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Neil Oberleitner: „Man gewöhnt sich sehr schnell an Grand Slams“

Neil Oberleitner hat bei seinem zweiten Grand-Slam-Turnier schon das Viertelfinale erreicht. Im Gespräch mit tennisnet zieht der Doppel-Spezialist zufrieden Bilanz.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 03.06.2026, 10:47 Uhr

Neil Oberleitner hat in Roland-Garros 2026 ein tolles Turnier gespielt
© GEPA Pictures
Neil Oberleitner hat in Roland-Garros 2026 ein tolles Turnier gespielt

Es war ein großes Drama, das Neil Oberleitner am gestrigen Dienstag gemeinsam mit Partner Petr Nouza gegen die favorisierten Italiener Simone Bolelli und Andrea Vavassori abgeliefert hat. Lediglich ein Punkt hat zum Einzug ins Halbfinale gefehlt - und eben diesen Punkt hatten Oberleitner und Nouza beim Stand von 9:8 im Champions-Tiebreak auf dem Schläger. Ehe Vavassori einen Zauberschlag auspackte. 

Mit tennisnet hat sich Neil Oberleitner schon vor seinem Viertelfinale getroffen.  

Tennisnet: Herr Oberleitner. Roland-Garros 2026 ist erst Ihr zweites Grand-Slam-Turnier überhaupt. Hat sich schon ein gewisser Gewöhnungseffekt eingestellt? 

Neil Oberleitner: Es geht lustigerweise sehr schnell, dass man sich daran gewöhnt. Je besser die Turniere werden, desto besser wird das Ganze rundherum, die Organisation. Angefangen von den Umkleiden bis zum Essen, bis zu den Plätzen, auf denen man spielt. Natürlich: Am ersten Tag, wenn man auf eine Anlage kommt, die man noch nicht kennt, ist man ein bisschen angespannt, wenn du jetzt noch nicht weißt, wo der Bespanner ist oder wo die Umkleiden sind.   

Tennisnet: Was bringt der Start bei einem Major sonst noch mit sich? 

Oberleitner: Jeder Spieler bekommt zunächst einmal ein Player's Gift. Das war dieses Mal ein Carry-On Bag und eine zweite Tasche. In Australien war es Kosmetik. Das habe ich meiner Cousine mitgenommen. Und man bekommt auch ein Per Diem. Das sind pro Tag 350 Euro, die man für die Unterbringung ausgeben kann. Dazu noch 200 Euro für Essen. Das wird täglich auf die Akkreditierung geladen. 

“Alex Peya hat schon alles erlebt”

Tennisnet: Im Achtelfinale gab es die Situation, dass sie mit Petr Nouza gegen dessen Ex-Partner Patrik Rikl angetreten sind. Haben Sie das intern thematisiert? 

Oberleitner: Natürlich ist das was Besonderes. Es war kurz Thema. Petr hat es selbst angesprochen. Natürlich will man gegen einen Ex-Partner besonders gut spielen. Es kommt auch darauf an, ob man im Guten oder im Schlechten auseinander gegangen ist.  

Tennisnet: Wie war das bei Nouza und Patrik Rikl? 

Oberleitner: Ich glaube, es war relativ neutral. Aber unser Match hier war auf jeden Fall ein Prestige-Duell. Und ich glaube, Petr ist auch sehr glücklich, dass wir das für uns entscheiden konnten. Vor allem auch, weil Rikl ja mit einem tschechischen Landsmann spielt. 

Tennisnet: Sie haben das Turnier hier sehr früh begonnen, sind jetzt bis Mitte der zweiten Woche engagiert. Hilft da die Routine, die Ihr Coach Alex Peya mitbringt? 

Oberleitner: Es wird schon lang, aber ich will mich nicht aufregen, wenn bei einem Grand-Slam-Turnier im Viertelfinale steht.So gesehen: Je länger, desto besser sogar. Alex sieht hier natürlich viele Gesichter, die er von seiner Karriere noch kennt. Es ist ja für ihn auch sehr schön, die wieder zu sehen und sich auszutauschen. Aber wir verbringen eigentlich sehr viel Zeit miteinander. Er kann mir erklären, wie er mit Drucksituationen umgegangen ist. Das hat er ja öfters gehabt. Aber ich bin immer glücklich, ihn an meiner Seite zu haben. 

Neil Oberleitner: “Würde das Trikot von David Alaba tragen”

Tennisnet: Ist diese lange Zeit hier auch eine Möglichkeit gewesen, einmal richtig mit ihrem Partner zu trainieren? 

Oberleitner: Wir haben ja schon zwei Challenger-Wochen miteinander gespielt. Wenn man jetzt die Tage in Paris dazwischen nimmt, kann man da zum ersten Mal sagen, dass wir wirklich miteinander trainiert haben. Petr war leider in den ersten Tagen krank. Die erste wirkliche Trainingseinheit hatten wir nach der zweiten Runde. 

Tennisnet: Die erste Bilanz der immer noch neuen Kombination mit Petr Nouza?

Oberleitner: Das Wichtigste ist die Kommunikation. dass wir dann nach den Matches hergehen und uns die Matches vielleicht gemeinsam anschauen und uns sagen, ja, in der Situation hätte ich das gerne, in der Situation spiele ich lieber den Ball. Und ich glaube, der Petr und ich, wir haben schon einen guten Rhythmus gefunden und wir kennen uns auch schon, 

Tennisnet: Noch ein kurzer Blick zu einer anderen Disziplin: Österreich steht ja schon im Bann der Fußball-WM. Wenn Sie sich einen Spieler aussuchen müssten - wessen Trikot würden Sie tragen? 

Oberleitner: Die Nummer wäre für mich immer die Nummer 27, weil das die Lieblingszahl von meiner Frau ist. David Alaba hat bei Bayern mit der 27 gespielt. Und ich würde auch Alaba nehmen, weil er eben schon so lange ein Aushängeschild für den österreichischen Fußball war. Und mit Abstand der erfolgreichste Fußballer. Dazu noch eine Führungsperson und für das Nationalteam extrem wichtig.
 

von Jens Huiber

Mittwoch
03.06.2026, 12:40 Uhr
zuletzt bearbeitet: 03.06.2026, 10:47 Uhr