Viel Geld, wenige Titel - 2023 war nicht das Jahr der US-Amerikaner

Keine Tennisnation wendet mehr Mittel für die Förderung seiner Talente auf als die USA. Die Ergebnisse in dieser Saison spiegeln das nicht wider.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 04.12.2023, 14:53 Uhr

Ben Shelton hat in Tokio den größten Titel eines US-Amerikaners 2023 geholt
© Getty Images
Ben Shelton hat in Tokio den größten Titel eines US-Amerikaners 2023 geholt

Das Jahr 2023 hat für den amerikanischen Tennissport gar nicht mal so schlecht begonnen: nämlich mit dem Sieg beim United Cup. Okay, das ist nun kein Klassiker der neueren Sportgeschichte, aber warum nicht nehmen, was einem auch serviert wird. Gerade Taylor Fritz aber, einer der beiden männlichen Protagonisten neben Frances Tiafoe, hätte sich danach bei den Australian Open ein bisschen mehr erwartet.

Stattdessen waren es Ben Shelton und Tommy Paul, die in Melbourne für Furore sorgten. Aber natürlich auch weit davon entfernt waren, tatsächlich den ersten Titel für die USA 2023 zu holen. Das war dann tatsächlich Taylor Fritz vorbehalten, in Delray Beach im Februar. Frances Tiafoe zog im April in Houston nach - aber eben auch nur bei einem 250er-Turnier. Ein Vierteljahr rum also - und kein nennenswerter Erfolg für die US Boys.

Die Rasensaison verlief dann nicht übel, wieder war es Tiafoe, der in Stuttgart zuschlagen konnte, zwei Wochen danach feierte Christopher Eubanks in Mallorca seine Premiere als Champion. Den fünften 250er-Titel für einen US-Spieler gewann dann wieder Fritz in Atlanta. Und das war es dann auch bis Mitte Oktober - bis Ben Shelton endlich ein Regal höher zugriff, in Tokio wenigstens ein 500er-Event gewann. Dass Team World zwischendurch erneut im Laver Cup erfolgreich war, ist nur aus Chronistenpflicht erwähnenswert.

Roddick letzter Major-Champion

Sechs Titel also für die einstmals große Tennisnation USA. Das ist angesichts des Reichtums der USTA keine gute Bilanz. Andererseits haben die Franzosen, deren Verband auch im Geld schwimmt, nur ein Championat mehr geholt, die Australier gar nur zwei. Und über die Briten, die vierte Grand-Slam-Nation, die über fast unbegrenzte Mittel verfügt, wollen wir den Mantel des Schweigens hüllen.

Immerhin stellen die USA mit vier Spielern die größte Anzahl an Top-20-Athleten auf der ATP-Tour. Allerdings überwintert Taylor Fritz als bester US-Profi auf Platz zehn. Tommy Paul folgt als Nummer 13, Frances Tiafoe als Nummer 16, dahinter liegt auch schon Ben Shelton. Eben der ist wohl auch die größte Hoffnung, dass es vielleicht bald wieder mit einem ganz großen Coup klappt. Den letzten hat Andy Roddick nämlich 2003 bei den US Open gelandet.

von Jens Huiber

Montag
04.12.2023, 11:45 Uhr
zuletzt bearbeitet: 04.12.2023, 14:53 Uhr