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Simona Halep: "Ich wollte einen Topsieg irgendwie erzwingen"

Simona Halep hat durch einen Sieg über Lesia Tsurenko das Achtelfinale der French Open erreicht. Im Gespräch mit einer Presserunde blickt die Rumänin auf ihren letzjährigen Erfolg in Roland Garros zurück und erklärt, warum sie von Zeit zu Zeit ohne Trainer unterwegs ist.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 01.06.2019, 11:43 Uhr

Simona Halep in Paris
Simona Halep

Frau Halep, Sie reisten in den letzten Jahren immer wieder längere Zeit ohne Trainer zu Ihren Turniereinsätzen. Vermissten Sie nicht die Unterstützung durch einen Coach?

Natürlich vermisst man manchmal die Stimme eines Trainers, den Rat, die Unterstützung. Auch das Gefühl, dass sich immer jemand um dich kümmert. Diese Gedanken kommen und gehen. Ich war eigentlich sehr zufrieden so, wie es lief. Nun entschied ich mich allerdings doch dafür, wieder jemanden zu engagieren. Ich kenne Daniel Dobre gut, ich vertraue ihm.

Sie sagten in der Zeit ohne Trainer auch: Es sei positiv, weil Sie sich selbstständiger fühlen würden, weil Sie ihr Schicksal sozusagen in die eigenen Hände nähmen?

Das spielte auf jeden Fall eine Rolle. Es gibt einem schon Stärke. Ich konnte sozusagen als mein eigener Chef agieren, lenkte die Dinge so, wie ich es für richtig hielt. Dabei profitierte ich auch von den vielen Erfahrungen, die ich über die letzten Jahre gemacht hatte. Ab einem gewissen Zeitpunkt versteht man einfach sehr natürlich, wie man seine Arbeit machen muss, welche Abläufe es im Trainingsbetrieb geben muss.

Das heißt: Es kommt – ob nun mit Trainer oder ohne - vor allem auf sich selbst an, auf die eigene Professionalität, auf das Verständnis der Arbeit im Tennis-Wanderzirkus.

Sicher. Ich habe soviel gelernt, auch von meinen vielen tollen Coaches, dass ich ganz gut auf eigenen Beinen stehen kann. Meine Mentalität ist ganz einfach: Ich muss immer, in jedem Spiel, in jeder Sekunde, um jeden Ball mit Entschlossenheit kämpfen. Und ich muss auch die Vorbereitung, das Übungsprogramm so nutzen, dass ich in bestmöglicher Verfassung auf den Court gehen kann. Im Spitzentennis kannst du heute keine Kompromisse mehr machen. Wenn du nicht stets 100 Prozent gibst, wirst du nicht zu den Topspielerinnen gehören.

Sie konnten als eigener Boss auch unkonventionelle Entscheidungen fällen, wie zuletzt einmal beim Turnier in Dubai.

Das stimmt, und mit einem Coach wäre das vermutlich nicht gegangen. Ich hatte nachts wenig geschlafen, war dann um 8 Uhr aufgewacht. Aber ich wollte noch ein bisschen mehr Schlaf, also teilte ich meinem Team mit, dass wir uns erst zweieinhalb Stunden später treffen würden. Wir frühstückten dann gemeinsam, und ich ging anschließend direkt zu meinem Match gegen Lesia Tsurenko. Ich wusste einfach, dass es so besser sein würde. Und ich habe dann ja auch gewonnen.

Da könnten ja auch andere Spielerinnen auf die Idee kommen, sich demnächst um sich selbst zu kümmern.

Das kann man nicht verallgemeinern. Jede Spielerin hat ganz individuelle Bedürfnisse, muss sich ihr eigenes Team zusammenstellen. Ich würde mich jetzt nicht hinstellen und anderen empfehlen, es mal ohne Trainer zu versuchen. Eins ist klar: Man braucht viel Erfahrung, einige Jahre auf der Tour, um das alleine zu schaffen. 

Sie haben große Meilensteine in Ihrer Karriere erreicht, waren die Nummer 1 der Weltrangliste, gewannen letztes Jahr auch ihr erstes Grand Slam-Turnier in Paris. Es war auch ein Sieg über die Zweifler, die sagten: Simona Halep gelingt dieser Erfolg nie.

