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Mustafic liefert erste Finals-Überraschung

Nach dem glanzvollen Eröffnungstag beim zum bereits 33. Mal über die Bühne gehenden HTT Saisonfinale...

von Claus Lippert
zuletzt bearbeitet: 29.11.2023, 09:42 Uhr

Nach dem glanzvollen Eröffnungstag beim zum bereits 33. Mal über die Bühne gehenden HTT Saisonfinale, mit einer höchst stimmungsvollen “Players-Presentation” & dem erstmals ausgetragenen “Finals-Talk”, rückte am gestrigen zweiten Spieltag der HTT Finals 2023 wieder das sportliche Geschehen in den Vordergrund. Und dabei lieferte Nordmazedoniens Tarik Mustafic die erste ganz große Überraschung der Gruppenphase ab. Der 21jährige erwischte nach einer bärenstarken Vorstellung und einem 6:3, 6:3 Erfolg über HTT Wimbledonsieger Vladimir Vukicevic einen perfekten Start in seine zweiten “Finals”, und feierte einerseits nach seinen drei Vorrunden-Pleiten im letzten Jahr seinen allerersten Sieg beim HTT Saisonabschlussturnier, und andererseits im vierten direkten Duell mit dem HTT Altmeister aus Serbien seinen ersten Sieg. Souverän fiel auch der erste Auftritt von Vorjahressieger Rene Gräflinger aus, der sich am Centercourt des UTC La Ville gegen Dominik Jaros in zwei Sätzen seinen vierten HTT Finals Einzelsieg in Serie sicherte. Ein Bericht von C.L

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Tarik Mustafic nützt auch schwache Tagesleistung seines Gegners

Am Ende der Night Session des gestrigen Sonntags stand ein sichtlich glücklicher und entspannter Tarik Mustafic beim On Court Interview auf dem Platz, um dort über seine Gefühle und Eindrücke vom bislang wohl wichtigsten Erstrunden-Duell seiner HTT Karriere zu plaudern. Eineinhalb Stunden zuvor sah das noch ganz anders aus. Da betrat ein augenscheinlich höchst nervöser durch den künstlichen Nebel schreitender 21jähriger den Centercourt, und das zu einem Spiel, das für ihn persönlich und sein im Publikum weilendes Team die höchste Prioritätsstufe hatte. Die kollektive Vorjahrespleite bei den Finals 2022 vergessen machen, die Wunderdinge aus dem Training in ein Bewerbsspiel zu transportieren, und erstmals gegen den HTT Rekord-Wimbledonsieger nicht als Verlierer vom Platz zu gehen, der Ranglistensiebente aus Nordmazedonien hatte sich einiges vorgenommen für den Sonntag-Abend. Und dementsprechend angespannt legte es los, fabrizierte Mustafic doch gleich zwei seiner insgeamt fünf Doppelfehler zu Beginn der Partie. Mit einem Service-Winner zum 15:30 und fünf weiteren Punkten holte er aber das erst Game. Noch viel wichtiger aber, der 21jährige hatte die Anfangs-Nervosität damit abgelegt, und spielte fortan vielleicht die 85 besten Minuten seiner HTT Karriere.

Vukicevic enttäuscht bei seinem 10. HTT Finals-Auftritt

Auf der anderen Seite erwischte Serbiens HTT Rasenkönig ausgerechnet im Auftakt-Match seines Jubiläums-Auftritts bei den HTT Finals 2023 einen rabenschwarzen Tag. Just beim ersten Spiel seiner 10. Finals-Teilnahme und in der erstmals bei diesem Turnier gut gefüllten Halle vor mehrheitlich Vukicevic-Fans, ging beim 21fachen Turniersieger aus Sombor nichts zusammen. Einen ersten Beweis dafür lieferte sein erstes Aufschlagspiel, in dem er mit einem Doppelfehler und drei unforced errors erste Schwächen offenbarte. Was niemand zu diesem Zeitpunkt wusste: Dieses erste Break für Mustafic war das einzige im gesasmten ersten Satz und damit schon von entscheidendem Charakter. Nach 36 Minuten hatte die erste große Überraschung der 2023er-Finals erste Konturen angenommen. Ausgemalt war das Bild der Sensation 48 Minuten später, als Mustafic dem favorisierten HTT Finals-Champion von 2016 ein weiteres 6:3 umgehängt hatte. Der junge Nordmazedonier holte mit einem Break zum 2:1, und einem im allerletzten Game zum 6:3 zum großen Coup aus, und jubelte am Ende wie erwähnt über seine zwei Premierensiege. “Das war mir heute ganz wichtig. Darum auch die Nervosität zu Beginn. Aber ich habe mich schnell vom Druck befreien können, und dann eine gute Partie gespielt”, strahlte Mustafic, während Vukicevic etwas bedröppelt und traurig zum Interview vor seine vielen Fans in der Halle treten musste. “Es tut mir leid für meine Fans. Danke das ihr da wart um mich zu unterstützen. Ich habe heute leider einen schlechten Tag erwischt. Im Normalfall habe ich als Reserve immr noch meinen Körper, aber je länger die Partie gedauert hat, desto mehr haben meine Beine nachgelassen”, so der 10fache HTT Finals Starter aus Serbien.

