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Sensationen in New York – Die größten Favoritenstürze bei den US Open

Patrick Rafter, Svetlana Kuznetsova und Andre Agassi. Allesamt mussten bei den US Open frühe Niederlagen gegen Außenseiter hinnehmen.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 24.08.2016, 08:45 Uhr

Von Christian Albrecht Barschel

Die US Open sind wohl das härteste und das vielleicht am schwersten zu gewinnende Grand-Slam-Turnier. Wer hier triumphieren will, darf sich nicht von den schwülen Temperaturen, den lauten gröhlenden Fans und dem ständigen Flugzeuglärm aus der Ruhe bringen lassen. Nur die Fittesten siegen in der Hitze von New York.

In der Vergangenheit gab es immer wieder faustdicke Überraschungen und Sensationen auf der Anlage in Flushing Meadows. Große Favoriten kamen früh ins Straucheln und sind letztendlich auch gefallen. Sicherlich wird es auch in diesem Jahr zu einigen Überraschungen kommen.tennisnet.comblickt auf einige große Sensationen in der Geschichte der US Open zurück.

Pete Sampras – Mats Wilander 5:7, 6:3, 1:6, 6:1, 6:4 – 2. Runde 1989

Mats Wilander war der große Dominator der Saison 1988 mit drei Grand-Slam-Siegen, unter anderem auch bei den US Open. So ging der Schwede ein Jahr später als Titelverteidiger in New York an den Start. Doch der Weltranglisten-Fünfte spielte bis dahin eine bescheidene Saison. In der zweiten Runde wartete auf Wilander ein gewisser Pete Sampras – blutjunge 18 Jahre alt und Nummer 91 der Welt. Eigentlich eine leichte Aufgabe für Wilander. Doch damals konnte man noch nicht ahnen, was aus diesem Sampras später werden sollte. Nämlich noch eine größere Legende, als Wilander es war.

So sorgte Sampras in der Night Session vor 18.000 Zuschauern im Louis Armstrong Stadium für die große Sensation und kegelte mit seinem ersten Sieg gegen einen Top-10-Spieler den Titelverteidiger in fünf Sätzen aus dem Turnier. „Zu Beginn habe ich nicht wirklich daran geglaubt, dass ich gegen Mats gewinnen könnte. Aber er hat mir eine Menge Möglichkeiten gegeben, und ich habe daraus Kapital geschlagen. Es hing alles davon ab, wie ich spielte. Ich habe das Match gewonnen, er hat es nicht verloren“, freute sich Sampras. Ein Jahr später holte sich „Pistol Pete“ bei den US Open den ersten von 14 Grand-Slam-Siegen in seiner Karriere.

Karel Novacek – Stefan Edberg 7:6 (3), 6:4, 4:6, 6:4  – 2. Runde 1993

Wie Patrick Rafter sechs Jahre später ging Stefan Edberg im Jahre 1993 als zweifacher US-Open-Sieger in den Vorjahren an den Start. Der Schwede wurde wieder als einer der großen Titelfavoriten gehandelt, hatte aber schon in der ersten Runde Schwierigkeiten zu gewinnen. In der zweiten Runde erwischte es dann Edberg, der in vier Sätzen dem Tschechen Karel Novacek unterlag, gegen den er zuvor alle drei Duelle gewonnen hatte.

Edberg hatte Probleme mit den schwülen Bedingungen in New York. „Es ist wirklich sehr schwer, sein bestes Tennis bei 32 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit zu spielen. Es ist traurig. Ich habe recht gut gespielt und hatte eine vernünftige Auslosung. Wenn ich erst mal ins Rollen komme, bin ich schwer zu schlagen. Ich fühlte, dass ich zurückkomme, aber innerhalb von fünf Minuten war das Match vorbei“, bilanzierte Edberg. Novacek war dagegen völlig aus dem Häuschen und freute sich über den größten Sieg seiner Karriere „zieht man die Wichtigkeit des Turniers und den Spieler, den ich heute geschlagen habe in Betracht“.

„Heute habe ich Stefan Edberg geschlagen, den zweifachen Titelverteidiger. Das ist, was zählt. Niemand kann sagen, dass er es nicht versucht hätte oder schlecht geschlafen hat oder was auch immer gesagt wird, wenn die großen Stars bei kleinen Turnieren verlieren“, jubelte Novacek. Die Freude hielt nicht lange. Novacek verlor anschließend in der dritten Runde gegen den unbekannten US-Amerikaner Chuck Adams. Ein Jahr später an gleicher Steller bewies Novacek, dass er es besser kann und erreichte mit dem Halbfinale sein bestes Grand-Slam-Resultat.

