Maureen Connolly: Die GOAT-Karriere, die durch einen Reitunfall beendet wurde

Vier Jahre, nachdem sie erstmals bei den US Open angetreten ist, war ihre Karriere schon vorbei. Doch es war genug Zeit, um Tennisgeschichte zu schreiben. Maureen Connelly dominierte das Damentennis mit einer Konsequenz, wie es nichtmal Steffi Graf oder Serena Williams in ihren besten Zeiten taten. Vom frühreifen Talent über den ersten Calender Grand Slam im Damentennis bis zum tragischen Karriereende: Connellys Laufbahn ist eine der außergewöhnlichsten, die der Sport je gesehen hat.

von Andreas Grünwald
zuletzt bearbeitet: 13.01.2026, 14:50 Uhr

Maureen Connolly mit der Wimbledon-Trophäe
© Getty Images
Maureen Connolly mit der Wimbledon-Trophäe

Maureen Catherine Connolly-Brinker, kurz „Little Mo“, erblickte am 17. September 1934 in San Diego, Kalifornien, das Licht der Welt. Zehn Jahre später sollte sie mit dem Tennisspielen anfangen. Dabei galt Connollys erste Liebe nicht der damals noch weißen Filzkugel – es war ein anderer Sport, der es Little Mo zuerst angetan hat: Das Reiten. Doch der Wunsch, ihrer Leidenschaft nachgehen zu können, blieb verwehrt. Als Connolly drei Jahre alt war, trennten sich ihre Eltern und sie wuchs bei ihrer Mutter und Tante auf. 

Connollys Mutter hatte damals allerdings nicht die finanzielle Mittel, um ihrer Tochter das Reiten zu ermöglichen. Nachdem die junge Maureen zufällig ein Match von zwei lokalen Profis gesehen hat, wurde ihr Interesse für Tennis geweckt. Also griff Little Mo im Alter von zehn Jahren zum Tennisschläger – eine Entscheidung, die ihr Leben verändern sollte. Für 1,50 $ kaufte Connollys Mutter ihrer motivierten Tochter ein Racket. Damit stand fest: Aus Little Mo,  die als Kind Ballett-Stunden nahm, würde nie eine Berufsmusikerin werden, wie es ihre Mutter eigentlich für sie gewünscht hat. Ihr Weg sollte ein anderer sein.

Schneller Weg an die Spitze

Schnell wurde klar: Die junge Maureen hat Talent. Die Grundlagen des Tennissports hat Connolly von einem lokalen Trainer beigebracht bekommen. Es sollte nicht lange dauern,  bis sie sich einen Namen machte: Denn schon in frühen Jahren sorgte Little Mo für große Aufruhr, als sie mit 14 Jahren 56 Matches in Serie gewann und wenig später die jüngste Spielerin wurde, die die Juniorinnen-Ausgabe der U.S. Championships für sich entscheiden konnte. Angetrieben wurde sie von einer Niederlage bei einem U-13-Turnier, die sie 1945 gegen ein älteres Mädchen namens Ann Bissell erlitt. Später, rückblickend auf ihre Karriere, schrieb Connolly in ihrer Biographie: „Ann Bissell zu schlagen, wurde mein einziges Ziel im Leben.“ Ein Jahr später gelang ihr die Revanche. Connolly hasste es, zu verlieren. Diese Eigenschaft wurde zum unaufhaltsamen Motor. Ihren Spitznamen „Little Mo“ erhielt Connolly übrigens von einem Journalisten, der die junge Maureen aufgrund ihrer Schlagkraft (vor allem in der Vorhand) mit den Kanonen des US-Battleship „Big Mo“ verglich.

Der Übergang in den Seniorinnenbereich verlief allerdings holprig. Ihr Major-Debut gab sie in New York, wo sie 1949 kurz vor ihrem fünfzehnten Geburtstag sogar die erste Runde gewinnen konnte, dann aber in der zweiten Runde die Segel streichen musste. In 1950 trat sie ebenfalls nur bei den U.S. Championships an, verlor allerdings erneut in Runde zwei.

