Hipfl neuer Coach – kaum Chancen auf Australian-Open-Start

Das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres wird wohl voraussichtlich ohne den Deutsch-Wagramer in Szene gehen.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 14.12.2013, 16:10 Uhr

Am späten Freitagabend wurde es offiziell: Jürgen Melzer hat Markus Hipfl als neuen Coach unter Vertrag genommen. Österreichs aktuelle Nummer eins arbeitet bereits seit elf Tagen in Kitzbühel mit dem Ex-Weltranglisten-63. aus Oberösterreich. Mit dem erhofften Start bei den Australian Open in Melbourne wird es für den Niederösterreicher aber wohl trotzdem nichts. Wie der 32-Jährige die Chancen denn genau sieht und wer sein neuer Doppelpartner ist, das verriet er im Gespräch mit tennisnet.com.

Jürgen, man hört, deine Suche nach einem neuen Trainer ist beendet.

Ja, das Thema ist erledigt. Ich bin lange mit Ronnie(Leitgeb, ÖTV-Präsident und Melzers Manager; Anmerkung)zusammengesessen und habe überlegt, was das Beste ist. Wir sind mehrere Möglichkeiten durchgegangen, und so sind wir dann auf Markus gekommen.

Was hat den Ausschlag für ihn gegeben?

Er hat nötigen Qualifikationen und die Erfahrung im Sport und ich verstehe mich sehr gut mit ihm. Also probieren wir’s jetzt mal. Mit meinen bisherigen Trainern habe ich 13 Jahre(Karl-Heinz Wetter; Anmerkung)und fünf Jahre(Joakim Nyström; Anmerkung)gearbeitet, mit dem letzten(Galo Blanco; Anmerkung)nur kurz, hoffentlich wird’s dieses Mal wieder länger.

Wie du schon ansprichst: Für dich ist es doch eine sehr ungewohnte Situation, mal nur rund zweieinhalb Monate mit jemandem zu arbeiten.

Ja, die Trennung von Galo ist auch sehr bitter, denn das hätte sehr gut funktioniert, denke ich. Aber man kann Leute halt zu nichts zwingen und als Nummer 27 der Welt muss ich jetzt auch nicht unbedingt betteln. Er hat sich eben für einen anderen Weg entschieden und arbeitet jetzt für den kanadischen Verband exklusiv mit dem Talent Filip Peliwo.

Nimmst du ihm das übel, das Angebot angenommen zu haben?

Ich glaube, so läuft das Leben und so ist auch unser Sport. Übel nehme ich ihm vielleicht nur das Timing. Das hätte er mir auch früher sagen können. Wir haben nach den US Open noch gesagt, dass wir zumindest mal die Saison fertigmachen. Hätte ich da schon gewusst, wie es aussieht, hätte ich mich besser drauf vorbereiten können. So habe ich es erst nach Shanghai(wo Melzer sein verletzungsbedingt letztes Saisonturnier bestritt; Anmerkung)erfahren.

Habt ihr also überhaupt noch Kontakt miteinander?

Man schreibt sich hin und wieder noch, wir sind nicht im Super-Bösen auseinandergegangen. Wir verstehen den Sport und das Business.

Mit Markus hast du jetzt einen Trainer, der außer kurzzeitig mit Barbara Haas noch keinen werdenden Profi oder Profi wie dich betreut hat. Wie sehr ist das ein Problem?

Wenn ich das als Problem sähe, hätte ich nicht beschlossen, mit ihm gemeinsam zu arbeiten.

Wie ist das denn, mit jemandem zu arbeiten, mit dem du noch zusammen im Davis-Cup-Team gestanden bist?

Es hilft einfach. Man kennt sich besser. Das Um und Auf wird sein, eine gute Kommunikation miteinander aufzubauen und möglichst viele Informationen auseinander rauszubringen. Aber ich kann derzeit noch nicht viel sagen, da ich seit Shanghai noch keinen Ball geschlagen habe.

Wird dich Markus zu jedem Turnier begleiten?

Es geht jetzt mal darum, überhaupt wieder fit zu werden. Und sobald ich wieder spielen kann, wird er das, denke ich, machen. So ist es geplant.

Wie schwierig ist es für einen ehemaligen Weltranglisten-Achten, würdigen Ersatz für jemanden wie Galo Blanco zu finden?

Das ist nicht so einfach. Es hat mit Galo sehr, sehr gut funktioniert, aber im Endeffekt musste ich mich dann eben doch nach was Neuem umschauen und mich fragen: Was könnte passen? Was könnte funktionieren? Ich habe mich dann für eine österreichische Lösung entschieden, was ursprünglich nicht der Plan war. Aber letztendlich wird man ohnehin sehen, wie gut das klappt und wird man am Erfolg gemessen.

Du hast nun, wie du auf Twitter verkündet hast, auch einen neuen Physiotherapeuten: Patrick Hinterseer. Den Namen kennt man bisher noch nicht so gut. Kannst du ihn ein bisschen vorstellen?

