Schach am Centre Court - Wer sind die besten Strategen am Tennisplatz?

Unsere Redaktion hat sich in völlig freier Text- und Gedankenform daran gewagt, die besten Strateginnen und Strategen im Spitzentennis ausfindig zu machen.

von Stefan Bergmann
zuletzt bearbeitet: 04.12.2022, 18:35 Uhr

© Getty Images
Novak Djokovic zählt in der tennisnet.com-Redaktion zu den besten Strategen auf der ATP-Tour

Welcher Spieler oder welche Spielerin hat zu jeder Zeit eines Matches den passenden Matchplan parat? Wer brütet schon vor Spielbeginn die besten Ideen für eine erfolgreiche Matchgestaltung aus? In einer Ära, in der vielen Spieler:innen nur noch gedankenloses Powertennis unterstellt wird, ist der- oder diejenige mit der besten Strategie am Platz der einäugige König unter den Blinden. Wir haben uns in der Redaktion mal Gedanken darüber gemacht auf wen diese Zuschreibung passen könnte. Ohne bestimmte Reihenfolge und ebenso ohne Gewähr auf Vollständigkeit.

Jens Huiber: Bester Stratege? Vielleicht sollte man hier das Ausschlussverfahren anwenden und die Frauen gleich mit reinnehmen. Dann scheiden Madison Keys und Jelena Ostapenko schon mal aus. Bei den Männern schafft Nikoloz Basilashvili den Cut leider nicht, aber alle Genannten sind ja noch jung. Auf der WTA-Tour könnte man auf Ons Jabeur als größte Strategin zeigen, die Tunesierin verfügt schließlich über das reichste Waffenarsenal unter allen Spitzenspielerinnen. Bei den Männern ist es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Daniil Medvedev und Novak Djokovic. Meddy hat eben nicht so viele Werkzeuge im Kasten, aber die Spielintelligenz des Russen ist fast unerreicht. Wäre da nicht Djokovic, der auf alles eine Antwort hat, die Bälle seiner Gegner antizipiert wie kein anderer und nichts dem Zufall überlässt.

Niki Fink: Auf der Damentour gibt es keine Spielerin, die der Polin Iga Swiatek in taktischer Hinsicht auch nur annährend das Wasser reichen kann. Siehe die US Open 2022, als sie bei Weitem nicht ihr bestes Tennis spielte und trotzdem ihr zweites Grand-Slam 2022 gewann.

Stefan Bergmann: Hätte Ashleigh Barty nicht zu Beginn der Saison das Handtuch geworfen, wäre meine Meinung im Damentennis klar auf der Hand gelegen. Für ihr Alter von 21 Jahren begeistert mich derzeit dann die klar Weltranglisten-Erste Iga Swiatek am meisten. Die Polin hat nicht umsonst mehr als doppelt so viele Punkte wie ihre erste Verfolgerin Ons Jabeur, die übrigens ebenfalls einen klaren Tennis-Verstand besitzt. Dass Swiatek auch abseits des Platzes als eine der intelligentesten und belesensten Spielerinnen gilt, merkt man eben auch am Platz. In den schwierigsten Match-Momenten bleibt die Dame aus Warschau ruhig und analytisch. Ähnlichkeiten sehe ich bei den Herren auf Seiten von Novak Djokovic. Auch wenn es vielleicht nicht immer offensichtlich spektakulär anzusehen ist, weiß der Serbe ganz genau, wann er welchen Ball zu spielen hat - auch in Momenten der höchsten Bedrängnis. Gepaart mit seiner unglaublichen Erfahrung kann der 21-fache Grand-Slam-Champion praktisch jede noch so schwierige Situation meistern. Für die Zukunft könnte ein Dominic Stricker ein würdiger Strategen-Nachfolger werden - der Schweizer bezauberte mich bei den Next-Gen-Finals bis zur K.O.-Phase mit effektiv eingesetzten Rhythmuswechsel und Varianten.

Victoria Moser: Ganz klar Ons Jabeur, da sie eine herrlich abwechslungsreiche Spielweise hat, die man sonst auf der Damentour in dieser Bandbreite vergeblich sucht.

Michael Rothschädl: In puncto Strategie kann es nur einer sein: Novak Djokovic. Dazu sei mir ein kleiner, persönlicher Einblick erlaubt: Hätte ich jedes Mal in dieser Saison, bei dem ich zum Ende eines Satzes bei einem 30:30 und 30:15 und Aufschläger Novak Djokovic mit vielsagender Miene meinem Nebenan vor dem Fernseher das designierte Break zu Gunsten des Serben prognostizierte, einen Tipp abgegeben, ich wäre wohl den ein oder anderen Euro reicher. Was dafür spricht: Wenn es zählt, dann weiß Novak Djokovic genau, was zu tun ist. Und setzt dieses Wissen eiskalt ein. Immer und immer wieder. Bei den Frauen bewies das versierteste strategische Köpfchen für mich in dieser Saison über weite Strecken Ons Jabeur. Und das über weite Strecken hoch erfolgreich. Kaum einer vermochte es wie die Tunesierin, ihre Gegnerin mit (durchaus auch unorthodox anmutenden) Schlägen aus der Reserve zu locken. Und dann die Vorhand herrlich in Szene zu setzen.

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