Der große Durchbruch gelang Connolly dann aber in 1951. Erneut ging sie nur in ihrem Heimatland auf Titeljagd, diesmal aber erfolgreich. In diesem Sommer wurde Connolly nicht nur Grand-Slam-Siegerin, sondern ein nationaler Promi. Im Halbfinale bezwang „San Diego's Sweetheart", wie sie später von der Presse genannt wurde, ihr Idol Doris Hart (sechsfache Major-Siegerin), im Finale schnappte sie sich dann nach einem umkämpften Dreisatzmatch gegen Shirley Fry (vier Grand-Slam-Titel) die Krone und wurde mit 16 Jahren die jüngste  U.S.-Open-Siegerin der Geschichte. Connolly verteidigte ihren Titel ein Jahr später.

Maureen Connolly in Aktion
© Getty Images

Maureen Connolly in Aktion

Wenige Monate vor der Titelverteidigung am Big Apple sollte die junge Connolly auch erstmals auf dem heiligen Rasen Wimbledons an den Start gehen. Kurz vor den Championships geschah allerdings etwas unerwartetes: Little Mo trennte sich in einer von ihr einberufenen Pressekonferenz von ihrer Trainerin, weil die beiden eine Meinungsverschiedenheit hinsichtlich einer Verletzung hatten. Ein Novum und großer Schock. Maureen Connollys Tochter berichtete später, ihre Mutter habe diesen Vorfall rückblickend bereut. Doch dieser Rückschlag sollte Connolly nicht davon abhalten, bei ihrem Debüt in Wimbledon das Feld aufzumischen. Zwei Sätze gab Connolly auf dem Weg zum Titel ab. Damit hatte Little Mo noch als Minderjährige bereits drei Major-Titel auf ihrer Habenseite und war seit ihrer Zweitrundenniederlage in New York 1951 bei Grand Slams ungeschlagen. In ihrer Heimatstadt San Diego wurde das Wunderkind bei einer riesigen Parade gefeiert, 15.000 Menschen jubelten ihr zu. Was viele damals aber noch nicht wussten: Connolly war noch lange nicht an ihrem Zenit angekommen. In 1953 sollte San Diego's Sweetheart nämlich noch ungeahnte Höhen erreichen.

Eine Saison für die Ewigkeit

1953 war aus vielerlei Hinsicht ein aufregendes Jahr für den Shooting-Star. Zum einen verlobte sie sich mit Norman Brinker, der ein Mitglied der Reitermannschaft war, die die USA bei den Olympischen Spielen 1952 vertreten hatte. Später sollte Brinker als Gastronom große Karriere machen. Das Paar heiratete zwei Jahre später. Doch auch sportlich war viel los. In 1953 ging Connolly erstmals bei den Australian Championships an den Start – es sollte ihre einzige Teilnahme dort bleiben. Sie gewann all ihre fünf Spiele und konnte sich den Titel sichern. Auch in Paris sollte Connolly erstmals an den Start gehen, wo sie ebenfalls ins Finale stürmte. Dort traf Little Mo auf Dauerrivalin und mittlerweile Freundin Doris Hart. Erneut sollte Connolly den Sieg einfahren – damit startete die Nummer eins der Welt die Saison 1953 mit 10:0 Siegen bei Grand Slams.

Dann kam Wimbledon 1953. Connolly, an eins gesetzt, war die Gejagte. Besonders Rivalin Doris Hart schwor sich, sich nicht erneut von Connolly schlagen zu lassen. Die Zeichen standen ganz klar auf ein Duell der Gigantinnen im Finale – so kam es letztlich auch.  Die beiden Kontrahentinnen stürmten geradezu ins Endspiel. Doris Hart gewann ihre Partien in einer Dominanz, wie wir sie heute in den frühen Runden nichtmal von einer Iga Świątek sehen, mit 6:0 6:0 in der ersten und zweiten Runde, gefolgt von drei weiteren klaren Zweisatzsiegen. Doch auch Connolly fegte ihre Gegnerinnen bis ins Endspiel weg  und gab auf dem Weg dahin nur unfassbare sechs (!) Spiele ab. Das Traumfinale war perfekt.  In dem Endspiel, das damals als eines der besten Damen-Matches aller Zeiten betitelt wurde, konnte sich Connolly knapp mit 8:6 und 7:5 durchsetzen. Am Ende sollte Little Mo lediglich zwei Punkte mehr gewinnen als ihre Gegnerin.

