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US Open: Dominic Thiem nach dem Finaltriumph - „Wahnsinn!“

Dominic Thiem hat am Sonntagabend im Finale der US Open 2020 Alexander Zverev mit 2:6, 4:6, 6:4, 6:3 und 7:6 (6) geschlagen.Thiem ist nach Thomas Muster 1995 damit der zweite österreichische Spieler, der einen Major-Titel gewonnen hat.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 14.09.2020, 08:39 Uhr

Dominic Thiem - US-Open-Champion 2020
© Getty Images
Dominic Thiem - US-Open-Champion 2020

Nach mehr als drei Wochen Quarantäne haben Dominic Thiem und Alexander Zverev dann endlich einmal auf das Sicherheits-Protokoll der USTA gepfiffen. Nach mehr als vier Stunden Spielzeit in einem Match, in dem Zverev so sicher auf der Siegerstraße schien, mit zwei Sätzen und einem Break Vorsprung, fielen sich die beiden Kontrahenten einfach in die Arme. Corona hin oder her. "Wir sind beide gefühlt 14 mal getestet worden". sagte Thiem in seiner Pressekonferenz. "Wir haben niemanden in Gefahr gebracht. Das war also schon in Ordnung."

Je länger die Partie im leeren Arthur Ashe Stadium andauerte, umso mehr schien aus Zverev die Kraft zu weichen. Was sich auch beim Aufschlag bemerkbar machte, den er in den ersten beiden Durchgängen noch makellos und für Thiem kaum retournierbar aus der Schulter schüttelte. Dann war es aber der Österreicher, der beim Stand von 6:5 in der Entscheidung über den Platz humpelte. Thiem verzichtete auf eine Medical Timeout, gab der Historie dieses Matches folgend seinen Aufschlag natürlich ab.

Das Tiebreak war die logische Schlusssequenz in diesem Match - und ebenso logisch war, dass Thiem seine ersten beiden Chancen zum Sieg nicht nutzen konnte. Vor allem die Vorhand aus dem Halbfeld beim Stand von 6:4 schien durchaus machbar. Allerdings nicht im fünften Satz eines Matches, in dem es um den ersten Grand-Slam-Erfolg der Karriere geht. Zverev half ein wenige Augenblicke später mit einem Rückhandfehler aus, Thiem ging zu Boden.

Thiem gegen Nadal 2018 nahe dran

Etwas mehr als 25 Jahre nach Thomas Muster in Roland Garros hat es also ein zweiter Österreicher geschafft, einen der vier großen Titel im Tennis zu holen. Erwartet wurde das eher in Paris auf Sand, aber spätestens der Finaleinzug bei den Australian Open 2020 hat gezeigt, dass Dominic Thiem bereit für den großen Coup ist, auch auf Hartplatz.

In New York hatte der mittlerweile 27-Jährige ja schon im Viertelfinale 2018 gegen Rafael Nadal angedeutet, wozu er fähig ist. Vor zwei Jahren allerdings musste sich Thiem dem Spanier im Tiebreak des fünften Satzes noch geschlagen geben. Große Feiern wird es in New York City in diesem Jahr keine geben. Die Reisegruppe Thiem umfasst mit dem Meister selbst plus Coach Nicolas Massu, Physio Alex Stober und Kumpel Lucas Leitner schließlich nur vier Personen.

Vater Wolfgang Thiem war ebenso in Österreich geblieben wie Bruder Moritz. Mit dem führte der frisch gekürte US-Open-Champion Minuten nach seinem Triumph ein Gespräch via Videowall. Im Gedächtnis geblieben sind zwei Worte: „Wahnsinn“. Und „geistesgestört“. Wohl auch, weil Thiem sehr nervös in das Spiel gegangen war. Die Erfahrung habe ihm nicht geholfen - im Hinterkopf sei ja ständig herumgeschwirrt, dass er bei einer weiteren Niederlage 0:4 in Major-Endspielen gewesen wäre, erklärte der Champion während der PK. Aber: Mit dem Sieg in New York City könne er nun viel entspannter in die kommenden großen Turniere gehen.

In einer Linie mit Borg, Agassi, Lendl

Die historische Dimension des Erfolges von Dominic Thiem lässt sich auch an der Statistik ablesen, wie vielen Spielern in der Open Era es gelungen ist, nach einem 0:2-Satzrückstand ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. In dieser Liste ist Thiem nach den Legenden Björn Borg, Ivan Lendl und Andre Agassi und Gaston Gaudio erst die Nummer fünf.

Wie schon in seiner ersten Partien hätte es auch in diesem Spiel geholfen, wenn von den Tribünen die übliche Energie der New Yorker gekommen wäre. "Geholfen hätte es uns beiden gegen Ende des Matches", sagte Thiem. Zu Beginn wäre es eher nicht hilfreich gewesen. "Da wäre wohl hier und da ein Raunen durch das Publikum gegangen." So schlecht habe er gespielt. "Aber im fünften Satz haben wir beide absolut alles gegeben, alles rausgeholt, körperlich und mental. Da wäre eine Unterstützung schon schön gewesen."

Die wird Dominic Thiem, Stand jetzt, bei den French Open in Roland Garros bekommen. Offen ist lediglich, ob er ohne Spielpraxis nach Paris fährt: Für das Turnier in Rom haben Thiem wie auch sein Finalgegner Zverev abgesagt. Bliebe noch die Option, am Hamburger Rothenbaum aufzuschlagen. Das Problem dort: Das Finale ist für Sonntag, den 27. September terminiert. Das ist aber gleichzeitig der erste Tag der French Open. Über solche Dinge wollte sich der neue Champion am Sonntagabend in New York aber noch keine Gedanken machen.

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von Jens Huiber

Montag
14.09.2020, 07:50 Uhr
zuletzt bearbeitet: 14.09.2020, 08:39 Uhr

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