Cedric Pioline – Patrick Rafter 4:6, 4:6, 6:3, 7:5, 1:0 Aufgabe – 1. Runde 1999

Patrick Rafter trat als zweifacher US-Open-Sieger und Titelverteidiger 1999 an und strebte seinen dritten Titel nacheinander in New York an. Doch es sollte ganz anders kommen für den Australier. Mit dem Franzosen Cedric Pioline hatte Rafter sicherlich ein sehr schweres Erstrundenlos gezogen. Aber der Serve-and-Volley-Spezialist gehörte wieder zum großen Favoritenkreis und Pioline sollte dabei nicht im Wege stehen. Alles verlief zunächst nach Plan und Rafter holte sich die ersten beiden Sätze.

Dann ließ der sonst so gefürchtete Aufschlag des Australiers nach, der mit starken Schulterschmerzen zu kämpfen hatte. Trotzdem war Rafter im vierten Satz drauf und dran, das Match zu gewinnen. Pioline schaffte den Satzausgleich und Rafter gab nach dem Break im fünften Satz schließlich auf. „Für mich ist es sehr hart, mich selbst herauszunehmen auf solch einer Bühne. Nach dem vierten Satz saß ich da und wusste, dass ich eigentlich den Platz hätte verlassen müssen. Aber ich habe es nicht getan“, gab Rafter an, der wegen einer Sehnenentzündung in seiner rechten Schulter nicht mehr weiterspielen konnte.

Damit schied zum ersten Mal in der Geschichte der US Open ein Titelverteidiger bereits in der ersten Runde aus. Bei den Frauen hatte es das zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegeben. Viel schlimmer für Rafter war aber, dass er mit lauten Buhrufen der Zuschauer, die ihn in den zwei Jahren zuvor noch so gefeiert hatten, den Platz verlassen musste. „Es ist sehr traurig. Was kann ich tun? Es ist enttäuschend, ausgebuht zu werden. Das schmerzt. Kein Zweifel darüber“, erklärte ein enttäuschter Rafter danach.

Arnaud Clement – Andre Agassi 6:3, 6:2, 6:4 – 2. Runde 2000

Als Titelverteidiger und Nummer eins der Welt ging Andre Agassi in die US Open 2000. In der zweiten Runde wartete Arnaud Clement. Agassi hatte gute Erinnerungen an den Franzosen. Sowohl bei den French Open 1999 als auch bei den US Open im gleichen Jahr konnte sich der US-Amerikaner gegen Clement durchsetzen. Aber die Voraussetzungen für seinen dritten Titel in New York waren nicht gut. Einige Wochen zuvor wurde Agassi bei einem Autounfall am Rücken leicht verletzt. Zudem plagten ihn private Probleme. Seine Mutter und seine Schwester kämpften beide mit der Diagnose Brustkrebs.

Beachtet man diese Faktoren, war es nicht allzu verwunderlich, dass der Titelverteidiger das Spiel verlor. Vom klaren Ergebnis konnte man aber überrascht sein. Clement schoss Agassi mit 6:3, 6:2, 6:4 regelrecht vom Platz. Ebenfalls in der zweiten Runde schied der an zwei gesetzte Gustavo Kuerten aus. Somit standen in der Geschichte der Open Era bei einem Grand-Slam-Turnier weder die Nummer eins noch die Nummer zwei in der dritten Runde. Agassi revanchierte sich ein paar Monate später gegenüber Clement. Im Finale der Australian Open dominierte er den Franzosen beim 6:4, 6:2, 6:2 nach Belieben.

Ekaterina Bychkova – Svetlana Kuznetsova 6:3, 6:2 – 1. Runde 2005

Das gleiche Schicksal wie Rafter ereilte Svetlana Kuznetsova 2005 bei den US Open. Die Russin kam als Titelverteidigerin nach New York und schied kläglich in der ersten Runde aus. Kuznetsova war damit die erste Spielerin, die als amtierender Champion bereits nach dem ersten Match die Koffer packen musste. Als Weltranglisten-Fünfte ging Kuznetsova in ihr Erstrundenmatch gegen ihre völlig unbekannte Landsfrau Ekaterina Bychkova, Nummer 97 der Welt.

Und die Titelverteidigerin, die schon in den Wochen zuvor keine guten Resultate vorzuweisen hatte, spielte ein erschreckend schwaches Match. 45 unerzwungene Fehler produzierte Kuznetsova und schied glatt mit 3:6, 2:6 aus. „Ich habe eine Lektion gelernt und das ist hart. Aber die harten Dinge machen dich stärker und lassen dich lernen“, sagte die Russin anschließend. Zwei Jahre später stand Kuznetsova wieder im Finale der US Open. Sie hatte ihre Lektion gelernt.

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Mittwoch
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