Mikas Testbericht - Kuikma PR Hybrid Boost
Decathlon und tennisnet hatten zum ersten Mal dazu aufgerufen, Padelschläger aus dem Hause Kuikma zu testen. Padel boomt und sechs User hatten die Möglichkeit, die neuen Kuikma-Padelschläger noch vor dem offiziellen Verkaufsstart auf Herz und Nieren prüfen. Mikas Eindrücke findet ihr in seinem ausführlichen Bericht.
von User "Mika"
zuletzt bearbeitet:
10.09.2026, 12:54 Uhr

Spielstil & Vorlieben beim Racket-Kauf
Ich würde meinen Spielstil als Allrounder beschreiben. Ich spiele auf der rechten Seite und versuche vor allem, konstant zu spielen und wenig Fehler zu machen. Ich bin nicht der Spieler, der permanent auf den direkten Winner geht; mir ist wichtiger, den Punkt sauber aufzubauen und den Gegner zu Fehlern zu zwingen. Vor dem Test habe ich einen HEAD Zephyr gespielt. Beim Racket-Kauf sind mir deshalb vor allem ein unkompliziertes Handling, Kontrolle und genügend Power wichtig, ohne dass das Racket zu anspruchsvoll wird. Den Kuikma PR Power Boost habe ich in acht Einheiten über insgesamt ungefähr 15 Stunden gespielt - jeweils rund 90 Minuten, teilweise auch zwei Stunden. Dadurch konnte ich ihn sowohl aus der Defensive als auch am Netz und bei Smashes ausführlich testen.
1. Optischer Eindruck
Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⭐
Optisch gefällt mir das Racket sehr gut. Besonders der Metallic-Look in dunklem Blau-Grau in Kombination mit den roten Details wirkt hochwertig und modern, ohne zu auffällig zu sein. Auch die seitlichen Einkerbungen beziehungsweise die Konstruktion am Rahmen geben dem Schläger einen technischen, eigenständigen Look. Insgesamt ist die Aufmachung für mich sehr gelungen.
Einen Abzug gibt es bei der optischen Haltbarkeit: Schon nach ein bis zwei Kontakten mit der Glasscheibe waren kleine Lackabplatzer zu sehen. Solche Kontakte lassen sich beim Padel im normalen Spiel kaum vermeiden. Konstruktiv wirkt das Racket auf mich sehr stabil; die Lackierung beziehungsweise Oberflächenbeschichtung könnte aus meiner Sicht aber robuster sein.

2. Im Spiel
Der erste Unterschied zu meinem HEAD Zephyr war für mich sofort spürbar: Der Griff des Kuikma ist länger und das Gewicht sitzt stärker im Schlägerkopf. Gerade mit größeren Händen gefällt mir der zusätzliche Platz am Griff. Die kopflastigere Balance sorgt gleichzeitig für spürbar mehr Druck im Ball. Die Umstellung hat ein paar Einheiten gebraucht, danach fühlte sich das Racket aber sehr selbstverständlich an.
Grundschläge – Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⭐
Bei den Grundschlägen hat mir besonders die Oberfläche gefallen. Sie fühlt sich für mich wie ein gutes Mittelding zwischen glatt und rau an. Bei sehr glatten Rackets fehlt mir teilweise der Grip am Ball, bei sehr rauen Oberflächen habe ich dagegen manchmal das Gefühl, etwas Power zu verlieren. Beim Power Boost passt die Mischung für mich sehr gut: Der Ball fühlt sich beim Treffpunkt gut verbunden mit dem Schläger an, lässt sich kontrollieren und geht trotzdem leicht und mit Tempo raus. Insgesamt war das Racket unkompliziert zu handeln und ich hatte sogar das Gefühl, weniger Fehler zu machen.
Volleys – Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⭐
Am Netz hat mir das Racket am besten gefallen. Die Volleys hatten ohne großen Zusatzaufwand eine gute Länge und Tiefe. Gerade bei kompakten Bewegungen hilft die Balance des Rackets dabei, Druck zu erzeugen. Gleichzeitig blieb das Gefühl beim Treffpunkt kontrolliert. Im Vergleich zu meinem vorherigen Racket fühlten sich die Volleys für mich noch wirkungsvoller an.
Smach – Bewertung: ⭐⭐⭐⭐☆
Beim Smash ist der Name "Power Boost" tatsächlich Programm. Wenn man den Ball sauber trifft, kommt sehr viel Geschwindigkeit heraus und das Racket zieht stark durch. Daran musste ich mich zunächst gewöhnen, weil Schwunggewicht und Balance anders sind als bei meinem bisherigen Schläger. Ein klassischer harter Smash funktioniert für mich sehr gut. Etwas schwieriger fand ich es, beim Kick-Smash beziehungsweise Topspin- Smash viel Spin in den Ball zu bekommen. Durch das zusätzliche Gewicht im Kopf ist die schnelle Beschleunigung über den Schlägerkopf für mich etwas anspruchsvoller.
Defensive – Bewertung: ⭐⭐⭐⭐☆
Auch aus der Defensive kam ich gut mit dem Racket zurecht. Besonders positiv war für mich, dass ich hinter beziehungsweise tief am Ball leichter unter den Ball gekommen bin. Das Racket fühlte sich dabei nicht unnötig klobig an. Die Kopflastigkeit merkt man in hektischen Situationen etwas, sie hat mich hinten aber deutlich weniger gestört als erwartet. Positiv ist außerdem die Fehlertoleranz: Auch nicht perfekt getroffene Bälle fühlten sich angenehm an und ich hatte nicht das Gefühl, dass Fehltreffer stark in Arm oder Hand weitergegeben werden.

