Michael Kohlmann - „Wimbledon ist das entscheidende Turnier“

Michael Kohlmann, deutscher Davis-Cup-Kapitän, arbeitet derzeit im Home Office. Die TennisBase in Oberhaching hat ihre Pforten vorübergehend geschlossen, Kohlmann steht dennoch im ständigen Austausch mit den übrigen Verantwortlichen im DTB. Im Interview mit tennisnet wagt der Wahl-Münchner eine Prognose.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 25.03.2020, 20:39 Uhr

Michael Kohlmann war mit dem Düsseldorf-Wochenende rundum zufrieden
© Getty Images
Michael Kohlmann war mit dem Düsseldorf-Wochenende rundum zufrieden

tennisnet: Herr Kohlmann. Deutschland hat sich wieder für das Davis-Cup-Finalturnier in Madrid qualifiziert. Wie fällt Ihr Fazit über die Tage von Düsseldorf jetzt, ein paar Wochen später, aus?

Michael Kohlmann: Im Nachhinein betrachtet muss man in der jetzigen Situation natürlich sagen: Dass wir dieses Wochenende überhaupt noch durchbekommen haben, grenzt eigentlich an ein Wunder. Nordrhein-Westfalen ist ja das am härtesten betroffene Bundesland. Sportlich gesehen war ich mit allen Spielern sehr zufrieden. Die Zuschauer, die da waren, haben fünf hochklassige Tennismatches gesehen. Alle fünf meiner Mannschaft haben eine gute Leistung abgerufen. Am ersten Tag hat Philipp Kohlschreiber gegen Egor Gerasimov leider knapp verloren, aber Philipps Leistung war sehr gut. Und dieses Match hat auch dazu beigetragen, dass Gerasimov nicht im Doppel gespielt hat und im Einzel gegen Jan-Lennard Struff ein wenig platter wirkte.

tennisnet: Mittlerweile sind die Gruppen für das Finalturnier bereits ausgelost. Deutschland trifft, wenn alles wie geplant gespielt werden kann, auf Österreich und Serbien. Vielleicht sogar in München?

Kohlmann: Das stand wirklich einmal im Raum bzw. wurde von der Kosmos Gruppe bei mir in Australien auch mal so vorgetragen. Damals musste man noch abwarten, ob wir uns überhaupt qualifizieren. Ich glaube aber, dass es diese Überlegung gar nicht mehr gibt. Falls es diese Möglichkeit gegeben hätte, wären wir gerne zur Stelle gewesen. Und das hat jetzt nicht nur mit Serbien und Österreich zu tun. Ich glaube aber, die einzige Veränderung wird sein, dass sie in Madrid eine vierte Halle dazu nehmen, falls es Ausweichmöglichkeiten braucht bei Partien, die wie im letzten Jahr zu lange dauern.

Hoffnung auf Zverev gegen Thiem und Djokovic

tennisnet: Die Gruppenkonstellation könnte auch für Alexander Zverev interessant sein.

Kohlmann: Die sportliche Herausforderung ist natürlich enorm. Aber gerade so etwas könnte auch Sascha reizen. Wenn er weiß, er spielt gegen Djokovic und Thiem, das sind Dinge, mit denen man ihn vielleicht kitzeln kann, doch aufzulaufen. Und mit Sascha sind wir eine ganz unangenehme Mannschaft für alle Gegner. Wir haben mit Philipp einen sehr erfahrenen, mit Struffi einen sehr gefährlichen Mann. Und im Doppel haben wir die letzten sieben, acht Matches nicht verloren.

tennisnet: Große Aufregung gab es in den vergangenen Tagen wegen der Verlegung der French Open in den September. Wie bewerten Sie die Situation?

Kohlmann: Wenn es wirklich ein Alleingang des Französischen Tennisverbandes war, finde ich das nicht richtig. Dieser Alleingang könnte aber dazu führen, dass sich alle großen Tennisnationen und -organisationen an einen Tisch setzen und die ganzen Probleme, die ein Tenniskalender über´s Jahr so bringt, ansprechen. Und auch lösen. Dazu müssten aber alle bereit sein. Laver Cup gegen French Open kann nicht klappen - und ich glaube, dass eine Veranstaltung weichen muss.

tennisnet: Das muss dann aber der Laver Cup sein, oder?

Kohlmann: Da bin ich mir nicht so sicher. Beim Laver Cup sind ja die USTA und Tennis Australia dabei. Die ATP und alle am Laver Cup beteiligten Organisationen könnten da schon so viel Druck ausüben, dass es zu einem Boykott führen könnte. Es bringt ja auch den French Open nichts, wenn die besten 70 Spieler der Weltrangliste nicht antreten.

tennisnet: Nun soll ab Anfang Juni wieder Tour-Tennis gespielt werden. Wo sehen Sie die größten Probleme an diesem Vorhaben?

Kohlmann: Wenn man jetzt die Entscheidungsfindung für die Sandplatzsaison gesehen hat, dann hat die Verlegung der French Open die Absage aller Turniere davor bedingt. Wenn wir jetzt sehen, dass in England die Maßnahmen gegen das Coronavirus erst etwa zwei Wochen nach jenen bei uns ergriffen wurden - unter diesen Umständen ist Wimbledon für mich das entscheidende Turnier. Wenn Wimbledon signalisiert: Das können wir nicht planen, wird automatisch auch die Rasensaison abgesagt und der Startpunkt erst nach Wimbledon angesetzt.

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26.03.2020, 14:15 Uhr
zuletzt bearbeitet: 25.03.2020, 20:39 Uhr