Connolly hatte damit eine einzigartige Möglichkeit: Mit einem Sieg bei den U.S. Championships könnte sie die erste Spielerin im Dameneinzel werden, die alle vier Major in einem Jahr und damit den „Calendar Grand Slam“ gewinnt. Doch vor dem Turnier erlitt Connolly einen Rückschlag: Ihr Verlobter wurde in den Korea-Krieg eingezogen. Es war eine harte Zeit für die damals 18-jährige Maureen. Doch sie ließ sich nicht unterkriegen und verfolgte ihre Mission: Titel in New York. Und sie sollte es schaffen. Erneut gegen Doris Hart im Finale. Erneut ohne auch nur einen Satz im gesamten Turnier abzugeben. Maureen Connolly gelang das eigentlich Unmögliche: Sie gewann alle vier Major in einem Jahr,  sie gab dabei keinen einzigen Satz ab. Und das im Alter von 18 Jahren. Für ihre Leistungen wurde sie, wenig überraschend, von der Associated Press als Sportlerin des Jahres gekürt.

1954 trat Connolly zwar nicht in Melbourne, dafür aber in Paris an. Wieder sicherte sie sich den Titel, wieder ohne Satzverlust. Little Mo gab in Roland Garros insgesamt 15 Spiele ab.  Ein ähnliches Bild zeichnete sich auch in Wimbledon ab. Maureen Connolly gab erneut keinen einzigen Satz ab und verlor im Turnierverlauf nur 19 Spiele. Die Finalgegnerin hieß diesmal jedoch überraschenderweise nicht Doris Hart, die im Halbfinale gegen Althea Louise Brough Clapp verlor. Brough Clapp, die in ihrer Karriere insgesamt fünf Major (davon viermal Wimbledon) gewann, war eine würdige Gegnerin für Little Mo. Doch letztlich konnte auch sie das powervolle Spiel der 19-jährigen Dominatorin nicht stoppen. Maureen Connolly gewann ihren neunten Major in Serie (bei denen sie angetreten ist) und hat nun seit zwei Jahren keinen Satz mehr bei einem Grand-Slam-Turnier abgegeben. Ihre Siegesserie stieg auf 51, ihre Karrierebilanz bei Grand Slams stand nun bei 53:2. Zurecht stellte man sich die Frage: Wer soll Maureen Connolly stoppen? Und wie lange würde diese Dominanz anhalten?

Der Unfall

Auf dem Platz konnte niemand Maureen Connolly das Wasser reichen. Doch leider sollte im Leben neben dem Platz eine böse Überraschung auf Little Mo warten. Kurz nach ihrem ersten Wimbledon-Titel wurde Connolly, die – wir erinnern uns – schon als Kind dem Reitsport zugeneigt war, ein Pferd geschenkt. Als die noch 19-jährige Maureen nach ihren Siegen in Paris und London aus Europa zurückgekehrt ist, freute sie sich darauf, mit ihrem Pferd ausreiten zu können. Doch es war kein gewöhnlicher Ausritt. Wie damals die Entscheidung, mit Tennis anzufangen, Connollys Leben für immer verändert hat, so hat auch dieser Ausritt am 20. Juli 1954 Connollys Leben für immer verändert. Vor allem hat der Ausritt aber eins: Ihre Karriere beendet.

Connolly erklärte in einem Interview, dass sie auf der Friars Road im Mission Valley unterwegs war. Als sie und ihre Begleitung ihre Pferde anhielten, um einem nahenden Lastwagen Platz zu machen, scheute plötzlich Connollys Pferd „Colonel Merryboy“ und drehte sich in den Lastwagen. Dabei wurde Connollys Bein zwischen dem Pferd und dem Fahrzeug eingeklemmt. Maureen Connolly brach sich bei dem Unfall das Wadenbein und riss einige Muskeln. Eine Krankenschwester, die zufällig auf dem Weg zur Arbeit war, eilte herbei, um der gestürzten Tennisspielerin zu helfen. Nach dem Unfall wurde Connolly ins Mercy Hospital gebracht, wo sie operierte wurde. Damals berichtete der Arzt noch, dass sie einen Monat lang nicht spielen könne, jedoch keine bleibenden Schäden zu erwarten seien.
Doch leider sollte diese Prognose so nicht eintreten. Trotz ihres Ehrgeizes und Willens,  auf die Tour zurückzukehren, musste Maureen ihre sportliche Karriere aufgeben. Little Mo versuchte sich nochmal bei Exhibition-Turnieren, doch spätestens da realisierte sie, dass sie nicht mehr in der Lage sein würde, bei großen Events mitzuspielen. 1955 beendete das Wunderkind ihre Karriere. Statt dem Tennissport fand Maureen eine neue Lebensaufgabe als Mutter (1957 wurde aus Little Mo Little Mom), Sportjournalistin und Unternehmerin.  Für den Unfall erhielt Connolly von dem Unternehmen, dem der Unfallverursacher angehörte, knapp über 100.000 $ Entschädigung.