3. Detailbewertung
Kontrolle – Bewertung: ⭐⭐⭐⭐☆
Die Kontrolle ist für ein Racket mit so viel Power überraschend gut. Für mich trägt die leicht strukturierte, aber nicht extrem raue Oberfläche viel dazu bei. Gerade bei Grundschlägen und Volleys konnte ich Richtung und Länge gut steuern. Dazu kommt ein angenehm großer beziehungsweise toleranter Treffbereich: Auch bei leicht unsauberen Treffern blieb der Ball für mein Gefühl häufiger spielbar als mit anderen Rackets.
Stabilität – Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⭐
Konstruktiv macht der Power Boost einen sehr stabilen Eindruck. Auch bei härteren Treffern und nach rund 15 Stunden Spielzeit hatte ich nie das Gefühl, dass sich das Racket verwindet oder im Bereich des Herzens instabil wird. Das ist für mich relevant, weil ich bei anderen Padelschlägern schon erlebt habe, dass genau dort Probleme beziehungsweise Brüche auftreten. Die Kritik an den frühen Lackspuren betrifft für mich daher ausdrücklich die Oberfläche und nicht die strukturelle Stabilität.
Speed – Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⭐
Speed ist für mich die größte Stärke des Rackets. Teilweise kam der Ball deutlich schneller aus dem Schläger, als ich es erwartet hatte. Man bekommt mit relativ wenig Aufwand sehr viel Tempo - vor allem bei Volleys und Smashes. Wer Power sucht, bekommt sie hier definitiv. Gleichzeitig muss man sich anfangs daran gewöhnen, weil der Ball bei einem guten Treffer schnell einmal mehr Fahrt aufnimmt als geplant.
Griff und Ergonomie – Bewertung: ⭐⭐⭐☆☆
Ein Punkt, den ich unabhängig von den eigentlichen Spieleigenschaften kritisch sehe, ist die Griffgröße. Ich konnte am Racket keine unterschiedliche Griffstärke erkennen beziehungsweise auswählen. Für meine größeren Hände war der serienmäßige Griff deutlich zu dünn: Ich habe mit zwei Overgrips gespielt und hätte für mein persönliches Gefühl sogar drei verwenden können. Gleichzeitig ist ein Universalmaß nicht automatisch für kleinere Hände ideal. Meine Freundin, die ebenfalls gelegentlich Padel spielt, hatte das Racket in der Hand und empfand den Griff wiederum als eher groß. Das zeig für mich, wie individuell das Thema ist. Unterschiedliche Griffgrößen oder zumindest eine klarere Möglichkeit zur Anpassung wären deshalb sinnvoll. Positiv bleibt für mich die Länge des Griffs: Im Vergleich zum HEAD Zephyr hatte ich mehr Platz für die Hand, was mir persönlich sehr gut gefallen hat.

Fazit
Der Kuikma PR Power Boost hat mich nach der Eingewöhnung insgesamt überzeugt. Für mich ist er ein interessantes Allround-Racket mit klarer Tendenz zur Offensive: Er bietet viel Speed und Power, bleibt dabei aber kontrollierter und fehlertoleranter, als ich bei einem kopflastigeren Racket erwartet hätte. Besonders bei Volleys und normalen Smashes spielt er seine Stärken aus. Auch bei Grundschlägen gefällt mir die Mischung aus Ballgefühl, Kontrolle und Tempo sehr gut. Kleine Abstriche gibt es für mich beim Kick-/Topspin-Smash, bei dem die Kopflastigkeit die schnelle Schlägerkopfbewegung etwas anspruchsvoller macht. Außerdem würde ich mir eine robustere Lackierung und mehr Möglichkeiten bei der Griffstärke wünschen. Gerade die fehlende individuelle Griffanpassung ist aus meiner Sicht ein Punkt, den Kuikma verbessern könnte.
Unterm Strich ist der Power Boost für mich vor allem für Allrounder interessant, die nicht auf Kontrolle verzichten möchten, aber spürbar mehr Druck und Geschwindigkeit aus ihrem Racket holen wollen. Das Racket verzeiht einiges, liegt angenehm in der Hand und vermittelt trotz der hohen Power ein sicheres Gefühl. Nach rund 15 Stunden Testzeit ist für mich vor allem eines hängen geblieben: Der Name Power Boost passt.
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