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Rafael Nadal bei den French Open - Die ewige Dominanz des Matadors

Das Dutzend ist voll, Rafael Nadal hat zum zwölften Mal die French Open gewonnen. Und auch wenn die Verfolger ein wenig näher kommen: Ein Ende der Dominanz des Spaniers ist nicht abzusehen.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 10.06.2019, 09:58 Uhr

Zwei alte Bekannte: Der Coupe des Mousquetaires und Rafael Nadl
© Getty Images
Zwei alte Bekannte: Der Coupe des Mousquetaires und Rafael Nadl

Als Amerikas letzter großer Tennistar bei den Herren in den Ruhestand trat, Anfang dieses Jahrhunderts, da wurde auch leidenschaftlich über den Grand-Slam-Rekord von Pete Sampras diskutiert. Sampras hatte 14 Titel gewonnen, er hatte alle Großen aus den Generationen zuvor überholt, die Borgs, McEnroes, Beckers, die Lavers oder Rosewalls. Bald betrat Roger Federer als Champion die Bühne, bald folgte ihm Rafael Nadal nach, schließlich kam noch Novak Djokovic hinzu. Federer, Nadal, Djokovic: Sie waren die Big Three, sie sind auch noch die Big Three. Sie pulverisierten serienweise Bestleistungen, überall im Wanderzirkus, auf allen Kontinenten – und überholten auch, ganz nebenbei, allesamt Sampras. 

Aber ein Rekord ragt unter allen möglichen Rekorden der ehrenwerten Gentlemen heraus, und der Mann, der dafür verantwortlich ist, machte diesen Rekord am Pfingstsonntag im „Stade Roland Garros“ noch ein bisschen größer. Rafael Nadal ist dieser Mann, natürlich, der Matador im roten Sand, der gegen den Österreicher Dominic Thiem im zwölften Karrierefinale bei den French Open auch seinen unglaublichen zwölften Pariser Triumph landete. „Es ist ein großer Moment für mich. Es ist keine Selbstverständlichkeit, hier wieder gesiegt zu haben“, sagte Nadal nach dem 6:3, 5:7, 6:1, 6:1-Erfolg in drei Stunden Kampfzeit. 

John McEnroe preist Rafael Nadal

Ein großer Moment? Es war ein gigantischer Moment, ein unfassbarer Moment auch. Denn wer überhaupt im Sport kann es mit der Dominanz des Mallorquiners bei einem einzigen Turnier oder Wettbewerb auf diesem Niveau aufnehmen, mit der Regentschaft, die er seit seinem ersten Start als Teenager im Jahr 2005 ausübt? „Unvergleichlich“ sei dieser Nadal, sagte der meist nur von sich selbst überzeugte Ex-Superstar John McEnroe am Sonntag ehrfürchtig, „dieser Kerl ist ein Phänomen.“ Man dürfe „nie, nie, nie“ den Fehler machen, Nadal abzuschreiben. So wie zuletzt in den vergangenen Wochen, vor dem Sandplatz-Höhepunkt unterm Eiffelturm. Da schien Nadals Aura angekratzt, seine Siegermentalität in der Spezialdisziplin beschädigt – immerhin verlor er bei den ersten drei Turnieren in Barcelona, Monte Carlo und Madrid noch vor dem Finale, gegen Thiem, Fognini und den Griechen Tsitsipas. Manche glaubten da, dass das jährliche Kräftespiel "Einer gegen Alle" in Paris nun ein anderes Ende finden könnten, mit einem Champion, der nicht Nadal heißt. 

Doch Paris, das ist sein Königreich, sein Himmelreich, der Platz, der Ort, wo Nadal seine ganze Herrlichkeit entfaltet. Von 95 Knockout-Partien hat er nach der zwölften Titelmission nun 93 gewonnen, seine einzigen Bezwinger bleiben weiter der Schwede Robin Söderling im Jahr 2009 und Djokovic im Jahr 2016. Thiem, nach Expertenmeinung der natürliche Erbfolger, der Kronprinz von Nadal, ging zum zweiten Mal hintereinander als geschlagener Finalist vom Platz. Er machte eine weitaus bessere Figur als im Vorjahr, er spielte lange Zeit auf Augenhöhe mit dem „Kannibalen“ (Le´Equipe), aber gerade als er seinen ersten Satz überhaupt in Paris gegen Nadal gewonnen hatte, war im nächsten Moment auch schon alles vorbei. 

Einbahnstraßen-Tennis gegen Dominic Thiem

Nadal schaltete noch einmal zwei, drei Gänge höher, Thiem, samstags noch im verzögerten Halbfinale gegen Djokovic im Einsatz, konnte nicht mehr mithalten. Es war fast nur noch Einbahnstraßen-Tennis, mit Nadal in der vertrauten Rolle des Dominators, der nur noch zwei Spiele abgab. „Deine Zeit wird noch kommen, du gewinnst hier sicher“, sagte Nadal, an Thiem gewandt, bei der offiziellen Zeremonie. Die warmen Worte konnten dem Österreicher allerdings nur ein grimmiges Lächeln entlocken. Denn Thiem wird sich, wie so viele vorherige Verlierer gegen Nadal, eins fragen: Wie lange muss ich noch warten, auf den ersten Titel hier? Wie lange wird Nadal, der insgesamt 18-malige Grand Slam-Champion, noch weiterspielen? Etwa so lange wie Federer, der mit seinen 37 Jahren noch munter ins Halbfinale vorgerückt war.

Nadal ist und bleibt eine Tennis-Naturgewalt in Paris, ein Mann, verschmolzen mit seinem Element Sand. Er ist auch anderswo einer der Größten, aber in Paris ist er ein Superlativ auf zwei Beinen. „Er ist hier jenseits der Welt“, sagte sein Trainer Carlos Moya, selbst French Open-Sieger. Mit seinen zwölf French Open-Titeln allein liegt Nadal noch vor Leuten wie Rod Laver und Björn Borg, die es in ihrer gesamten Karriere auf jeweils elf Erfolge gebracht haben – und nur zwei Siege hinter Sampras` und dessen Bestwert, der früher als unantastbar gegolten hatte. Borg, die Ikone der 70er und 80er Jahre, er stand sechs Mal im Pariser Endspiel, und er gewann auch alle sechs Duelle. Nadal hat diese Zahlen glatt verdoppelt, er hat jetzt ein ganzes Dutzend French Open-Trophäen im Pokalzimmer seiner Akademie auf Mallorca stehen. Nadal, der Unersättliche? „Paris“, sagt er, ist der wichtigste, emotionalste Ort für meine Karriere. Solange ich Tennis spiele, werde ich hier auch um den Sieg kämpfen?

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