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Patrick Rafter ist froh, dass Goran Ivanisevic nicht wegen ihm bekloppt wurde

Das Wimbledonfinale 2001 war eines der legendärsten - aus vielerlei Gründen. Unter anderem, weil Goran Ivanisevic endlich seinen ersehnten Sieg auf dem Heiligen Rasen feiern konnte.

von Florian Goosmann
zuletzt bearbeitet: 12.07.2020, 15:48 Uhr

Goran Ivanisevic, Patrick Rafter
Goran Ivanisevic, Patrick Rafter

Drei Mal war Ivanisevic bis dahin im Finale von Wimbledon gestanden, drei Mal hatte er den Kürzeren gezogen: 1992 überraschend gegen Andre Agassi, 1994 nicht ganz so überraschend gegen Pete Sampras. Und 1998 erneut gegen "Pistol Pete", damals jedoch, obwohl er größtenteils der bessere Spieler gewesen war. Und es gab wohl kaum einen unglücklicher dreinschauenden zweiten Sieger als Ivanisevic in jenem Jahr.../

2001 sollte alles anders werden, in vielerlei Hinsicht: Ivanisevic war als Nummer 125 der Welt nur dank einer Wildcard ins Hauptfeld gekommen, und als möglicher Titelanwärter galt er nun wirklich nicht mehr. Im Vorjahr hatte er seine peinlichste Niederlage einstecken müssen, in Brighton, als er mangels Material - er hatte im Spiel alle seine Schläger zerstört - aufgeben musste. In Wimbledon aber tankte er sich aber durch, überstand Matches gegen Juan Carlos Ferrero, Marat Safin und, auch dank einer Regenpause - gegen Tim Henman im Halbfinale.

Dass er dann auch das Finale gegen Patrick Rafter gewann - es hat wohl sollen sein. So sieht das zumindest der Australier. "Es war Schicksal für ihn", sagte Rafter rückblickend in The Tennis Podcast. Und mochte gar nicht daran denken, was passiert wäre, wenn Ivanisevic auch sein viertes Wimbledon-Endspiel verloren hätte. "Nehmen wir mal an, ich hätte das Spiel gewonnen, Goran wäre ein Fall fürs Irrenhaus geworden - und ich dafür verantwortlich", so der ehemalige Weltranglisten-Erste lachend. "Die Sache ist für mich okay. Ich habe ein paar Grand-Slam-Turniere gewonnen (US Open 1997 und 1998, Anm. d. Red.), mir geht's also gut. Andererseits will der selbstsüchtige Teil die Wimbledon-Trophäe schon. Es wäre toll gewesen."

Ivanisevic: "Schlechteste letzte Spiel in der Geschichte des Tennis"

Das Match zwischen Rafter und Ivanisevic war wegen Regens auf Montag verschoben worden, den "People Monday", an dem alle Tickets an der Tageskasse verkauft wurden. Die Stimmung war entsprechend ausgelassen. Auch wenn das Match vor allem von seiner Spannung lebte, weniger von der Qualität. Vor allem das finale Spiel: Ivanisevic führte 6:3, 3:6, 6:3, 2:6 und 8:7. Und war anschließend beteiligt am "schlechtesten letzten Spiel in der Geschichte des Tennis, das jemals zwei Spieler fabriziert haben", wie er zugab.

Er habe das Spiel nur gewonnen, weil Rafter es fertig gebracht habe, noch schlechter zu spielen als er selbst. "Er war vermutlich geschockt davon, wie schlecht ich gespielt habe." Rafter habe gewusst, dass er beim vierten Matchball in die Mitte aufschlage, habe den Return aber geschoben statt geschlagen. "Hätte er ihn zurückgebracht, hätte ich ihn verhauen. Oder ich wäre ausgerutscht. Irgendwas wäre passiert."

"Goran hat Nerven gezeigt, ich habe einfach versucht, so viele Bälle wie möglich zurückzubringen", erinnerte sich Rafter. Die ersten zwei Matchbälle hatte Ivanisevic per Doppelfehler vergeben, den dritten Rafter mit einem feinen Lob abgewehrt. Beim vierten flog dann Rafters Vorhand-Return ins Netz - und Ivanisevic hatte endlich den Pokal, von dem er jahrelang geträumt hatte.

"Natürlich wollte ich gewinnen", so Rafter. "Aber wenn es einen anderen Sieger geben musste, dann ihn."

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von Florian Goosmann

Sonntag
12.07.2020, 15:26 Uhr
zuletzt bearbeitet: 12.07.2020, 15:48 Uhr