für Team Europa weiß bleiben können, wäre Stefanos Tsitsipas in der Lage gewesen, einen seiner drei Matchbälle gegen Frances Tiafoe verwertet hätte. Danach wäre allerdings auch noch Casper Ruud gegen Taylor Fritz in der Pflicht gewesen. Aber - Schaukampf hin oder her - an dieser Niederlage wird Tsitsipas zu knabbern haben. Für den Griechen läuft es im Herbst mal wieder nicht rund, negativer Höhepunkt war das Erstrunden-Aus gegen Daniel Elahi Galan in Runde eins der US Open. In London konnte das versammelte Team noch so sehr auf Tsitsipas einreden, am Ende stand der als Verlierer da.

Federer und Roddick als neue Kapitäne?

Und die andere Seite? Hatte in Jack Sock ihren emotionalen Leader. Und in Frances Tiafoe einen Mann, der sich nach schwachem Beginn in das Match gegen Tsitsipas reingebissen hat wie zuletzt auch in seine Gegner bei den US Open. Dass Félix Auger-Aliassime gegen (einen wahrscheinlich leicht angeschlagenen) Novak Djokovic ein kaum für möglich gehaltenes Ausrufezeichen setzt, war dann so etwas für das Signal zur Aufholjagd. Die dem gesamten Wettbewerb dringend nötige Relevanz verliehen.

Die nächste Ausgabe wird im kommenden Jahr in Vancouver ausgetragen, das Team Welt darf seinen Titel verteidigen, vielleicht zum letzten Mal unter Kapitän John McEnroe. Während in Europa Roger Federer als Nachfolger von Björn Borg quasi aufgelegt ist, bieten sich für das Erbe von McEnroe mehrere Kandidaten an. Zuallervorderst wahrscheinlich Andy Roddick. Aber auch jemand wie Lleyton Hewitt. Alleine, dass diese Spekulationen doch recht interessant ausfallen könnten, zeigt, dass der Laver Cup an Relevanz gewonnen hat. Endlich.

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