Nach Becker-Kritik am DTB: Mit Verband oder ohne - Ist das mit der Ausbildung wirklich so einfach?
Boris Becker hat gegen den Deutschen Tennis Bund ausgeteilt. Und damit mal wieder eine Debatte über die Ausbildung der besten Talente losgetreten. Doch ist das alles so einfach, wie viele denken? Wahrscheinlich nicht, denn Tennisspieler entscheiden am selbst über ihren Weg.
von Daniel Hofmann
zuletzt bearbeitet:
22.03.2026, 17:11 Uhr

Boris Becker und der Deutsche Tennis Bund (DTB) gehen schon seit einigen Jahren getrennte Wege. Die gemeinsame Zeit schreckte Boris Becker in seinem Podcast nicht davon ab, gehörig gegen den Dachverband auszuteilen. Der ehemalige Wimbledon-Champion kritisierte die Nachwuchsarbeit des Verbandes massiv. Dabei legte Becker vor allem den Blick auf die Talentsichtung und Ausbildung, der DTB-Vorstand Veronika Rücker vorsteht. Rücker war selbst nie Profi, hat mit der aktiven Ausbildung auf dem Court jedoch auch wenig zu tun.
Eine große Kritik vieler privater Coaches sind jedoch nicht nur der Blick auf Talent, Einstellung und die laut Becker fehlenden „deutschen Tugenden“, sondern vor allem die unterschiedlichen Verbandsebenen, die eine optimale Ausbildung oftmals verhindern. Im Podcast der Tennisproleten berichtete Alexander Waske vor einiger Zeit in einem Interview von “zu vielen Leuten”, die bei einer Verbandsausbildung mitreden.
Neben dem Training im Verein arbeiten auch Verbandstrainer mit den Jugendlichen zusammen. Je nach Stärke der Spieler werden die Talente für weitere Kader nominiert. Laut Waske sprechen die Trainer aber nur selten eine Sprache.
Lys, Seidel, Noha Akugue - Sonderstellung bei den Frauen
Beim Blick auf die aktuellen Nachwuchshoffnungen im deutschen Tennis fällt auf, dass vor allem bei den Männern die Spieler schon sehr früh auf ihren eigenen Weg vertrauen, wie beispielsweise Justin Engel. Natürlich ist der Deutsche Tennis Bund daran beteiligt, die Auswahl der Coaches und der sonstigen relevanten Entscheidungen erfolgte jedoch in Eigenregie mit Vater Horst.
Bei den Frauen ist der Weg auffällig anders. Eva Lys, Ella Seidel oder auch Noma Noha Akugue durchliefen die Mühlen des sogenannten „Porsche Talent Teams“, dem Nachwuchskader des Deutschen Tennis Bundes. Ein derartiges Modell mit medialer Aufmerksamkeit gibt es bei den Männern so in dieser Form nicht. Auch das ist sicherlich ein nicht unwichtiger Aspekt.
Lange Zeit war Barbara Rittner als „Head of Women’s Tennis“ auch für die Entwicklung dieser Spielerinnen verantwortlich. Nach ihrer Entlassung beim DTB setzt Rittner heute auch auf eine eigene Akademie mit dem Name “AceIn”. Und äußert in dieser Funktion ähnliche Kritik am Verband, wie viele Trainerkollegen.
Andere Sitten in anderen Ländern?
Der Sportschau sagte Rücker, dass es bei der heutigen Ausbildung darauf ankomme, die „Generation Z besser zu verstehen und in gewisser Form auf sie einzugehen.“ Der Punkt ist nicht uninteressant, denn Tennisspieler (egal in welchem Alter) haben am Ende den Vorteil, dass sie ihr eigenes Umfeld und damit auch den Weg der Ausbildung frei wählen können. So bleibt am Ende vielleicht sogar die Frage, was genau ist ein Eigengewächs des Verbandes und wer hat wirklich komplett ohne Zutun des Verbandes den Sprung zum Profi geschafft?
Vielleicht wird die Diskussion um erfolgreichen Nachwuchs am Ende einen Tick zu emotional geführt. Beim Blick über den Tellerrand fällt auf, dass beispielsweise in Österreich auch in erster Linie der Ausbildungsweg über private Akademien geht. ÖTV-Eigengewächse, wie Joel Schwärzler, sind da eher die Ausnahme. Das ist auch in anderen Ländern der Fall, die zahlreiche Hoffnungsträger produzieren, wie u.a. in Italien.
Am Ende ist es vielleicht auch der fromme Wunsch nach klaren Strukturen in einem Sport, der in der Organisation gar nicht immer so klar strukturiert sein kann. Man betrachte da nur mal die verschiedenen Akteure der großen Events auf der Tour.
