Peter Pokorny lernt nie aus
von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet:
13.06.2010, 10:13 Uhr

Dienstag um 9 Uhr beginnt für Peter Pokorny in Pörtschach bei den 53. Europameisterschaften der Supersenioren in Pörtschach am Wörthersee der Kampf um den Titel bei den Herren 70. Pokorny (geboren am 25. Juli 1940) geht als Nummer eins und Favorit ins Rennen. Österreichs erfolgreichster Senioren-Tennisspieler spielt bereits seit 64 Jahren Tennis. Bis 1973 war der Grazer fixer Bestandteil des Daviscup-Teams, mit dem er in den frühen Siebzigern an der Seite von Hans Kary große Erfolge feiern konnte. 1986 erfolgte der Einstieg ins internationale Seniorentennis. Neben zahlreichen steirischen und österreichischen Titeln holte Pokorny in den verschiedenen Altersklassen mehr als 50 Europameistertitel, 8 Mannschaftsweltmeistertitel (Austria Cup, von Cramm Cup und Britannia Cup) und viele, viele Titel mehr. Zuletzt konnte er im April das Turnier in Antalya (TUR) ohne Satzverlust für sich entscheiden. Im Jänner holte er Gold bei Hallen-EM in Seefeld. Sein Erfolgsrezept: „Es gibt kaum einen Tag, an dem ich nicht am Platz stehe. Meine Kondition hole ich mir ausschließlich auf dem Tennisplatz und auf dem Golfplatz. Da muss ich mich gegenüber meinen Golfpartnern aber schon manchmal genieren, wenn ich sie frage: „So, jetzt hab ich gerade drei Stunden Tennis gespielt, schlagen wir noch ein paar Bälle?“
2010 spielen Sie erstmals in der Altersklasse 70. Wird’s schwieriger oder leichter für Sie?
Die Europameisterschaften in Seefeld habe ich gewinnen können. (lacht) Es hat sich also nicht allzu viel geändert.
Ändert sich dadurch auch etwas an der Leistungsdichte? Die Raster werden ja nicht unbedingt kleiner.
Die Leistungsdichte bleibt eigentlich immer gleich, da auch immer die gleichen Spieler in die nächste Altersklasse aufsteigen. Ich spiele eigentlich seit 20, 25 Jahren immer gegen die gleichen Spieler – damals waren die Burschen halt noch 45 Jahre alt, heute sind sie 70.
Bei der Hallen-EM 2010 in Seefeld haben Sie auf Ihrem Weg zur Goldmedaille (Herren 70) drei Spielern die „Höchststrafe“ verpasst, zuletzt sogar im Semifinale und im Finale. Was war da denn los?
Es ist einfach gut gelaufen. Der eine (Klaus Haas/GER) war die Nummer 6 der Weltrangliste und der andere (Bodo Nitsche/GER) die Nummer 7. Sie waren zwar ein oder zwei Jahre älter, in unserem Alter sagt das aber eigentlich nur mehr wenig aus. Jemand, der im höheren Alter noch vorne mit dabei ist, der ist auch gut trainiert. Es ist nicht so, dass man körperlich ein Wrack wäre.
Sie sind in Seefeld auch in der Altersklasse 60 angetreten und sind immerhin bis ins Achtelfinale gekommen.
Mir macht Tennis nun einmal wahnsinnigen Spaß, außerdem hab ich noch eine zweite Woche Zeit gehabt. Also hab ich mir gedacht: Ich versuch’s ganz einfach einmal. Warum auch nicht? Immer nur gegen die „eigenen“ Gegner anzutreten, verliert mit der Zeit zwar nicht unbedingt an Reiz, aber neue Gegner machen nun einmal ein bissl mehr Spaß. Im Achtelfinale hab ich dann gegen Hans Heißl verloren, obwohl ich den eigentlich auch hätte schlagen müssen.
Man merkt: Ehrgeiz geht mit dem Alter nicht unbedingt verloren.
Warum sollte es auch? Wenn man sich freiwillig geschlagen gibt, dann ist das auch für dich als Mensch ein Rückschritt. Warum sonst sollte ich auch heute noch immer jeden Tag eineinhalb bis zwei Stunden Tennis spielen?
Im Vorjahr haben Sie sieben internationale Turniere gespielt, und jedes Mal kamen Sie ins Finale. Wird das auf die Dauer nicht langweilig?
Nicht wirklich, weil’s mir nun einmal Spaß macht. Ich spiel jedes Jahr eigentlich fast immer die gleichen Turniere: die zwei in Pörtschach, dann eines auf Mallorca, eines in Ungarn, eines in Polen, eines in Kroatien, eines in Antalya. Ich hab deshalb relativ viele Turniere gespielt, weil ich die Weltmeisterschaften ausgelassen habe, die in Übersee und damit für mich zu weit weg waren.
Immerhin mussten Sie 2009 zwei Finalniederlagen einstecken. Wie schmeckt die Niederlage?
Beide Male habe ich gegen Peter Adrigan verloren, der ein Neueinsteiger bei den 65ern war. Der ist logischerweise noch das Tempo von den Jüngeren gewohnt und macht dir daher doch gewisse Schwierigkeiten. So eine Niederlage ist mir zwar nicht gleichgültig, sie tut mir aber auch nicht allzu sehr weh. Ich sag mir nämlich: Irgendwann kommt auch wieder einmal meine Chance.
Kann man sich im höheren Alter eigentlich noch verbessern oder schaut man mehr darauf, dass man nicht schlechter wird?
Ich denke, dass man in jedem Alter noch etwas dazulernen kann. Man wird vielleicht körperlich etwas schwächer, schlagtechnisch kann man immer dazulernen.
Haben Sie eigentlich noch Ihren ersten Schläger?
Nicht unbedingt den ersten, es liegen bei mir aber schon noch sehr viele alte Schläger herum, mit denen ich irgendwann einmal gespielt habe oder die irgendwann einmal in meinen Besitz gekommen sind. Wenn man die heute sieht, kann man kaum glauben, dass man damit jemals einen Ball übers Netz gebracht hat. Trotzdem spielen wir mit diesen alten Prackern hin und wieder Juxturniere. Das geht nicht einmal so schlecht, obwohl man sich schon sehr stark umstellen muss. Die alten Schläger sind 40 Dekagramm schwer, die neuen haben nur mehr 30.