Das ist noch ein Junger, ich habe ihn durch Markus kennengelernt. Er ist, glaube ich, ein sehr großes Talent, wenn man das so sagen kann, er hat gute Hände. Und er kann sich vorstellen, zu den Turnieren mitzufahren. Das ist für mich auch sehr wichtig, jemanden zu haben, der mit mir auf die Tour geht, das hatte ich in den letzten Jahren nicht wirklich.

Wie du bereits gesagt hast: Du kannst leider noch nicht wieder Tennis spielen. Wie läuft die Vorbereitung dennoch? Was kannst du alles machen?

Konditionell so ziemlich alles, viel Ausdauer und Kraft. Und alles, wo ich die Schulter nicht über 90 Grad heben muss. Wir haben hier in Kitzbühel auch ein paar Ski-Tage eingelegt, für die Kraft und die Beine waren die bestimmt sehr gut. Sonst ist es ein Warten und Therapieren. Wir versuchen, was schon geht und was noch nicht.

Wo liegt konkret noch das Problem mit der Schulter?

Ich habe einfach immer noch Schmerzen, wenn ich sie über 90 Grad bewege. Das Problem ist nach dem Einriss, den ich mir zugezogen hatte, diese Schwellung der Supraspinatussehne, die unter dem Schulterdach hindurchgeht und dadurch an diesem reibt. Ich habe noch nicht genug Kraft, um wieder spielen zu können. Ich habe stechende Schmerzen bei vielen Bewegungen. Das ist nicht lustig, aber ich muss das Beste draus machen. Es ist zugleich eine Möglichkeit, den Körper länger auf Vordermann zu bringen. Ich hoffe, das bringt den erhofften Erfolg.

Mit wie viel Prozent bezifferst du die Chancen auf einen Start bei den Australian Open?

Das ist leider sehr unrealistisch. Mehr als zehn Prozent gebe ich dem nicht.

Wann fällt die Entscheidung?

Ich muss sie ja nicht nächste Woche treffen, ich habe noch ein bisschen Zeit. Die erste Woche im neuen Jahr geht sich mal sicher nichts aus. Aber ich muss nichts überstürzen, ich kann am Freitag vor Turnierstart auch noch absagen. Fest steht: Sinn macht es nur zu spielen, wenn ich davor genügend Tennis-Tage in die Beine bekomme.

Wie sehr würde eine Absage deine Erwartungshaltung für 2014 senken? Und wie viele Sorgen machst du dir über deinen langfristigen Gesundheitszustand?

Es sind zwei Turniere, die ich versäumen würde, nicht mehr. Dass darunter ein Grand Slam wäre, das ist natürlich bitter. Aber ich habe heuer auch bei den French Open und bei den US Open in Runde eins verloren und das Jahr war trotzdem okay. Blöd ist halt, dass ich seit dem 8. Oktober keinen Ball geschlagen habe. Man hofft immer, dass es so schnell wie nur möglich wieder geht, aber es ist schon jetzt die längste Auszeit meiner Karriere, länger als damals bei der Handgelenksverletzung 2007. Es ist was Ungewohntes und Neues. Ich habe aber deshalb keine Angst, dass meine Karriere zu Ende geht. Natürlich fragt man sich halt: Wann komme ich wieder zurück? Wie schnell finde ich wieder den Anschluss?

Wenn du für die Australian Open also vermutlich absagen musst: Traust du es einem Österreicher zu, in Melbourne für dich in die Bresche zu springen?

Andi(Haider-Maurer; Anmerkung)hat lange in die Saison reingespielt, um sich noch für das Hauptfeld zu qualifizieren, was leider nicht geklappt hat. Ich könnte mir gut vorstellen, dass er Australien auslässt. Bei Martin Fischer weiß ich nicht, was er macht. Bei meinem Bruder Gerald ist die Frage, wie viele Tennis-Tage er nach seiner Fingerverletzung noch in die Beine kriegt, er kann erst seit paar Tagen wieder trainieren. Und bei Dominic(Thiem; Anmerkung)wird man sehen, wie er so in die Saison startet. Ich habe gehört, dass er in Doha beginnt und dann in Melbourne spielt. Er hat sicher die Möglichkeiten, gut abzuschneiden.

Tennis-Österreich steckt in den letzten Monaten überhaupt ein wenig im Thiem-Fieber. Wie sehr hat es auch dich angesteckt?

Ich war immer ein Fan von ihm als Spieler. Er ist ein sehr guter Tennisspieler, der immenses Potential hat. Aber man muss mal sehen, wie er sich im nächsten Jahr präsentiert. Er hat vor allem im ersten Halbjahr wenige Punkte zu verteidigen und steht vor dem Sprung unter die Top 100. Man muss abwarten, wie konstant er seine Leistungen dann bringen kann.

