Rainer Schüttler - Der Teamplayer als Fed-Cup-Teamchef

Auf den neuen Fed-Cup-Teamchef Rainer Schüttler kommt gleich eine schwierige Aufgabe zu: Anfang Februar geht es für die deutsche Mannschaft nach Brasilien.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 18.11.2019, 13:21 Uhr

Rainer Schüttler - noch in seiner aktiven Zeit
© Jürgen Hasenkopf
Rainer Schüttler - noch in seiner aktiven Zeit

Er war auch in seiner eigenen Tenniskarriere stets ein Teamplayer. Einer, der sich in der typischen Einzelsportart Tennis immer wieder gern in der Gemeinschaft wohlfühlte. Einer, der sich in einer Mannschaft unterordnen konnte und um Interessensausgleich bemüht war. Und so ist es eigentlich keine wirklich Überraschung gewesen, als der Deutsche Tennis Bund am vergangenen Wochenende, am Rande der Mitgliederversammlung in Potsdam, die Berufung von Rainer Schüttler zum neuen Fed-Cup-Kapitän verkündete. 

Schüttler, der 43-jährige aus dem Korbacher Stadtteil Eppe, wird sein Amt am 1. Januar 2020 antreten, als Nachfolger des kürzlich aus dem Amt ausgeschiedenen Jens Gerlach. Gerlach wird bekanntlich in der nächsten Saison als Privatcoach von Julia Görges arbeiten. Schüttler, so erklärte Barbara Rittner, Head of Womens Tennis beim DTB, bringe alle Erfahrungen mit, „die ein Teamchef braucht.“ Rittner hatte Schüttlers Verpflichtung maßgeblich angestoßen: „Es war meine Idee: Ich habe dann zuletzt immer wieder auf ihn eingeredet“, so die Leverkusenerin gegenüber tennisnet.com, „er wird das toll machen.“

Deutschland muss nach Brasilien

Auf seinen ersten Einsatz als Chef der deutschen Tennisdamen muss Schüttler nicht lange warten. Schon am 7. und 8. Februar steht die wichtige Auswärtspartie in Brasilien im Fed Cup an, es geht dabei um nicht weniger als die Qualifikation für das neu geschaffene Endturnier, das im April in Budapest stattfindet. „Ich freue mich auf eine spannende Aufgabe und eine große Herausforderung“, sagt Schüttler, „es ist eine Ehre, Fed-Cup-Kapitän zu werden.“ Schüttler kehrt damit auch nur wenige Monate nach dem einvernehmlichen Abschied von der Traineraufgabe bei Wimbledonsiegerin Angelique Kerber auf die große Tennisbühne zurück. Der 43-jährige Nordhesse und die ehemalige Weltranglisten-Erste hatten Mitte Juli beschlossen, ihre Zusammenarbeit nicht fortzusetzen. Gleichzeitig betonten beide, dass das Ende des Arbeitsverhältnisses nichts am persönlichen, freundschaftlichen Verhältnis ändern werde.

Schüttlers Kontrakt läuft zunächst bis zum Jahresende 2020, beide Seiten werden dann sicher eine Bilanz ziehen – und für sich beantworten, ob die Liasion weitergehen soll. Schüttlers „menschliche und fachliche Kompetenz“ sei jedoch unumstritten, sagte Rittner, selbst jahrelang die Chefin der deutschen Damen. Unklar ist, mit welcher Besetzung die deutsche Auswahl die Partie in Brasilien angehen wird. Für die Topspielerinnen Kerber und Görges wäre es eine beschwerliche Reise, unmittelbar nach dem Kraftakt bei den Australian Open – und auch, weil Mitte Februar am Arabischen Golf dann schon wieder wichtige Pflichtturniere anstehen. Allerdings bieten sich, sollten die Führungsspielerinnen nicht antreten, auch Profilierungschancenchancen für jüngere Spielerinnen – denn auch dies ist klar: In der DTB-Equipe muss jetzt auch ein Generationenwechsel eingeleitet und moderiert werden. Kerber, Görges, Petkovic, Grönefeld: Sie alle gehören mittlerweile der Ü30-Fraktion an, sie haben schon in vielen Jahren den Kopf hingehalten für Tennis-Deutschland.

Schüttler stand selbst gute zehn Jahre in Davis Cup-Mannschaften mit verschiedener Besetzung, zudem vertrat er Deutschland mehrfach bei Olympischen Spielen. 2004 gewann er mit Nicolas Kiefer die Silbermedaille in Athen. Seine beste Saison erlebte der Korbacher 2003, als er ins Endspiel der Australian Open einzog und am Saisonende bis ins Halbfinale der Tennis-WM in Houston vorrückte. In der Weltrangliste kletterte er bis auf Platz 5. Schüttler leitet gegenwärtig auch als Turnierdirektor den ATP-Wettbewerb in Genf, in der Talentarbeit wirkte er einige Jahre gemeinsam mit seinem ehemaligen Profikollegen Alexander Waske in Offenbach, als Untermieter im Leistungszentrum auf der Rosenhöhe.

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von Jörg Allmeroth

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18.11.2019, 13:50 Uhr
zuletzt bearbeitet: 18.11.2019, 13:21 Uhr