Ich hatte mich aber längst von diesem Druck befreit, auch von dem Druck, den ich selbst auf mich ausgeübt habe. Ich war eigentlich ziemlich gelassen, weil ich innerlich spürte: Ich werde das packen, ich hole mir einen großen Titel in nicht allzu ferner Zukunft.

So entspannt wirkten Sie tatsächlich nicht immer.

2014 und 2015 waren vielleicht die schlimmsten Jahre. Da war ich viel zu negativ mit mir selbst, sehr unruhig, sehr nervös. Ich wollte einen Topsieg irgendwie erzwingen, aber das geht meistens nicht gut aus. Anfangs dachte ich auch: Die Fans stehen so hinter mir, gerade in Rumänien, da muss ich es besonders gut machen, darf sie nicht enttäuschen. Aber mit größerer Erfahrung, auch mit den Lehren, die ich aus manchen Niederlagen zog, wurde es dann rasch besser. Die Aufmerksamkeit der Fans wurde eher positive Motivation für mich, ich spürte Rückenwind.

Wie nehmen Sie die Anfeuerung denn wahr, sehr konkret oder nur als stimmungsvolle Atmosphäre?

Ich höre eigentlich alles, was die Fans so hereinbrüllen. Manchmal ruft einer: Gewinn` Dein nächstes Spiel, ich muss noch mein Flugzeug kriegen. Da muss man da auch mal schmunzeln. Aber ich nehme nicht alles wörtlich oder persönlich. Ich höre vieles, aber ich kann mich schon sehr auf mein Spiel fokussieren. Und darauf, was ich tun muss, um erfolgreich zu sein.

Viele Spieler sagen, Sie würden diese Zuschauerreaktionen ausblenden. Oder mental ausblocken.

Es wäre schwierig für mich. Es würde mich auch viel Energie kosten. Entscheidend ist, in dem Moment total konzentriert zu sein, wenn der Ballwechsel beginnt. Dann musst du mit allen Sinnen dabei sein, darfst nicht nach rechts oder links schauen.

Auf dem Tennisplatz spürt man bei Ihnen immer eine sehr große Entschlossenheit, eine starke Willenskraft und immer hohen Einsatz. War das schon immer so?

Ich war 14 Jahre alt, als ich meine Einstellung veränderte. Vorher war ich nicht immer mit der nötigen Ernsthaftigkeit unterwegs gewesen. Es war einfach ein Impuls, den ich gar nicht richtig erklären kann. Aber ich sagte mir: Jetzt muss ich alles seriöser betreiben und versuchen, jede Minute im Tennis besser zu nutzen.

Eine Ihrer größten Leistungen ist sicher, seit Ihrem Top Ten-Vorstoß im Jahr 2014 nicht mehr aus der Spitzengruppe herausgefallen zu sein.

Darauf bin ich auch stolz. Weil Konstanz das Wichtigste im Tennis auf diesem Niveau ist. Weil es sehr viel Energie kostet, wenn du dauernd durch Wellentäler gehst und dich zurückkämpfen musst. Eine wirklich schwere Krise hatte ich zuletzt nicht mehr.

Sie haben einmal gesagt, aus Niederlagen hätten Sie auch oft neue Motivation bezogen. Den Impuls, es unbedingt beim nächsten Mal besser machen zu wollen.

Das steckt einfach so in mir drin. Ich wollte mich nicht von einer Enttäuschung richtig nach unten drücken lassen. Ich war und bin auch nicht jemand, der sich nach einer Niederlage eine lange Auszeit nimmt, um mal Abstand zu gewinnen. Ich nehme einfach einen neuen Anlauf, ich arbeite weiter hart. Und bin guter Hoffnung, dass ich wieder gute Resultate habe. Man braucht eine gewisse Hartnäckigkeit in seinem Charakter, um immer dran zu bleiben.

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von Jörg Allmeroth

Samstag
01.06.2019, 12:37 Uhr
zuletzt bearbeitet: 01.06.2019, 11:43 Uhr