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Royale Mode und Ibiza-Probleme: Dies und Jenes aus Wimbledon, Teil 2

Was geschah noch so beim Wimbledon-Turnier 2019, neben den ganz großen News? Eine kleine Auswahl.

von Florian Goosmann aus Wimbledon
zuletzt bearbeitet: 15.07.2019, 08:22 Uhr

Royal Box
© Getty Images
Die Royal Box in Wimbedon

Für gleich mehrere Highlights beim Wimbledonturnier 2019? Sorgten die Damen und Herren, die zu viert auf dem Court standen. Das Herrenfinale im Doppel? Wahnsinn! Die Tricks von Barbora Strycova und Su-Wei Hsieh? Entzückend! Und die Aufmerksamkeit fürs Mixed, dank Sir Andy Murray und Serena Williams? Toll! Mehr davon, mehr davon! Und wer weiß: Vielleicht kommt ja irgendjemand mal auf die verrückte Idee, eine Art Mixed-Turnier zu veranstalten…

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Aber Sarkasmus beiseite: Angeblich sollte ja ein neues Plätzchen für den Hopman Cup gesucht werden, nachdem er ab 2020 dem neuen ATP Cup weichen muss. Gehört, ob und wo da was passiert… haben zumindest wir bislang noch nichts Konkretes. Es wäre wirklich schade, wenn es das gewesen sein soll...

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Die Halbfinals bei den Herren, sie waren die ältesten der Wimbledon-Geschichte. Roberto Bautista Agut muss sich mit seinen 31 Lenzen vorgekommen sein wie ein Jungspund. Und bei allem „Wie lange geht das noch so weiter?“: Wenn man einem Nachsatz von Rafael Nadal etwas mehr Beachtung schenkt, haben die älteren Herren weiterhin nicht vor, bald abzutreten. Was Federer, Djokovic und er in einer Era erreicht hätten – unwahrscheinlich, dass man das noch mal erlebe, meinte Nadal. Und ergänzte: „Wir sind ja noch nicht fertig. Die Dinge gehen weiter.“

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Roberto Bautista Agut hatte eigentlich vorgehabt, an diesem Wochenende seinen Junggesellen-Abschied auf Ibiza zu feiern und stand dann halt im Halbfinale von Wimbledon. Ein Problem? Nee. Seine Freunde seien als Überraschung vorbeigekommen und im Publikum gesessen. Ob ein Ibiza-Ausflug dann im Sommer anstehe? „Definitiv ja“, so Bautista Agut. Und wann? „Vielleicht schon morgen.“ Schönen Urlaub!

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Es ist ja schon, nun, sehr speziell in Wimbledon. Man kommt sich schnell underdressed vor, Tennis ist hier noch ein „Sehen und gesehen werden“. Die Base-Cap einfach umgedreht aufzusetzen? Erfordert Mut. Außer es ist natürlich eine aus dem offiziellen Wimbledon-Shop.

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Rechnen wir doch mal durch. Mehr als 40.000 Zuschauer pro Tag waren in Woche eins auf der Anlage, rund 10.000 davon über die Queue. Auf den Hauptplätzen sieht es noch etwas krasser aus: Der Centre Court fasst knapp 15.000 Zuseher, nur 500 hier kommen über die Queue drauf, die restlichen knapp 14.500 haben ihre Tickets vermutlich für teureres Geld im Vorfeld gekauft. Da macht dann logischerweise auch die Kleidung mehr her.

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Apropos: Für einen Besuch in der Wimbledon Tennis Gallery, DER Buchhandlung für Tennisfans, zieht man eher etwas Entspannteres an. Gerade wenn man etwas Zeit mitbringt und sich durch die Massen an Büchern und Zeitschriften wühlen will, sollte es bequem sein. Und, wie ein Stammgast in Anbetracht der Shorts und des Hasselhoff-Shirts des Reporter eures Vertrauens meinte: „Du siehst nicht so aus, als ob du zu viel Geld hast. Da macht Richard dir einen guten Preis.“ Wobei man sagen muss: Richard Jones, der großartige Eigentümer dieser großartigen Buchhandlung, hätte das wohl auch ohne Hasselhoff-Shirt getan. Denn Richard ist ein Guter. Und: Er hat tatsächlich am Ende einen feinen Rabatt rausgehauen.

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Richard ist übrigens auch ein Mann mit Lebenserfahrung. Als mir beim Bezahlen, trotz des Rabatts, ein „Meine Freundin bringt mich um“ über die Lippen kam, meinte er ganz entspannt: „Alle unsere Frauen bringen uns irgendwann um.“

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Stichwort Kleidung: Deutlich mehr Ärger hat ohnehin Herzogin Meghan bekommen. Sie war ebenso in Wimbledon zu Besuch, jedoch in Jeans! Ein Skandal… Zutritt in die Royal Box erhielt sie darin nicht (Jeans gilt nicht als „angemessene Kleidung“), aber sie wollte wohl ohnehin nur Serena Williams besuchen.

Um die gute Meghan in Schutz zu nehmen: Barbora Strycova und Su-Wei Hsieh durften sich ihre Pokale nach dem Doppeltriumph in der Royal Box abholen - in Tennisklamotten!

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Eine Sache, die irgendwie verwundert: In Woche eins ist die Hölle los auf der Anlage – und Sitzplätze auf den Nebencourts sind rar. Aber es scheint nur wenige zu stören. Man spaziert glücklich daher, das ein oder andere Pimm‘s intus, da ist‘s offenbar egal, ob man wirklich Tennis schauen kann. Gerald Marzorati, Journalist für den New Yorker und Autor des großartigen Buchs Late to the Ball, erklärt es damit, dass ein Wimbledon-Besuch wohl eine Sache für die „Bucket List“ sei - muss man mal gemacht haben, ob Tennisfan oder nicht. Könnte gut sein. Dennoch: Es ist gut, dass der Club die gegenüberliegende Golfanlage aufgekauft hat und ausbauen will. Der wahre Tennisfan, der auf den Nebenplätzen was sehen will, kommt in Wimbledon leider etwas zu kurz.

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Immerhin stimmte der Geräuschpegel auf dem Centre Court: Kaum ein Seitenwechsel ohne das wunderbare Geräusch einer ploppenden Sektflasche. Sorry: Champagnerflasche. Herrlich die Ansage eines Schiedsrichters nach einem kleinen Missgeschick: „Ladys und Gentlemen, genießen Sie Ihren Champagner – aber lassen Sie die Korken bitte nicht auf den Platz knallen.“

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von Florian Goosmann aus Wimbledon

Montag
15.07.2019, 11:47 Uhr
zuletzt bearbeitet: 15.07.2019, 08:22 Uhr