Mit Teamgeist und "Wunderwaffe": Davis-Cup-Team will auch ohne Zverev überraschen

Der Verzicht von Alexander Zverev wiegt schwer, doch auch mit drei Debütanten will das deutsche Davis-Cup-Team beim Finalturnier in Madrid überraschen.

von SID
zuletzt bearbeitet: 19.11.2019, 17:45 Uhr

Davis-Cup-Chef Michael Kohlmann ist vorsichtig optimistisch
© Jürgen Hasenkopf
Michael Kohlmann

Alexander Zverev blieb keine Zeit zum Verschnaufen. Nach seiner Ankunft in Buenos Aires gab er mit Roger Federer sogleich den Grillmeister und warf mächtige argentinische Steaks auf den Rost, dann schrieb der deutsche Tennis-Jungstar fleißig Autogramme für die begeisterten Fanmassen. Und während Zverev mit dem Schweizer Maestro durch Lateinamerika tourt und zahlreiche Schaukämpfe bestreitet, steht jenseits des Atlantiks das deutsche Team beim Davis Cup vor einer schweren Aufgabe.

"Mit Sascha Zverev wären wir natürlich stärker", sagte Tennis-Ikone Boris Becker dem SID zu den Chancen der Deutschen beim neuen Finalturnier des Mannschaftswettbewerbs in Madrid: "Deswegen sind wir nicht Favorit, wir sind Außenseiter." 

Titelanwärter sind andere, etwa der vom Weltranglistenersten Rafael Nadal angeführte Gastgeber Spanien, die ausgeglichen stark besetzten Franzosen oder auch Serbien mit Wimbledonchampion Novak Djokovic. Doch auch ohne seinen Spitzenspieler brauche sich das deutsche Team nicht zu verstecken, meint Becker: "Durch unseren Teamgeist hoffen wir, die notwendigen Punkte zu gewinnen." 

Team Deutschland mit drei Debütanten

Zverev hatte nach harscher Kritik am reformierten Davis Cup eine Teilnahme kategorisch ausgeschlossen. Deshalb werde nun die mannschaftliche Geschlossenheit "unser Schlüssel zum Erfolg sein", sagte Becker vor den Gruppenspielen gegen Argentinien am Mittwoch und tags darauf gegen Chile (beide ab 11.00 Uhr/DAZN).

Ohne seinen Star ist das deutsche Team aber eine Wundertüte. In US-Open-Achtelfinalist Dominik Koepfer und den French-Open-Siegern Kevin Krawietz und Andreas Mies im Doppel schickt Teamchef Michael Kohlmann gleich drei Debütanten ins Rennen. Neben Routinier Philipp Kohlschreiber besitzt einzig Jan-Lennard Struff Davis-Cup-Erfahrung, der Warsteiner spielt die beste Saison seiner Karriere und ist in Madrid im Einzel gesetzt.

"Er ist für mich eine ganz wichtige Stütze", lobte Kohlmann seine Nummer eins: "Ich kann den wirklich jede Zeit, jeden Tag einsetzen. Er ist immer bereit, alles zu geben." Und Struff ist nicht der einzige, der nach einem guten Jahr mit Rückenwind in den Saisonabschluss geht.

Kramies: "Freuen uns extrem drauf"

Kevin Krawietz und Andreas Mies seien ein "absolutes Weltklasse-Doppel", lobte Becker die French-Open-Sieger. Dass der Triumph in Paris keine Eintagsfliege war, zeigten sie spätestens durch ihren Halbfinal-Einzug bei den US Open. Und die Vorfreude auf Madrid ist bei dem Duo aus Coburg und Köln riesig.

"Es ist schon immer ein Kindheitstraum gewesen, Davis Cup zu spielen. Einen besseren Jahresabschluss gibt es nicht", sagte Mies dem SID. Der späte Termin am Ende der Saison sei zwar "ungünstig", immerhin spielte er mit Krawietz in der Vorwoche noch bei den ATP Finals in London. Aber, so betonte Mies, "wir freuen uns extrem drauf, egal wann es stattfindet."

Und dann hat der Teamchef in Dominik Koepfer noch ein besonderes Ass im Ärmel. "Dominik ist so ein bisschen die Wunderwaffe", sagte Kohlmann über den 25-Jährigen, der bei den US Open als Qualifikant erst im Achtelfinale am späteren Finalisten Daniil Medvedev gescheitert war. Beeindruckend seien vor allem Koepfers Wille und Kampfgeist gewesen. "Das kann", glaubt Kohlmann, "einem Team, so wie wir es in Madrid sind, nur guttun."

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19.11.2019, 18:55 Uhr
zuletzt bearbeitet: 19.11.2019, 17:45 Uhr