Connolly war glücklich mit dem Alltag nach der Karriere und sie freute sich auf friedliche Zeiten nach der stressigen Karriere (Connolly betonte außerdem immer wieder,  sie habe zehn Leben gelebt). Mit ihrem Mann förderte sie mit der „Maureen Connolly Brinker Foundation“ junge Tennisspielerinnen. Doch dieses Glück sollte nur für eine bestimmte Zeit anhalten, denn das Leben hatte einen weiteren Schicksalsschlag für Little Mo parat. Connolly erkrankte an Krebs. Am 21. Mai 1969, im Alter von nur 34 Jahren, verlor sie den Kampf gegen die Krankheit. Auf ihrem Grabstein steht übersetzt geschrieben: „Ehefrau, Mutter, Champion“. Maureen Connolly war mehr als das. Sie war eine Ausnahmesportlerin, die dem Tennissport im Teenageralter ihren Stempel aufdrückte und im Vorbeigehen ständig neue Bestmarken setzte. Sie war ein Symbol für Disziplin und Ehrgeiz und eine Inspiration für Generationen junger Athletinnen. Und sie war eine Powerfrau, die es mit jedem Hindernis aufnahm, das sich ihr in den Weg stellte – nie, ohne das Kinn oben zu halten. Trotz eines abrupten Karriereendes und eines viel zu kurzen Lebens hinterließ sie ein Vermächtnis, das weit über ihre Titel und Rekorde hinausreicht.

Was bleibt

San Diego’s Sweetheart hatte den Namen nicht umsonst. Maureen Connolly hat die Tenniswelt und die Herzen der Fans im Sturm erobert. Nie vor ihr und auch nie nach ihr hat ein Spieler oder eine Spielerin die Tennisszene so dominiert wie sie. Wer weiß, wie viele Major-Titel Maureen Connolly noch gewonnen hätte. Denn auch schon in den 50ern war es nicht unüblich, dass Karrieren bis in die 30er anhielten. Little Mo war bei ihrem Karriereende 19 Jahre jung, mit neun Major-Titeln im Einzel in der Tasche – alle neun in Serie und sechs davon in Serie ohne Satzverlust. Connolly konnte alle Grand Slams in einem Jahr gewinnen, ohne einen Satz abzugeben und räumte dabei mehrfach andere Legenden aus dem Weg.  Es gab kein Mittel gegen sie und es war auch keins in Sicht. Wer weiß, wie mögliche Duelle gegen andere Größen des Sports ausgegangen wären. Es ist durchaus möglich, dass es ohne den Unfall Matchups gegen zum Beispiel Billie Jean King oder Margaret Court gegeben hätte. Mit Connolly lassen sich viele „What If’s“ verbinden. Allen voran aber die Frage: Wie viele Grand Slams hätte sie wohl am Ende gewonnen, wenn der Unfall nicht passiert wäre?  15? 20? Vielleicht sogar 30? Diese Frage darf jeder Tennisfan für sich selbst beantworten.

Eines haben Maureen Connollys Leben und ihre Karriere gemeinsam: Beides war viel zu kurz. Und trotzdem hat sie in ihrer Zeit ein Denkmal für sich erschaffen, an dem es kein Rütteln gibt. Ihre Geschichte wird wahrscheinlich zu selten erzählt. Denn eigentlich sollten alle Tennisfans den Namen Maureen Connolly fortan mit etwas verbinden: Nämlich damit,
dass sie die dominanteste Spielerin in der Geschichte war und damit, dass wohl nie wieder jemand die Tenniswelt so beherrschen wird, wie es Little Mo in den frühen 50er-Jahren tat.
 

von Andreas Grünwald

Dienstag
13.01.2026, 17:00 Uhr
zuletzt bearbeitet: 13.01.2026, 14:50 Uhr