Der kleine Trick für einen großartigen Stoppball

Warum im Tennis nicht die Länge des Weges zum Stoppball entscheidend ist, sondern der Weg selbst.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 28.10.2015, 18:59 Uhr

Wie wäre es, wenn man nach einem Schlag bereits wüsste, wohin der Gegner als nächstes spielen wird? Wenn man einen guten Stoppball spielt, wird der Gegner einen komplizierten Ball spielen müssen. Zum einen wird er den Stopp womöglich erst im letzten Moment erreichen – was der Idealfall ist. Zum anderen wird der Gegner diesen Ball in einem sehr schweren Winkel, unterhalb der Netzkante spielen müssen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner einen langen Ball mit Topspin spielen wird, ist also sehr gering. Stattdessen bleibt ihm fast ausschließlich die Möglichkeit, mit einem kurzen Ball zu antworten. Man kann sich also nach einem Stopp bereits nach vorn orientieren, da man weiß, dass der Gegner sehr wahrscheinlich einen kurzen Ball spielen wird.

Lieber kompliziert als weit

Man hat es sicherlich schon gesehen:Rafael Nadalerläuft von der einen Seite des Platzes einen schier unerreichbaren Stopp auf der anderen Seite des Platzes. Was unglaublich spektakulär aussieht, hat einen simplen Grund: der Laufweg ist für „Rafa" in solchen Situationen denkbar einfach. Er muss einfach strikt geradeaus laufen. Zwar sehr weit, um den Stopp noch zu kriegen, aber der Laufweg ist simpel. Was einen an dieser Stelle vielleicht schon aufhorchen lässt, denn einen guten Stoppball spielt man, wenn man es seinem Gegner möglichst kompliziert macht, diesen zu erlaufen. Die Länge des Laufweges ist dabei gar nicht das Entscheidende. Viel wichtiger ist, dass der Gegner vielleicht einen Richtungswechsel vornehmen muss. Oder man ihn gerade auf dem falschen Fuß erwischt hat und er nochmal komplett umkehren muss. Dazu kommt, dass man den aktuellen Bewegungsrhythmus seines Gegners unterbricht, und dieser nochmal komplett neu „Anlauf" nehmen muss.

Die Position des Gegners erkennen

Um den Gegner auf eine möglichst komplizierte Reise zum Stoppball zu schicken, muss man genau erkennen, wo er sich im Ballwechsel befindet. Das Ziel muss es also sein, schnell die richtig Spielsituation für einen guten Stoppball zu erkennen. Hat man eine gute Möglichkeit erkannt, setzt man direkt eine genaue Position, wo man den Stoppball hinspielen will. Hat man beispielsweise gerade mit einem guten Rückhand-Cross den Gegner aus dem Feld getrieben, und dieser bewegt sich geradewegs wieder zurück Richtung Platzmitte, so kann die Rückhandseite des Gegenübers ein hervorragendes Ziel für den Stopp sein. Der Gegner müsste nämlich seine aktuelle Laufbewegung abbrechen, kurz abstoppen, und sich auf den Weg nach vorn machen. Dies ist um einiges schwieriger und aufwendiger, als einen Stoppball zu erlaufen, der direkt in die eigene Laufrichtung führt.

Fazit

Der kleine Trick für einen guten Stoppball liegt also im Laufweg des Gegners. Man kann den besten Stoppball aller Zeiten spielen. Wenn der Gegner einen leichten Laufweg zu diesem hat und dazu noch schnell auf den Beinen ist, wird er diesen erlaufen und vermutlich auch gut zurückspielen. Bremst man aber den Gegner in seiner Bewegung durch einen cleveren Stoppball, so muss dieser gar nicht so grandios gespielt sein, dass er direkt wieder in die eigene Hälfte des Feldes springt. Dazu hat man die Möglichkeit, dem Stopp direkt nachzugehen. Hierdurch verkleinert man nochmals den Winkel für den Gegner. Mit dieser Taktik muss der Stopp nicht ein Winner sein. Er dient stattdessen als Vorbereitung auf den Punkt, welchen man mit dem nächsten Schlag abschließen kann. Man muss die richtige Situation für einen Stopp erkennen. Dann schickt man seinen Gegner auf eine komplizierte Reise. Geht man dem Stoppball nach, holt man leicht den Punkt. Viel Erfolg!

Eine Analyse von Marco Kühn (tennis-insider.de)

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Mittwoch
28.10.2015, 18:59 Uhr