Gräflinger schon nach Auftaktmatch auf Kurs Titelverteidigung

Im zweiten Vorrundenspiel der blauen Gruppe kam es am Sonntag Nachmittag zum ersten Antreten von Titelverteidiger Rene Gräflinger. Und der Vorjahressieger und Ranglisten-Erste aus Kärnten ließ gleich in seinem Auftaktmatch gegen HTT Wimbledon-Semifinalist Dominik Jaros keine Zweifel aufkommen, dass der Weg zum Titel beim prestigeträchtigsten Turnier des Jahres über ihn führen wird. Wer am kommenden Samstag Nachmittag den Champions-Pokal im Konfetti-Regen in die Höhe stemmen möchte, der wird wohl den 2fachen HTT US Open-Sieger aus Ferlach schlagen müssen. Ein Vorhaben, von dem Dominik Jaros am gestrigen zweiten Spieltag doch ein ganzes Stück entfernt war. Das Gräflinger mit seinem druckvollen Spiel von der Grundlinie die möglichen Rallyes dominieren würde, war schon im Vorfeld klar. Daher hing ganz viel am Aufschlag, dem Paradeschlag des Dominik Jaros. Und der funktionierte über das ganze Match hinweg nicht in jenem Ausmaß an Quoten und Effizienz, in dem er nötig gewesen wäre, um den starken Returnspieler Gräflinger auf Distanz zu halten. Dazu kamen unnötige Jaros-Fehler in Situationen, die für Game-Gewinne des Titelverteidigers entscheidend waren. Wie im ersten Satz, als der 32jährige bei eigenem Aufschlag einen einfachen Smash ins Aus donnerte, und sich kurz darauf mit einem Doppelfehler das erste Break einhandelte. Oder als er bei 4:4 eine Rückhand neben die Linie setzte, und sich den dann entscheidenden Aufschlagverlust leistete.

Gräflinger seit 11 HTT Matches ungeschlagen

Das Szenario mit den big points spielte sich auch in Durchgang 2 ähnlich ab. Jaros verhalf beim Stand von 2:2 bei der allerersten Break-Chance des zweiten Satzes mit einem ärgerlichen wie unnötigen Doppelfehler dem Ranglisten-Ersten aus Kärnten auf die Siegerstraße. Denn 13 Minuten später war der “Kärntner Kas” gegessen. 6:4, 6:2, Gräflinger hatte sich im fünften Saisonduell mit Jaros zum vierten Mal durchgesetzt, und im Head to Head auf 4:2 erhöht. “Mit einem Zweisatzsieg in die Finals zu starten, ist natürlich alles andere als unangenehm. Warum ich die letzten vier Matches gegen den Dominik gewonnen habe, liegt wohl an meiner aktuellen Hochform, und das ich meinen Aufschlag stabilisieren konnte”, so der topgesetzte Ferlacher, der in seinem 60. HTT Karriere-Match seinen 51. Eizelsieg 2023 feierte, und bereits seit 11 Spielen auf der HTT ungeschlagen ist. “Alle engen Punkte sind an den Rene gegangen, weil er die mit seinem aktuellen Selbstvertrauen einfach sensationell spielt. Mir fehlt halt derzeit die Selbstverständlichkeit”, so der unterlegene HTT Wimbledon-Semifinalist.

von Claus Lippert

Montag
27.11.2023, 13:51 Uhr
zuletzt bearbeitet: 29.11.2023, 09:42 Uhr