Wie sehr hat dich sein Auftritt in der Wiener Stadthalle beeindruckt?

Er hat speziell gegen Tsonga sehr, sehr gut gespielt. Aber das hat am Ende nicht gereicht. Er hat auf jeden Fall eine große Talentprobe abgelegt, aber von diesem Wort muss man bei ihm langsam aufhören zu sprechen, er steht vor den Top 100 und muss sich da jetzt durchsetzen.

Wie viele Sorgen muss man sich um Tennis-Österreich nach Jürgen Melzer machen?

Ich hoffe, dass ich noch ein Zeiterl spiele, darum muss man sich noch keine Sorgen machen!(lacht)Spaß beiseite: Ich glaube, das wird ganz gut laufen. Vor allem auf „Domi“ ruhen viele Hoffnungen, Andi ist weiter da und immer noch vor Dominic, das darf man nie vergessen. Da ist auch mein Bruder, Lucas Miedler kommt von hinten, der ein gefährliches Spiel hat, und da gibt es noch ein paar Junge wie Max Neuchrist, der jetzt wieder mal ein Future gewonnen und bei einem weiteren das Finale erreicht hat. Man muss den Jungen noch Zeit geben und warten, ob es für ganz vorne reicht. Wann es nach mir wieder einen Top-Ten-Spieler geben wird, das wird man sehen – und ob überhaupt in den nächsten Jahren.

Auch im Doppel zählst du ja weiter zur erweiterten Weltklasse, und laut Gerüchten hast du mit dem Schweden Robert Lindstedt einen neuen Partner. Stimmt das?

Ja. Ich habe relativ lange zugewartet, ob „Petzsche“(Philipp Petzschner; Anmerkung)ab dem Jahresbeginn spielen kann, aber kann er leider nicht. Also habe ich geschaut, mit wem ich vor allem die großen Turniere spielen kann. Robert hat einige Optionen gehabt, dann hat ihm wer abgesagt und wir haben uns in Shanghai zusammengesetzt und gesprochen. Der Plan, den wir vereinbart haben, ist, dass wir die Grand Slams und ATP-Masters-1000-Turniere miteinander spielen, dazu ein paar 500er und wenige 250er. Wir sehen es beide als sehr, sehr gute Lösung.

Ändert deine wahrscheinliche Absage für die Australian Open etwas daran?

Nein, das hat keinen Einfluss. Wenn’s mit den Australian Open nichts werden sollte, wäre das natürlich nicht optimal, aber er hat mir versichert, dass er mir im Wort ist und dass das fix ist. Spätestens in Zagreb möchte ich im Februar wieder auf die Tour einsteigen, dort würden wir erstmals zusammen spielen. Wir haben uns bis Miami einen Turnierkalender zurechtgelegt.

Auf Turnier-Nennlisten vor den Australian Open ist der Name Iveta Melzer, vormals Benesova, wieder aufgetaucht. Kehrt deine Gattin wirklich in „Down Under“ zurück?

Das kann man jetzt noch nicht beantworten. Man muss sehen, ob sie konkurrenzfähig ist. Sie hat erst im November wieder zu trainieren begonnen, in den nächsten zwei Wochen wird sich alles entscheiden.

Was kann man sich nach über 16 Monaten Auszeit überhaupt erwarten?

Schwer zu sagen. Das Wichtigste ist, dass sie schmerzfrei ist, es weiter bleibt und Spaß dran hat, den Schläger wieder in der Hand zu halten. Es ist schön, dass sie wieder die Möglichkeit hat, zu spielen. Wann und ob sie auf die WTA-Tour wieder einsteigt, das ist ihr überlassen.

Ist in der Off-Season wenigstens ein bisschen Zeit füreinander geblieben?

Das natürlich. Das ist das Positive, wenn man verletzt und zuhause ist. Man hat mal so etwas wie ein geregeltes Leben miteinander. Wir waren davor wie 2012 auf den Malediven, das war sehr schön. Wir haben entspannt, die Seele baumeln lassen und nette Freunde kennengelernt. Nach dem etwas abrupten Saisonende ein wenig abschalten zu können, hat mir gutgetan.

Jetzt wo sich dein Trainingsstützpunkt verlagert hat: Kommst du neben dem Training auch dazu, die Vorzüge von Kitzbühel, vor allem im Winter, zu nützen?

Wir waren zwei, drei Mal Skifahren, dazu haben wir Curling gespielt. Es war echt angenehm, auch mal ein bisschen spazieren zu gehen. Als ich vor zehn Tagen zum Training angekommen bin, waren die Straßen weiß, jetzt ist der Schnee in der Stadt wieder weg und nur noch auf den Bergen. Aber es ist ein angenehmer Tapetenwechsel, der vielleicht auch für den Kopf gut ist.(Foto: GEPA pictures)

Das Gespräch führte Manuel Wachta.

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14.12.2013, 16:10 Uhr